6
Dr. Carl Lind.
Norikern verehrten Göttin Celeja. Endlich war noch eine hübfche Marmorftatuette - ein fitzendes Kind vorftellend- ausgeftellt, die ebenfalls der Antike angehören dürfte.( Dr. Göfzy).
Werke aus dem Früh- Mittelalter.
Das ältefte Stück frühmittelalterlicher Kunftwerke, und zwar aus deren Frühzeit, ift jener Kelch, welcher fich in der Abtei Kremsmünfter befindet und durch feine Infchrift:„ Tassilo dux fortis Luitpurg virga regalis" als Widmung des Baiernherzogs Taffilo, welcher das Klofter 777 gegründet hat, bezeichnet wird. Seine humpenähnliche Form ift primitiv und wenig gegliedert, der trichter förmige Fufs und Knauf gehen in einander über und nur die fechs Zoll weite, ftark ausgebauchte, eiformige Cuppa wird durch einen Perlenftab von den unteren Theilen gefondert. Die Höhe des ganzen Kelches beträgt eilf Zoll. Das Material ift Kupfer, welches mit filbernen niellirten und golden verzierten Blättchen befetzt ift. Die Bruftbilder Chrifti, der Evangeliften mit ihren Symbolen und vier männ licher Heiligen in Medaillons auf der Cuppa und dem Fufse angebracht, find intereffante Zeugen der barbarifchen, noch rohen und ftillofen, fränkifchen Kunft. Ob der Kelch, der mit Rückficht des Charakters der Ornamente ein heimifches Werk vermuthen läfst, urfprünglich kirchliche Beftimmung hatte, darüber find die Archäologen verfchiedener Meinung. Referent neigt fich der Anfchauung hin, dafs der Kelch ftets nur profane Beftimmung hatte.
Hier fanden fich auch zwei Standleuchter aus Kupfer mit aufgelegten niellirten und vergoldeten Silberplättchen, 15 Zoll hoch. Auf der Oberfläche des dreieckigen, kleeblattförmigen Fufses find als Hauptrelief Thiergeftalten und an den Kanten gleichfam als Widerlager drei vorfpringende Salamander oder Greife angebracht. Freiftehend und aufgelöthet befinden fich ferner noch an den Platt. flächen des Fufsgeftelles drei Thierunholde mit aufgefperrtem Rachen und umgebo genem Halfe. Der Fufs ift cifelirt, polirt und vergoldet; die Geftalten der Thiere find mit kleinen aufgelegten Silberftreifen ornamentirt. Aus dem Fufse baut fich der Ständer auf, der an drei Stellen von Knäufen unterbrochen, und mit Bandftreifen aus aufgelegten und mit Laubornamenten gefchmückten Silberplatten beftehend, umwunden ift. Auf jedem der drei Knäufe find Kreife, worin als Basreliefs Tiger angebracht find. Oben fchliefst der Ständer mit einem flachen Schüffelchen ab. Bei dem Streben der romanifchen Kunft, ihren Erzeugniffen einen tieferen Sinn unterzulegen, dürfte in den an den Leuchtern herumkriechenden Beftien wohl das böfe Element dargestellt fein, welches das darüber befindliche, fiegreiche Licht der chriftlichen Lehre fruchtlos bekämpft. Ob man fo ganz richtig diefen beiden Leuchtern den gleichen Urfprung wie dem Kelche zufchreibt, ift, wenn fie auch im Stifte Kremsmünfter aufbewahrt werden und die Tradition fie dem Baiernherzoge zufchreibt, nicht aufser Zweifel, denn fie zeigen entfchieden einen etwas jüngeren Formenkreis.
Auch Gegenftände der Elfenbein- Plaftik aus dem frühen Mittelalter fanden fich in diefer Ausftellung. Es ift eigenthümlich, mit welcher Zähigkeit die Kunft des Elfenbein- Schnittes an den antiken Traditionen fefthielt; durch diefe fortwährenden Reminiscenzen wird die Unterfcheidung zwifchen den fpätrömifchen Diptychen und den Arbeiten bis zum Jahre Taufend fehr fchwierig.
In die carolingifche Epoche gehören jene zwei bekannten Elfenbeinhörner, wfelche unter dem Namen der Rolandshörner in archäologifchen Fachſchriften fchon wiederholt befprochen wurden. Derlei hauptfächlich als Jagd- und Kriegshörner dienende Denkmale finden fich aufser diefen nur in wenigen Sammlungen, wie zu Aachen, Upfala, Angers, Jaszbereny im Welfen- Schatze und in der Ambrafer Sammlung zu Wien. An denfelben wurde die durch den Elephantenzahn vorgezeich nete Form beibehalten und ihnen durch meift fehr roh ausgeführte Ornamentftreifen und figürliche Darstellungen eine Verzierung gegeben, die gewöhnlich Anfpie