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Dr. Carl Th. Richter.
Die eine fchräge Seitenwand ift nach innen in jedem Zimmer durch bedeutende Verſtärkung der Mauern ausgeglichen. Zum Theil ziehen fich gerade hierdurch in fehr glücklicher Benützung der verftärkten Mauern die Schornfteine. Um den Raum der einzelnen Zimmer in nichts zu beengen, auch die Fenſter und Thüren gleich entſprechend und zweckmäfsig anzulegen, hat der Künftler die Einzeichnung von vornherein der für jedes Zimmer gehörigen Meubeln vorge
nommen.
Ein befonders diefs vollkommen darftellendes Blatt geftattet einen klaren Einblick in die forgfältige Methode der Arbeit Luckows.
Glücklicher und günftiger in der Raumanlage und zu gleicher Zeit wieder die Anlage eines Gartens um das Haus herum geftattend, präfentirte fich die in Zeichnung und Photographie ausgeftellte Villa des Civilingenieur Luckhardt in Kronftadt. Der Grundrifs ift faft quadratifch, das Haus ftockhoch mit einem ganz flachen Dache.
Die kleinere Hälfte des Gebäudes, die vordere, hat einen Vorbau, der zu gleicher Zeit zu ebener Erde ein Entrée gibt, aus welchem Thüren nach den vornheraus gehenden Zimmern führen.
Der rückwärtig gelegene gröfsere Theil des Haufes enthält in der Mitte das Treppenhaus, rechtfeitig ein geräumiges Zimmer, welches glücklich mit den beiden vorderen verbunden ift und links die Küche mit anftofsender Speisekammer. Auch nach rückwärts ift ein Ausgang, der die Küche mit den Wirthfchaftsgebäuden verbindet. Der obere Stock ift in gleicher Weife eingetheilt und kann wegen des doppelten Eingangs in das Treppenhaus ohne jede Beläftigung der Parterrebewohner vermiethet werden.
Die Treppe ift in der Mitte durch einen Ruheplatz unterbrochen und hier die Dienftboten Kammer angebracht. Der Vorbau des Parterres bildet für den erften Stock einen grofsen Altan. Der Keller zieht fich unter der ganzen rechtsfeitigen Hälfte des Gebäudes hin und hat von aufsen feinen Zugang. Im Garten und an das rückwärtige, ebenerdige Zimmer anftofsend, ift ein Glasfalon erbaut, der, da etwas entfernt davon auch eine Sommerküche angelegt ift, einen fchönen Speifefaal im Sommer abzugeben geeignet ift. Die einzelnen Wirthschaftsgebäude noch dazu gerechnet, bildet das Ganze ein bürgerliches Wohnhaus wie es den verfchiedenften Anforderungen Rechnung tragen kann.
Wir kommen nun zu den von den öfterreichifchen Ausftellern zur Anficht gebrachten bürgerlichen Wohnhäufern, das heifst, den Zinshäufern, in welchen fich mehrere bürgerliche Wohnhäufer befinden.
Der Zweck des Haufes ift immer der, den gröfstmöglichften Zins aus den
im Grund und Bauwerth angelegten Kapitalien herauszubringen.
Diefs zu erreichen ift die gröfste Ausnützung des Raumes, ebenfo wie ein äufserer keineswegs unfolider Glanz nothwendig. Die Façade und das durchwegs breite und vornehme Treppenhaus hat diefen zu vertreten. Die Ausnützung des Raumes wird erreicht durch die um das Treppenhaus herum gelegenen Wohnungen, durch das volle Verfchwinden jedes Gartenraumes, der übrigens durch die koloffalen Dimenfionen der Gebäude nur in gleicher Weife möglich, und wenn nicht, fo nur ftörend wäre, endlich aber auch und leider durch die burgverliefsartige Einengung des Hofraumes.
Alles mufs eben das Capital reproduciren. Die einzelnen Wohnungen find in den übereinander gethürmten Stockwerken durchwegs gleich und ift die Verfchiedenheit des Werthes derfelben nur durch die Höhe des Stockwerkes gegeben. Freilich werden im erften und zweiten Stocke öfter für höhere Bedürfniffe mehrere Wohnungen in eine zufammengezogen.
Da fomit bei diefem Stil das bürgerliche Wohnhaus mit der Wohnung allein zufammenfällt und von der gemeinfchaftlichen Treppe an erft beginnt, fo ift die Aufgabe des Architekten die, in der gegebenen Grenze die gröfste Bequemlichkeit und dabei doch auch Wohnlichkeit herzuftellen. Die Vorlagen von