Dokument 
Marinewesen : (Gruppe XVII, Section 1 bis 4) ; Bericht / von Alexander Friedmann, Civiling. in Wien
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen

86

Alexander Friedmann.

angelegt würde, wenigftens ein Theil der Schiffe und Waarenhallen, welche für den unmittelbaren Confum dienen follen, der Stadt näher kommen können.

Es wird bei der Befchreibung der neuen Hafenbauten von Hamburg diefs Thema wieder berührt werden; übrigens ift es in Bordeaux weniger die Hafen­anlage felbft, als die Bauausführung, welche ob der Grofsartigkeit und Neuheit der hiebei angewandten Methoden eminente Beachtung verdient. Fig. 57 zeigt in gröfserem Mafsftabe den Grundriss der früher ad Fig. 54 mit abc vorläufig befchriebenen Schleufenanlage. Hier eine Ergänzung diefer Befchreibung. Um die Einfahrt vom Fluffe aus in die Schleufen zu erleichtern, ift die Schleufenanlage vom Uferrande aus um 28 Meter ins Land hineingerückt und ift überdiefs durch Pfahlwerke, welche von der Schleufe ab fächerförmig eine Strecke in den Flufs hineinreichen, den einfahrenden Schiffen die ftörende Strömung des Fluffes verringert. Das Fahrwaffer wird an diefer Stelle durch Baggerungen fo tief gehalten werden, dafs es während der fchwächften Fluthen Schiffen von 6 Meter Tauchung die Paffage in die Schleufen geftattet. Diefer letzteren find zwei combinirt; die eine aat ift 152 Meter lang und 22 Meter breit, für die Paffage der gröfsten Raddampfer ausreichend, die andere bb 14 Meter breit und 136 Meter lang, hat zwifchen der äufserften Thorfchleufe b und der innerften 61 eine dritte Thor­anlage c. Hiedurch ift diefe Schleufe der Länge nach in zwei Theile, der eine 60 Meter, der andere 76 Meter lang, eingetheilt, fo dafs für den Ein- und Austritt kleinerer Schiffe der Wafferverbrauch reducirt wird, dennoch aber auch langen Schraubendampfern bei Oeffnung des Zwifchenthores c die Paffage diefer engeren Schleufe möglich bleibt. Die beiden Schleufen aa¹ und 661 find durch einen gemauerten Zwifchenpfeiler von 10 Meter Breite and 210 Meter Länge getrennt. In den Mauerwerken des Zwifchenpfeilers fowie der Seitenpfeiler find Waffer­leitungen und Schützenvorrichtungen für die Füllung und Entleerung der Schleufen

refervirt.

Fig. 58.

Fig. 59.

543210

10

20

30 Meter.

Die beiden Fig. 58 und 59 veranfchaulichen einen Vertical­abſchnitt fenkrecht auf die Län­genrichtung der beiden Schleufen a und b, und zwar: Fig. 58 bei gefchloffenen, Fig. 59 bei geöff­neten Schleufenthoren. Der Boden der Schleufenkammern ift ge­wölbt und greift unter die Pfei­ler, von deren Oberrand ab nach jeder Seite eine freie Fläche von 25 Meter Breite für die Anlage von Strafsen freigelaffen ift. An den beiden Enden der Schleufen find Drehbrücken d angelegt, wo­von jede um einen auf den Mittel­pfeiler fixirten Zapfen und Dreh­werk drehbar ift, fo dafs, wenn die eine Brücke für die Einfahrt eines Schiffes geöffnet ift, die andere Brücke den Wagenver­kehr über die Schleufen ermög licht.

Das Terrain, auf welchem diefe Arbeiten ausgeführt werden, ift ein mit blauem Tegel untermifchter Schlamm, welcher von einer dünnen Schichte vegeta­bilifcher Erde bedeckt ift, und in einer Tiefe von 12 bis 14 Meter auf einer waffer­führenden und fchotterhältigen Sandfchichte von 3 bis 4 Meter Dicke, welche von grobem Schotter gefolgt ift, ruht. Die Sandfchichte ift durch das darauf