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Kirchliche Kunst : (Gruppe XXIII) ; Bericht / von Hans Petschnig
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Hans Petfchnig.

" Je ausgedehnter der Kreis der Gegenftände ift, welche bei den inter­nationalen Ausftellungen zur Anfchauung gebracht werden, je vollſtändiger fich das Bild der Leiftungsfähigkeit der einzelnen Länder durch die Vertretung aller Productionszweige geftaltet, defto erwünſchter, defto willkommener erfcheint es, wenigftens gewiffe Kategorien von Gegenftänden, welche in einem idealen Zufammenhange ftehen, auch vereint zur Darstellung zu bringen und dem Befchauer eine vergleichende Studie derfelben und die Gewinnung eines Gefammteindruckes der zufammengehörigen Objecte zu ermöglichen.

Eine folche Vereinigung wird fich wohl am meiſten für die Ausftellung der kirchlichen Kunft empfehlen. Wenn auch die Gegenftände, welche auf dem Gebiete der Kunstgewerbe für Cultuszwecke gefchaffen werden, im weiteften Sinne des Wortes Induftrie- Erzeugniffe oder Waaren find, fo unterfcheiden fie fich doch von allen anderen wenigftens infoferne, als fie nicht den Bedürf niffen des gewöhnlichen Lebens dienen, nicht rafch abgenützt oder verbraucht und noch weniger von den Gefetzen der wechfelnden Mode beeinflusst werden. Auch erfcheint der Zweck, zu dem fie erzeugt wurden, als ein höherer und edlerer, infoferne alle Gegenftände diefer Art beftimmt find, zur Sammlung des Gemüthes beizutragen, durch ihre Gefammtwirkung einen erhebenden, feierlichen Eindruck hervorzubringen.

Diefe Abficht, diefen ethifchen Zweck foll die Kirche, in deren Dienft alle Künfte des Mittelalters einen neuen Auffchwung genommen haben, die man folg. lich immerhin als die Ziehmutter der modernen Kunft bezeichnen darf, nie aus den Augen verlieren, weder bei der äufseren Ausftattung, noch bei der inneren Ausfchmückung der geweihten Stätten, für welche ein gewiffer ftattlicher Prunk, eine würdevolle Pracht ftets als paffend erkannt wurde.

" Je mehr nun die Künftler und Fabrikanten im Sinne diefer gewifs berech tigten Auffaffung arbeiten, ein je ftrengerer Stil fich in Folge deffen, namentlich in den letzten Jahrzehnten in allen Zweigen der kirchlichen Kunft nachweifen läfst, ein je gründlicheres, verſtändnifsinnigeres Schaffen fich allfeitig bemerkbar macht: defto ungeftörter, genauer und felbftftändiger verdienen die für religiöfe Zwecke beftimmten Werke der Kunft und Kunstgewerbe betrachtet, geprüft und gewürdigt zu werden. Zudem führt das höchft anerkennenswerthe Streben nach der Durchführung ftrenger Stilgefetze, das fich in allen Richtungen der kirch­lichen Induſtrie geltend macht, den Betrachter auf den Boden der gefchichtlichen Entwicklung der Kunft zurück, alfo ohnehin weit ab von den gefallfüchtigen, wenn auch gefälligen Luxusartikeln.

,, Diefe Erwägungen find es, die den oben angedeuteten Wunsch veranlafst haben, es möge jedes Land die Gegenftände der kirchlichen Kunft in einem abgefonderten Raume zur Ausstellung vereinigen, wobei jedoch dem oberften Grundfatze, dafs die einzelnen Länder ihre Ausftellungen einzig und allein nach ihrem eigenen Ermeffen einrichten, nicht nahe getreten werden foll.

Eine Bemerkung aber müffen wir hier noch befonders hervorheben. Die in Gruppe XXIII zu vereinigenden Objecte verfolgen den Zweck, die neueſten Leiftungen der Künfte und Kunstgewerbe auf kirchlichem Gebiete zur Anfchauung zu bringen. Darum find vor Allem die Erzeuger derfelben als Ausfteller gela­den; es ergeht aber auch an folche Perfonen oder Körperfchaften, welche durch hier einfchlägige, in ihrem Befitze befindliche Gegenftände die Gruppe XXIII zu bereichern geneigt find, die Bitte, folche einzufenden und bei deren Einfendung die Namen der Producenten bekanntzugeben.

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In Bezug auf den Inhalt diefer Gruppe wird es genügen, den Text der Gruppeneintheilung" mit wenigen Strichen weiter auszuführen, um zu der Hoffnung berechtigt zu fein, dafs die Ausftellung diefer Gruppe fich als eine der anziehendften und zweckdienlichften geftalten werde.

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a) Wenn es als wünfchenswerth bezeichnet wird, dafs bei der Kirchen­decoration" befonders auf die Ausfchmückung der Wandflächen durch