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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe XVIII, Section 2) : 2 / Bericht von Franz Rziha
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I. Fundirungen.

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besonders cultivirt durch die Ingenieure v. Schmoll und Gaertner, auch hervorragend ausgebildet wurde beim Baue der Rotterdamer Maasbrücke.

Wie bei der Brücke zu Hämerten wurde auch bei der Dömitzer Fundirung der Umhüllungsmantel weggelassen und das Mauer­werk in seinem Umfange lediglich durch einen starken Cementver­putz geschlossen und geglättet.d

Bezüglich einiger Details verdanke ich dem Herrn Geheimen Regierungsrath Neuhaus folgende Mittheilungen:

Der Senkungsfortschritt betrug bei Anwendung nur eines in der Mitte des Caissons angebrachten Förderschachtes durch­schnittlich in 24 Stunden 0.5 Meter. Man würde mit der einen Schleusse auch täglich circa 0.7 Meter haben senken können, wenn man im Stande gewesen wäre, ohne Verschwendung von Arbeits­kräften mit der Aufmauerung des Pfeilers gleichen Schritt zu halten.

Das Fördern des Bodens aus dem Caisson, sowie das Heraus­schaffen aus der Luftschleusse war den Arbeitern in Accord über­tragen. Dieselben erhielten für die genannten Arbeiten exclusive des Vorhaltens der Geräthe und der Beleuchtung, ohne Rücksicht auf die Tiefe pro rheinische Schachtruthe 4 Reichsthaler, also pro Kubik­meter etwa 1 Gulden 35 Kreuzer österr. Währung. Der Boden wurde den Leuten in der Luftschleusse, also in losem Zustande aufge­

messen.

Bei der Fundirung traf man mehrfach auf Baumstämme von beträchtlicher Stärke, die bei einer anderen Fundirungsmethode die grössten Schwierigkeiten verursacht haben würden, hier aber, bei der pneumatischen Methode, da der untere Rand der Caissons von innen bequem zugänglich war, leicht abgehauen werden konnten.

Sicherheitsventile sowie Vorrichtungen für das Abführen der verbrauchten Luft waren nicht erforderlich, da der Boden durch­wegs aus Sand bestand, durch welchen die überflüssige Luft unter dem Rande der Caissons hindurch entweichen konnte.

Der Gesundheitszustand der in der comprimirten Luft be­schäftigten Arbeiter war stets ein guter. Eine Gefahr für die Gesund­heit der Arbeiter lag auch weniger in dem Luftdrucke, welcher 112 Atmosphären niemals überstieg, sondern eher in der Tempe­raturerniedrigung, welche bei schnellem Ausschleussen eintrat und