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Dr. K. J. Schröer.
Reihe ftehen jene Romanen, die mit ihnen blutverwandt find. Die Rumänen gehören zur flavifchen Welt.
Die oben angeführten Ausdrücke fcheinen mundartlich von der Schriftfprache abweichend und darum beachtenswerth. Wenn wir fie näher betrachten, fehen wir zugleich auch, welch' ein Gemifch die rumänifche Sprache ift. Kes heifst fonft kife a und ift türkifch kife, kifea de tutun, Tabaksbeutel, türkisch tütün kifefi. Rösler, griechifche und türkifche Beftandtheile in Rumänien. Wien, 1865. S. 38;-fleura, Flöte. Rösler a. a. O. gibt an fleur, Plaudertafche und leitet es ab von phúapos. Zu vergleichen ift zu der Bedeutung Flöte m agyar. furulya, Hirtenflöte, das Miklofifch: Slav. im Magyarifchen 56 zu fvire lb ftellt, daneben furuly a auch die Formen furelya und virelya beftehen. Aenlich klingt wohl auch pihópa, Lindenbaft. Die gewöhnliche rumänifche Form für Flöte flujer könnte auf lat. flare zurückgehen;-klabetz, Mütze, eine Nebenform fcheint kalpak, das auch magyarifch und türkifch ift, flovakifch klobuk;- oglinde, Spiegel, fonft oglinda ift flavifch; ferbifch ogledalo Miklofifch: Die flavifchen Elemente im Rumänifchen unter oglindь;- brueschar, Gürtel, fonft cingatore; kimefch de om, Männerhemd, fonft: camafche de omu. Zu mlt. camisia, franz. chemife, vergleiche Diez II., 102; bruslugift das oben magyarifch vorgekommene prufzlik, das aus bruft fleck entſtellt ift;- ismenje, Schlafhofe, fonft ismena, Hofe. Aus ferb. ismiena, Miklof: sflav. im Rumänifchen; peptar, Wams, aus pepta, lat. pectus, Bruft;-katrintze, Schürze. Magyarifch karincza, katrintza und katrinka in demfelben Sinne. In der magyarifchen Bibelüberfetzung des Münchener Codex( XV. Jahrhundert). Evang. Lucas 19, 20 ift fudarium( Schweifstuch): katrincza
überfetzt.
Die Bezeichnungen des Haufes und feiner Theile find fehr intereffant. Aus der römifchen Bauernfprache haben fich erhalten die Ausdrücke: aco peremintu das Dach, vergl. ital. coperto; caldare der Keffel ital caldaro; camora das Zimmer, lat. camara; cafa das Haus, lat. casa; curte der Hof, ital. corte, lat ,. cohors, chors; fereftra das Fenfter, lat. fenestra; mafa der Tifch lat. mensa; locuinta die Wohnung, fiehe darüber unten; porta das Thor; fcannu der Stuhl, lat. sc amnum; usche die Thüre, uscio, lat. oftium.
Das Haus war demnach fehr einfach. Wenn auch die Römer allen Luxus kannten, und wenn auch ihre Nachkommen z. B. die Italiener, die Ausdrücke dafür bewahrten, zu den Vorfahren der Rumänen, den Hirten, ift davon nichts gedrungen. Sie kannten keinen Herd, ihre Thüre hatte keine Schwelle. Wir fahen, dafs das walachifche Bauernhaus keinen Herd hat. Den Begriff entlehnten fie von den Albanefen; fie nennen den Herd vatra, alb. Bárpe; vergl. auch flovakifch watra, Feuer im Freien; die Schwelle nennen fie auch mit einem albanifchen Worte prag, flovakifch práh.
Wie aber das germanifche Wefen in das Leben aller Völker Europas umgeftaltend eingriff, fo ift auch hier wahrzunehmen, dafs eine grofse Zahl von Ausdrücken germanifchen Urfprungs ift. Ein Theil davon, den die rumänifche Sprache mit dem Italienifchen und anderen romanifchen Sprachen gemein hat, gehört einer älteren Zeit an, wo das Rumänifche noch mit der Vulgärfprache des römifchen Reiches im Zufammenhange ftand. Ein Theil ift fpäter aus der flavifchen und der magyarifchen Sprache, oder direct aus dem Deutfchen her übergenommen. Deutfche Wörter: detu, fprich: zetzu, dfets, Seffel. ahd. fëz, fëzal; gardu n. der Zaun, auch alb. garde, goth. gards duós, 6ixía, àun; graidu m. der Stall, ftimmt in der Bedeutung zu goth. garda m. v. Stall; gradina Garten, ital. giardino ift in alle rumänische Sprachen übergegangen; locuinta Wohnung, von: a lo cui wohnen; ital. alloggiare ift auf logia zurückzuführen, das, wie wir oben S. II fahen, von laubja Laube abftammt. Sollte a locui auf das lat. locare( vergl. caftra