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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten.

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lungen auf die Jagd enthielten. Wo Kaifer Karl IV. diefe Hörner, die wahrscheinlich aufser Europa angefertigt wurden, erworben hat, ift nicht ficher bekannt. Obwohl eine Tradition wiffen will, dafs fie aus dem am Rhein gelegenen Klofter Nonnen­wörth ftammen, fo ift doch anzunehmen, dafs er fie auf feiner erften Römerfahrt erwarb. Das gröfsere und reicher verzierte Horn, daran das Mundftück fehlt, ift in vier deffen Körper quer umziehende Streifen abgetheilt, die durch ein Band von fchönen Blattornamenten begrenzt find. Der oberfte und unterfte Streifen enthält Medaillons mit Thierköpfen und Gladiatoren, die beiden mittleren in Galopp dahineilende Viergefpänne, dabei in der dritten Reihe von Hunden ver folgt. Das thierähnliche Ornament bei dem Luftloch des Hornes ift leider verftümmelt. Das zweite Horn ift weit einfacher und in der Hauptfache nur mit Bandverfchlingungen decorirt, die Mitte davon nimmt ein landfchaftliches Relief­bild und eine Jagdfcene ein. Beide Hörner gehören in den Prager Dom­

fchatz.

Als einen höchft merkwürdigen Gegenftand müffen wir jenes Elfenbein­Schnitzwerk bezeichnen, das das Stift Heiligenkreuz ausftellte. In einer Umrahmung von Akanthusblättern ift der heilige Gregor dargestellt, er fitzt am Schreibpulte mit dem Griffel in der Hand, die Taube fchwebt, ihn infpirirend, an feinem Ohre. Ueber dem Schreibpulte erhebt fich, von zwei Säulen getragen, ein Baldachin fammt Thürmen und Zinnen und vom Gewölbebogen hängt eine Lichterkrone herab. In der unteren Abtheilung des Schnitzwerkes fieht man drei fchreibende Mönche. Gregor hat als Bekleidung eine lange Tunica, ift bartlos, mit etwas breitem Gefichte und kurzer Geftalt; ebenfo bekleidet find die Mönche, fämmtliche Figuren überhaupt kurz und gedrungen. Vortreffliche Arbeit mit der gröfsten Präcifion bis in das kleinfte Detail ausgeführt! Die ganze Architektur der ober dem Baldachin dargestellten Stadt hat entfchieden fpätrömifchen Charakter und erinnert viel an die frühchriftlichen Darftellungen. Die Meinung über das Alter diefes Schnitzwerkes ift fehr abweichend; während einerfeits von einigen Fachmännern noch das XI. Jahrhundert angenommen wird, fetzen andere dafür das VI. Jahrhundert an, wofür nach der Anficht des Referenten, im Hinblicke auf die Zartheit und weiche Behandlung, die unzweifelhaft von der Antike herübergenommen wurde, die gröfsere Wahrfcheinlichkeit spricht. An diefer Stelle fei auch das in Serpentin gefchnittene, vom Stifte Heiligenkreuz ausgeftellte Relief von 61 Zoll im Durchmeffer und byzantinifchen Urfprungs, erwähnt. Es zeigt das Bruftbild der Mutter Gottes ohne Kind in gerader Anficht, zu beiden Seiten die abbrevirte griechifche Infchrift: mater dei. Der Stein ift gefprungen, zufammengekittet und in einen neuen Holzrahmen gebracht. Das Alter diefes Schnittes läfst fich nicht beftimmen, doch fpricht die Vermuthung für deffen Entftehung zur Zeit des byzantinifchen Reiches.

Kunftproducte des romanifchen Stiles.

An Kunftwerken diefes Stiles war die öfterreichifche Abtheilung fehr reich. Es waren faft ausnahmslos kirchliche Gegenftände aufgeftellt, für deren Erhaltung wir den Klöftern und Pfarrkirchen einigermafsen zu Danke verpflichtet find. Obwohl die meiſten diefer Gegenstände der wiffenfchaftlichen Welt durch Schrift und Bild, namentlich durch die Mittheilungen der k. k. Centralcommiffion für Kunftdenkmale bekannt geworden find, fo war es doch ein Genufs, die Originale

felbft zu fehen.

Die Kunft des XI. bis XIII. Jahrhundertes liegt unferen heutigen Anfchau­ungen fehr ferne und bietet für Viele nur hiftorifches Intereffe; allein es findet fich in ihr der Ausdruck chriftlichen Sinnes, eine folche Fülle echter Poefie und tiefer myftifcher Gedanken, was diefe Kunft eines eingehenden Studiums würdig

erfcheinen läfst.

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