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Das Bauernhaus mit seiner Einrichtung und seinem Geräthe : (Gruppe XX) ; Bericht / von K. J. Schröer
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Dr. K. J. Schröer.

( ,, eppeftecke, pirnftecke"), Pflaumen( flauma") und heabeftleng", eine kleine, runde Pflaumenart, die den Mehlfpeifen beigemifcht werden.

Zu den Holzarbeiten des Mannes finden wir viele Werkzeuge, die ich nicht alle aufzuzählen vermag: die eiferne nülle, womit er die Rinne in den Holzfchindeln macht, den durchfchlag, den negber( Bohrer), hobel, die hacke etc.

Auffallend war ein in der Stube an der Decke hängender, länglicher Korb aus Korbgeflecht, das wiegenkörbel, worin das jüngere Kind gebettet und gewiegt wird. Im fürhaus, ärn, im ftübel, im Gärtchen und vor dem Haufe, finden. wir noch ausser den gut gearbeiteten Geidler Holzkiften, verfchiedene Geräthe. Das Füll fafs oder Füllfäfslein( daher flovakifch filfas, fiehe Pal­kowitfch flovakifches Wörterbuch, S. 290), gefprochen wellwefsl, in Sieben­bürgen fälpes, f. d., die aus Holz geflochtene Schwinge oder Schwingwanne. Das wellwäffl im Geidler Haufe fieht gerade fo aus, wie das fälpes im Haufe des Siebenbürger Sachfen daneben. An Geräthen bemerken wir noch unter dem fchindelgedeckten Dachboden und im Gärtchen vor dem Haufe das aus Ruthen geflochtene hühnerkörbel, den runden, oben offenen hühnerfturz, das kräxl oder heukräxl, den Rückenkorb, den Pflug fammt dem jo och; denfchliffftân, Schleifftein, die fchnaipang, Schnitzbank, hölzerne heugabeln, eiferne Mift ( ,, Stân"?) gabeln und dergl. m.

Wenn wir das Ganze überblicken, fo fcheint es uns faft, als ob einfacher der Menfch kaum wohnen könnte. Nur wenn man etwa, wie gefagt, das walachifche Haus daneben ftellt, fo fällt uns das Vornehmere des Haufes aus Geidel auf. Der ftock­hohe Bau mit dem Gang im oberen Stockwerke, mit dem Thürmel, den Kammern oben, der Stube unten, der Küche mit dem Herde und dem mannigfaltigen Geräthe der Einrichtung. Scheunen und Schoppen ftehen meift abfeits, die Häufer felbft in urgermanifcher Weife vereinzelt: suam quisque domum spatio circumdat.( Siehe oben S. 6.)

Das Szekler Haus

Unmittelbar an das Haus des Siebenbürger Sachfen fchlofs fich das Haus eines Szekler Bauers.

Diefes gewifs intereffante Haus, das, wie das Michelsberger und das Geidler, von eingeborenen Infaffen bewohnt war, wurde von den Ausftellern fo ftiefmütterlich in die grofse Welt hinaus geftofsen, dafs man nicht begreift, wie man foviel Koften. aufwenden mag, als diefer Gegenftand, fein Transport, feine Aufftellung, feine Unterhaltung verurfachen musste, wenn man ihn fo forglos feinem Schickfal über laffen wollte, wie diefs hier gefchehen ift.

In der zweiten Auflage des Weltausftellungs- Kataloges, wo, wie wir fahen, in dem Verzeichniffe der XX. Gruppe Bauernhaus mit Einrichtung, fo viele Gegen ftände( 24) aufgezählt find, die nicht zu finden waren, wird man das Szekler Haus vergeblich gefucht haben: es ift gar nicht verzeichnet!

Im Haufe felbft fand man einen Szekler und eine Szeklerin, die mit dem diefem Volke eigenen Selbftgefühl in ihrer Sprache verficherten, dafs fie keine Sprache der Welt verftehen als nur fzeklerifch, das ift magyarifch. Nicht einmal mit feinem Landsmann und Nachbarn auf der Weltausftellung, dem Siebenbürger Sachfen, kann fich der Szekler verftändigen, ebenfowenig mit dem Bewohner des Geidler Haufes aus Ungarn, der auch ein Deutfcher ift. Wäre es hier nicht am Platze gewefen, fowie diefs im Geidler und im Siebenbürger fächfifchen Haufe gefchehen ift, eine Schrift und zwar in deutfcher Sprache- abfaffen zu laffen, die im Haufe feilgeboten werden und aus der der Befucher der Ausftellung fich belehren konnte?

Aber auch die innere Ausftattung des Haufes wurde mit der gröfsten Gedankenlofigkeit vorgenommen. Die vordere Stube war über und über angefüllt