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Kirchliche Kunst : (Gruppe XXIII) ; Bericht / von Hans Petschnig
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Hans Petfchnig.

Krickl& Schweiger mit Arbeiten vom Olmützer Domcapitel folgen der Richtung, welche eingangs als verwerflich bezeichnet wurde, und bedauer­lich ift der Mangel an Verftändnifs für kirchliche Kunft, welche das Olmützer Domcapitel durch diefe Anfchaffung dargethan hat.

Oberbauer aus Peft hatte nicht nur allein weniger als mittelmäfsig, fondern auch überdiefs meift Paramente ausgeftellt, welche ihre Geburtsftätte aufserhalb Oefterreich- Ungarns haben.

Das zunächft gelegene Rufsland hatte von Schadrine Stickereien und von Sapoinik off kirchliche Stoffe gebracht.

Das deutfche Reich hatte fich nicht fo lebhaft betheiligt, als es wenigftens von Süd- Deutfchland zu vermuthen war.

Die fächfifche Regierung ftellte einen geftickten Baldachin, Stühle und Kniedecken, nach dem Entwurf des Malers Andree, aus, welche Giani in gewohnter vorzüglicher Weife ausgeführt hat.

Aus Crefeld fandte die renommirte Firma Cafaretto gewebte Seiden­ftoffe im romanifchen und gothifchen Stile; leider hat diefe Firma in diefer Rich­tung nicht Alles gezeigt, was fie zu leiften vermag, und fo fchlecht exponirt, dafs man gar keinen Einblick in ihre Leiftungsfähigkeit gewann.

Gendeiren und Ebner aus München brachten gut ftilifirte Webereien und Stickereien. Eigenthümlich waren die zu kirchlich- decorativen Zwecken fehr verwendbaren gedruckten Wollftoffe mit Goldmuftern.

Aus Stuttgart war ein fchön gefticktes Pluvial der Gefchwifter Horn zu fehen. Gefchwifter Jörres aus München hatten ſchön geftickte Fahnen und tam bourirtes Weifszeug von vorzüglicher Arbeit ausgeftellt, wobei nur die Zeich nung Manches zu wünfchen übrig liefs.

Ofiander von Ravensberg aus Württemberg hatte gut ftilifirte Tam­bourirungen auf Weifswäfche, eine wahre Specialität in diefer Branche, zur Aus­ftellung gebracht.

Aus Leipzig war nur von Hietel der Baum des Lebens" auf einen Vorhang für ifraelitifche Cultuszwecke fchön gearbeitet. Schliefslich wäre ein dicker Kirchenteppich von Jofef Dierzer aus Wien noch zu erwähnen, welcher die Altarftufen in der englifchen Kirche deckte, der zwar, was Qualität und Technik betrifft, fehr anerkennenswerth, aber roh in der Erfindung und im Detail­ornament war und dadurch an Werth fehr verlor.

In Teppichmanier gearbeitete Heiligenfiguren hatte Thomas Tafsling & Comp. aus London ausgeftellt.

Aus Mailand waren von Fil. Giuffani kirchliche Stoffe mit Stickereien in naturaliftifcher, fchlecht ftilifirter Weife und fehr mittelmäfsiger Technik in der italienifchen Abtheilung ausgeftellt.

Die übrigen Länder hatten fich in diefer Branche nicht betheiligt. Unbe greiflich, dafs Frankreich in diefer Richtung fo zurückhaltend war, denn wer die kirchliche Ausftellung 1870 in Rom gefehen hat, konnte fich von dem reichen Wirken Frankreichs in allen Zweigen der kirchlichen Kunft leicht überzeugen.

Die Arbeiten Kreichganer's in Paris nahmen zum Glück einen hervor­ragenden, ja fogar den erften Platz in der ganzen Ausftellung, was kirchliche Stickerei betrifft, ein. Ihre Technik ift immer bewundernswerth.

Henry in Lyon hatte nicht das Befte gefchickt, was er zu leiften vermag. Vor Allem hat Oefterreich, freilich auf eigenem Boden ftehend, diefsmal die kirchliche Richtung vorzüglich vertreten, und das Streben nach Reinheit der Gefchmacksrichtung zeigte fich allenthalben auf allen Gebieten der kirchlichen Kunft trotz der ungünftigen Verhältniffe und trotzdem, dafs zwei hervorragende Factoren, Clerus und Adel, fich nur ausnahmsweife zur Förderung des Guten und Schönen in Oefterreich herbeigelaffen haben.

Vorwiegend herrfcht in Oefterreich heute die mittelalterliche Stilrichtung, romanifch und gothifch, vor, indefs dürfte die Zukunft der Renaiffance auch auf