Das bürgerliche Wohnhaus.
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zu den rechts liegenden Wohn- und Schlafzimmern und zu dem links liegenden Sprechzimmer und der Küche vermittelt. Um Wohn- und Schlafzimmer zieht fich aufsen eine Veranda, unter der Küche liegt der Keller. Durch eine Thür in der Tiefe des Veftibuls gelangt man zum Abort und den Wirthfchaftsräumen. In der Nähe des Ausganges erhebt fich auch die Treppe zum oberen Stockwerke, welche gegenüber einem kleinen Vorzimmer mit Garderobe mündet. zu deffen beiden Seiten fich Schlafkammern befinden.
Die Dimenfionen des Haufes betragen circa II Meter auf 15 Meter, woraus man die befcheidene Gröfse der Zimmer ermeffen kann. Eben defshalb mufs es bedenklich erfcheinen, dafs durch die breite Hausflur der Raum etwas vergeudet erfcheint, was keineswegs durch die feparirten Eingänge zu jedem einzelnen Zimmer aufgewogen werden kann.
An den ausgeftellten Zeichnungen des Bremer Architektenvereines, beftehend aus zwölf Blättern mit einigen Unterabtheilungen und Grundriffe und Anfichten enthaltend, vom Arbeiterhaus angefangen bis zur Villa und dem ftädtifchen Gefchäftshaus des Kaufherrn, konnte man die Stabilität und zugleich die Bewegung des Familienlebens einer beftimmten Bevölkerung erkennen. Der Bremer Kaufmann hat den Zug der vollſtändigen Abgefchloffenheit feiner Häuslichkeit bis heute noch bewahrt. Wir fehen auf all' den ausgeftellten Zeichnungen das Haus vollständig felbftftändig und zumeift durch einen Garten bald in gröfseren, bald in fehr befcheidenen Dimenfionen von dem Nachbarhaufe getrennt. Diefer Garten ift nicht nur die Quelle der Vergnügung und des Wohlbehagens der Familie, fondern auch das Mittel, felbft der einfachften Architektur einen gewiffen Schmuck, Frifche und Zierlichkeit zu verleihen. Bremen macht dadurch den Eindruck, trotz des reichen und bewegten Lebens, einer fauberen, wohlhabenden und friedlichen Stadt. Und diefe Sauberkeit und diefer Friede tritt auch auf den Zeichnungen allenthalben hervor. Im Innern dagegen ift die alte Uebung, Freiheit und Selbstständigkeit der einzelnen Familienmitglieder durch die Vertheilung des Raumes, zum Theil befeitigt. Das Leben ift eben gröfser und mächtiger geworden und die Kinder, felbft der Aeltefte und Erbe des Gefchäftes, leben nicht mehr durch lange Jahre im elterlichen Haufe, finden hier auch nicht mehr die volle Befriedigung der gefellfchaftlichen Beziehungen und ftreben darüber hinaus, ihr eigenes Heim zu begründen. Dadurch ift das Gefellſchafts- oder Familien- oder Wohnzimmer aus feinem alten Glanze und feiner bevorzugten Stellung verdrängt worden, die Zimmer der einzelnen Familienglieder nehmen jetzt einen gröfseren Raum ein und haben eine gröfsere Bedeutung errungen, ebenfo wie der Salon, der allenthalben der Schmuck des oberen Stockes in den durchwegs einftöckigen Häufern bildet. Die Dimenfionen find vielfach wechfelnd, je nachdem das bürgerliche Wohnhaus auch dem kaufmännifchen Gefchäfte Raum zu geben hat und engen fich natürlich bei den Arbeiterhäufern am bedeutendften ein.
Aber das Syftem des Familienhaufes und der Gärten um das Haus geben den verfchiedenften Gebäuden einen gleichen Charakter. In Mitte der ariftokratifchen Kaufmannswelt gleicht die Architektur die Schroffheit der gefellſchaftlichen Claffen aus und fucht durch den eigenen Befitz und das eigene Haus den freien Bürger zur Geltung zu bringen.
Ein befonders fchwieriges Problem hat der Architekt C. Luckow aus Schwerin zu löfen verfucht. Ein ziemlich grofser, aber der Form nach trapezartiger, in Mitte einer gefchloffenen Häuferreihe liegender Bauplatz ift mit Haus und Wirthschaftsräumen auszubauen. Die Schwierigkeit wird noch erhöht dadurch, dafs die fchmale Seite des unregelmäfsigen Bauplatzes nach der Strafse zu gelegen. Die Löfung ift infofern verfucht, als Küche, Speifekammer und Dienftbotenzimmer im Kellergefchofs untergebracht find. Im erhobenen Parterre befinden fich die Wohnzimmer, im oberen Stocke, der vier Zimmer geftattet, die Kinderund Fremdenzimmer.