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Alexander Friedmann.
Trockendock von Kronftadt.
Beiftehende Fig. 81 gibt eine perfpectivifche Skizze des ausgeftellt gewe fenen Modells des Trockendocks von Kronftadt. Nach den foeben zu den Fig. 75 bis 80 eines der Trockendocks von Le Havre gegebenen Erklärungen find hier nur hervorzuheben die grofsen Dimenfionen, die Vollftändigkeit der Krahnanlagen und der Umstand, dafs das ganze Dock in einem Molo angelegt ist, deffen drei Seiten für die Landung von Schiffen vorgerichtet find und fo die Materialien für die Conftruction oder Reparatur der Schiffe fowohl zu Waffer wie durch Eifenbahnen zugeführt werden können. Der Ausladevorrichtungen find vier, und zwar zwei fixe Handkrahne pv und zwei bewegliche Dampfkrahne m und n disponirt. Die zwei letzteren können über die Schienengeleife ad und ee entlang dem ganzen Trockendoc kauf- und abfahren und habe neine Ausladung bis in die Achfe des Trockendocks; überdiefs ift für jeden derfelben ungefähr in der Mitte der Längsgeleife eine Schiebebühne vorgerichtet, durch welche jeder der zwei transportablen Krahne transverfal auf die Längenrichtung des Docks fich bewegen und die Conftructionsobjecte direct vom Eifenbahnwaggon des Eifenbahngeleifes entlang den Quais oder auch von an denfelben anlegenden Schiffen abnehmen und zum in Reparatur befindlichen Schiffe des Trockendocks bringen kann.
Der Verfchlufs des Trockendocks gefchieht mittelft Schwimmthoren, im Principe in gleicher Weife und conftruirt und verwendet, wie das Fig. 79 fkizzirte, nur entsprechend der grofsen Breite der Einfahrt kräftiger dimenfionirt und ausgerüftet. In dem Gebäude, Fig. 81, rechts vom Trockendock find die Dampf mafchinen und Pumpenanlagen angebracht, durch welche das Waffer aus dem Trockendock, nachdem das Schiff eingefahren und das Schwimmthor vorgelegt ift, rafch ausgepumpt werden kann. Details über die Einzeldimenfionen der ganzen Anlage und über die verfolgte Methode bei der Bauausführung konnten nicht rechtzeitig befchafft werden. Doch kann, die Dimenfionen betreffend, von der Gröfse der Anlage durch die Angabe eine Idee gewonnen werden, dafs das in die Skizze der Fig. 81 eingezeichnete Schiff das im Abfchnitt I in Fig. 8 fkizzirte Panzerfchiff„ Peter der Grofse" darftellt. Da nun diefes Schiff 329 Fufs Länge, 53 Fufs 10 Zoll Breite und 26 Fufs Tauchung und 10.000 Tonnen Deplacement hat, fo dürfte diefes Dock wohl eines der gröfsten fein, welche bisher exiftiren.
Bayonne.
Der Hafen von Bayonne, eine Strecke oberhalb der Einmündung des Flufses Adour gelegen, ift in feiner Zugänglichkeit durch Sandbänke beein trächtigt, welche, wenn der Wafferftand im Fluffe hoch, durch denfelben in die See gefchoben oder, wenn der Seegang heftig, durch die Wellen an die Mündung des Fluffes getrieben werden. Nach verfchiedenen Entwürfen und mifslungenen Ausführungen ward eine Verbefferung diefer Mifsftände durch die Weiterführung der Flufsmündung in die See, wie Fig. 82 veranfchaulicht, mittelft durchläffiger Holz- Pfahldämme a b und c d, welche zuerft von Alan de Riveira, ehemaligem Director der öffentlichen Arbeiten von Neapel, als ein gutes Mittel zur Ver befferung von Flufsmündungen erfunden und verfucht wurde, durchgeführt. Die in diefer Gegend fehr heftige See zerftörte jedoch häufig ganze Partien diefer Holz- Pfahlwerke und erforderte eine koftfpielige Inftandhaltung; überdiefs kam im Winter 1864 auf 1865 eine neue Calamität dazu, indem der Bohrwurm die weiter in die See hinaus gehenden Pfähle, von der Stelle der tiefften Ebbe ab, angefreffen und deren Befeitigung nöthig gemacht hatte.
So wurde endlich Ende 1868 zur Anlage eines eigenthümlichen, vom Ingenieur Prompt erfundenen, eifernen Pfahldammes gefchritten. Fig. 83 zeigt die Vorderanficht, Fig. 84 die Seitenanficht und Fig. 85 einen Horizontalschnitt einer Partie eines folchen Pfahldammes, wie diefer auf der Strecke cc, Fig. 82