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Kirchliche Kunst : (Gruppe XXIII) ; Bericht / von Hans Petschnig
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Kirchliche Kunft.

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Die Säulen find polychromirt und die Wände durchwegs mit gemalten Darftel­lungen gefchmückt. Die Lotosblume wird als Symbol der materiellen Welt, die aufftrebende Lotosfäule als Sinnbild der emporringenden irdifchen Kraft auf­gefafst. Die Aufftellung diefes Felfengrabes war daher fehr belehrend für den Kunftforfcher, und grofse Anerkennung verdient die egyptifche Ausftellungs­Commiffion, das uralte Denkmal den Befuchern der Ausftellung zugänglich gemacht zu haben.

In demfelben Hofe, dem eben befchriebenen Grabmale gegenüber, lag die Mofchee, ein mohamedanifcher Bau, der zwar keine Copie eines beftehenden Bauwerkes war, fondern ein felbftftändiges Werk des viceköniglichen Hofarchitekten Herrn Schmoranz nach Studien der in Kairo gemachten Aufnahmen.

Intereffant war bei näherer Befichtigung die conftructive Bauweife, der Uebergang vom Viereck ins Achteck und das Auffetzen der runden Kuppel auf zellenartig vorragende Werkftücke. Die Mofchee mit dem fchlanken Minaret, dem reichen Leiftenwerk auf dem Kuppeldach, dem färbigen Friefs in den vergitterten Fenſtern machte einen ungemein günftigen Eindruck, ebenfo wirkte der luftige, etwas überhöhte Raum im Innern wohlthuend auf den Befchauer.

Im Innern war ein Umgang im gleichen Niveau mit dem Obergefchoffe angebracht, der durch weite und hohe Oeffnungen die Umfaffungsmauer der Mofchee durchbrach, und das Innere in feiner Höhe wohlthätig theilte. Die Durch­führung war ftreng ftiliftifch, die Wirkung malerifch, wie überhaupt dasganze Gebäude als eine der hervorragendften Bauten im Ausftellungsrayon bezeichnet werden kann. In nördlicher Richtung zwifchen dem Oftportale des Ausftellungspalaftes und der Kunfthalle ftand der Brunnen des Achmet.

Wenn diefes Bauwerk auch ftrenge genommen nicht zu den kirchlichen Gebäuden zu rechnen ift, fo läfst fich doch diefer Votivbau auf das religiöfe Gefühl der Wohlthätigkeit zurückführen, welches der Koran an vielen Stellen gegen feine Mitmenfchen zu üben lehrt.

Das Bauwerk an und für fich mit feinem reichornamentirten, weit vorfpringen­den Schattendache, feinem fchönen Gitterwerk, den rhythmifch angeordneten Friefsen, Alles durch gefättigte und harmonifch geftimmte Farben und Vergoldung gehoben, war ein fchönes Beiſpiel der reichen, malerifch wirkenden Architektur, welche der Orient als mohamedanifchen Bauftil in Wien zur Anficht brachte, und zeigte, wie die Kunft einen einfachen, aber humanen Gedanken in fchöne, wohlthuende Formen zu kleiden im Stande ift.

Wenn wir hier ein Bauwerk bewunderten, bei dem ein glücklich begüterter Kunftfreund dem Architekten Gelegenheit geboten hat, feiner Phantafie freien Lauf zu laffen, und die Opfer nicht fcheute, es prachtvoll durchführen zu laffen, fo konnte man in der Krieau" ein Beiſpiel fehen, in welchem fich auch zeigte, wie mit einfachen, primitiven Mitteln ein Bau zur künftlerifchen Bedeutung empor­gehoben werden kann.

Es war diefs die ungarifche Holzkirche, von der ungarifchen Ausstellungs­commiffion zur Aufftellung der Holzcultur Ungarns verwendet. Diefe Kirche war ebenfalls keine Copie, fondern das Refultat von Studien, die Architekt Profeffor Koch im Szathmarer Bisthum gemacht hat. Sie veranfchaulichte uns jenen Typus von Dorfkirchen, welche deutfche Coloniften in den reichen Holzgegenden Ungarns feit ihrer Anfiedlung traditionell erbaut haben.

Obgleich eigenartig und bedingt durch das Materiale, haben felbe doch einen der romanifchen Architektur verwandten Charakter.

Schon unter Stefan dem Heiligen, fpäter unter Emerich, Andreas II. und Bela IV., alfo im XI., XII. und XIII Jahrhundert, kamen deutfche Coloniften in das Ugocsáer, Bergher, Marmarofer Comitat und führten hier ihre Holzkirchen, ähnlich den norwegifchen Bauten, wie felbe noch heute vorkommen, auf. Charakte­riftifch ift immer der Thurm mit hohem fpitzen Helm und feiner Glockenftube.