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Das Bauernhaus mit seiner Einrichtung und seinem Geräthe : (Gruppe XX) ; Bericht / von K. J. Schröer
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Das Bauernhaus mit feiner Einrichtung und feinem Geräthe.

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und links vom Eingange je ein Zimmer. Zu diefer Art gehört das fiebenbürgifch­fächfifche, das Szekler-, das rumänifche und das galizifche Haus; verfchieden von diefer Art find das Elfäffer, das Vorarlberger, das Geidler und das ruffifche.

Das rumänifche Haus war wohl das kleinfte von allen. Es war unbewohnt und fah fehr primitiv und öde aus. Wenn wir fchon beim Anblicke des Geidler Haufes über die Armuth und Einfachheit des Ganzen ftaunen, fo erfcheint es uns neben diefem rumänifchen Haufe doch wie ein Palaft. Das Geidler Haus hat eine Küche, abgetheilt vom Vorzimmer, und einen kleinen Herd, im erften Stockwerke Schlafkammern und einen Geländergang, der um zwei Seiten des Haufes herum­läuft; an der Stirnfeite ein türmel". Daneben das rumänifche, ganz ichmucklos, nichts weiter enthält als ein Zimmer rechts und ein Zimmer links neben dem Vor­haufe. Im Vorhaufe wird auf der Erde Feuer gemacht, über dem ein Keffel hängt. Dabei ift zu erwägen, dafs der Geidler in einer der ärmften Gegenden des Landes, der Rumäne im fruchtbaren Banat wohnt.

In der Mitte des Zimmers rechts fteht ein fehr kleiner primitiver Webſtuhl, An den Wänden diefes und des anderen Zimmers hängen Kleider und andere Gegenftände, die deutfch und rumänifch auf einem beigegebenen Zettel bezeichnet find:, kes, Túbákbäutel"; fleura, Flöte; klabetz, Pelzmütze; truhe(?), Tabakspfeife von Holz; oglinde, Spiegel; bruefchor, Gürtel; kimefch de om, Männerhemd; bruslug, Leibchen; ismenje, Schlafhofe, peptar, Wams. ploske, Holzflafche; fakje, Kopftuch; streitzä, Hirtentafche. Mehrere " Vorderfchürzen" katrincze und Hinterfchürzen": kiffeli.

So ungenügend diefe Beigaben des walachifchen Bauernhauſes waren, fo belebten fie es doch einigermafsen und erinnerten an das Volk felbft und an deffen Leben.

Die Rumänen Ungarns, Siebenbürgens und der Moldau und Walachei oder Rumäniens betrachten fich gerne als die Ureinwohner des Landes oder doch als Zurückgebliebene aus der Zeit der Römerherrfchaft in Dacien. Neuere Forfchungen haben bewiefen, dafs die Continuität römifcher Einwohnerfchaft in diefen Gegen­den durch ein Jahrtaufend unterbrochen ift. In der Ausftellung Rumäniens war der Goldfchatz von Petroffa ausgeftellt, der dafelbft 1837 ausgegraben worden ift. Er ftammt aus dem IV. oder V. Jahrhunderte. Der könnte uns wohl erzählen, ob damals Rumänien von Rumänen bewohnt war. war. Der Schatz ftammt von damaligen Bewohnern des Landes, er trägt eine Infchrift, welche aber befteht aus alt­germanifchen Runen und diefe Runen enthalten altgermanifche Worte! Man hält den Schatz für den eines Gothenfürften, etwa des Athanarich. Siehe darüber Wiener Abendpoft" vom 23. Auguft 1. J. Die Rumänen find als ein wanderndes Hirtenvolk allmälich aus dem oftrömifchen Reiche herüber gekommen und in Siebenbürgen und Ungarn, wohl erft nach Einwanderung der Siebenbürger Sachfen vorgedrungen. Wenn fie nach der Siebenbürger Verfaffung völlig rechtlos waren, fo ift diefs diefem Umftande zuzufchreiben. Sie benennen die Flüffe Aluta, Tibiscus nicht mit Namen, deren Form eine rumänifche Umgeftaltung der urkund­lichen römifchen Form ift, fondern die Aluta nach der fiebenbürger- fächfifchen Benennung Alt: Oltu und den Tibiscus nach der magyarifchen Benennung Temes: Temešiu. Weiteres darüber fiehe bei Rösler, Dacier und Romänen. Wien, 1866. S. 71 f.

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Unter allen romanifchen Nationen ift die walachifche oder rumänifche die einzige, die, wie fchon bemerkt, nicht aus einer Mifchung mit germanifchem Blute hervorgegangen ift. Hier ift das römifche Element mit dem flavifchen vermifcht. Dadurch ſtehen die Rumänen zurück. Hiermit ift nicht gefagt, dafs die Slaven den Germanen fo weit zurückftünden an Begabung. Für die flavifche Welt ift der Tag noch nicht angebrochen, fie fchlummert noch, träumt wohl auch. Ob ihr Tag je kommen wird, das zu erörtern, ift hier nicht der Platz. Die Germanen find das weltbewegende Element des Tages feit dem Sturze Roms. Und mit ihnen in erfter

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