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Kirchliche Kunst : (Gruppe XXIII) ; Bericht / von Hans Petschnig
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Concurrent in den frommen Schweftern zum Kinde Jefu in Döbling, welche vom Rhein her Stickereien und geübte Stickerinen acquirirt hatten.

Während die Induftriellen Steuern zuzahlen haben, ihnen auch bedeutende Regieauslagen für Arbeitsfäle und Arbeits­kräfte erwachfen, fallen für die frommen, vom Erzbifchof befon­ders protegirten Schweftern diefe grofsen Auslagen weg und ihre Concurrenzift leicht erklärlich und um fo bedeutender, als die hohe kirchliche Protection ihnen fichere und gut honorirte Arbeiten zuführt.

Diefe die fleifsige Induſtrie fo bedrückenden, künftlich grofsgezogenen gewerblichen Werkstätten, welche aufserhalb der Staatsgefetze ftehen, welche ganz mit Unrecht und ohne volkswirthschaftlichen Werth Vermögen anfammeln, gegen Recht und Gefetz und auf Koften fchon beftimmter bürgerlicher Induſtrien Gewerbe und Handel treiben, müffen früher oder fpäter entweder in die ftaatliche Ordnung einbezogen oder durchgreifend reformirt werden.

Wenn trotzdem Giani heute eine grofse Anzahl Stickerinen befchäftigt, fo ift das ein Beweis feines unermüdlichen Strebens, und zeigt, dafs im Publicum diefer lang verfchollene Kunftzweig wieder gefchätzt und anerkannt wird.

Neben der immerhin koftfpieligen Stickweife wurde fpäter auch die Appli­cation eingeführt, nämlich jene Darftellung, wo Gemälde etc. aus wirklichen Stoffen nach der Zeichnung ausgefchnitten, dann aufgenäht und die entſprechende Schattirung darauf geftickt wird.

Es laffen fich in diefer bei Weitem billigeren Darftellungsweife ſchöne Wirkungen erzielen, wie mehrere Beiſpiele, die Giani in der englifchen Kirche aufgeftellt hatte, bewiefen, und die gewifs in jeder Beziehung jenen in Oel gemalten Heiligenfiguren, die noch heute häufig verwendet werden, vorzuziehen find. Man durfte ja nur, um diefs klar zu erkennen, die Arbeiten Giani's z. B. mit jenen Oberbauer's, wie fie in den ungarifchen Gallerien ausgeftellt waren, vergleichen.

Carl Giani hatte fowohl in der englifchen Kirche, als auch in feiner Expofition bei den Seidenftoffen in der öfterreichifchen Abtheilung Original­mufter in romanifcher und gothifcher Weife reichhaltig ausgeftellt, aufserdem fchön geftickte kirchliche Gewänder, Infeln in alter Form und edler Zeichnung, von denen befonders jene für den Abt Bubic beachtenswerth war, Traghimmel und Fahnen mit vorzüglich ausgeführten Figuren in Application, ein Tauftuch für proteftantifche Confeffion, von origineller Zeichnung, ftreng ftiliftifch im Ornament und harmonifch in der Farbenwirkung, auch einen Vorhang für ifraelitifche Cultuszwecke mit romanifchen Anklängen.

Hermann Uffenheimer aus Innsbruck reiht fich, was Stickerei betrifft, anerkennenswerth dem Streben Giani's an, und ftellte in der englifchen Kirche eine prachtvolle Collection von Kirchenornaten aus, reich geftickt, theils mittel­alterlich, theils einer modernen Richtung angehörig mit Anklägen an die mittel­alterliche Stilweife. Auch waren bemerkenswerth die vorzüglichen Tambouri­rungen von Weifszeug. Der Linzer Dombau-Verein ftellte einen geftickten Ornat mit Chriftus und Maria im reichen Weinlaub- Ornament von derfelben Firma aus.

Albert Kaftner aus Wien brachte für das Stift Admont ein Pluvial aus dem XVII. Jahrhundert, neu inftallirt, jedoch ohne richtiges Verſtändnifs für ältere Stilweife, dann eine Cafula, reich in Relief- Goldftickerei, für den Fürft Primas von Ungarn, einen modernen Ornat in Silberftoff mit reicher Goldftickerei, wobei nur zu bedauern ift, dafs fo viel Arbeit und edles Materiale auf fo unverantwortliche Art mifsbraucht wurde.

Ferner fanden fich dafelbft recht hübfche Weifsftickereien von Therefia Lemik aus Wien und Elife Wurft aus Inzersdorf ausgeftellt, jedoch fehlte das ftiliftifche Element in der Zeichnung.

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