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Dr. Carl Lind.
Verzierungen gefchmückt find. Was die Stichweife und den Wechfel der Farben betrifft, fo gleicht diefe Cafula dem eben befprochenen Pluviale fo vollſtändig, dafs kein Zweifel über die gleichzeitige und örtlich zufammenfallende Anfertigung beider zulässig erfcheint. Hinfichtlich des Inhaltes der Darftellungen ift zu bemerken, dafs fie entweder neuteftamentarifche Scenen vorbringen, oder folche aus dem Leben des heiligen Nikolaus, Bifchof von Nicea. In den neun Medaillons : des Stabes fieht man das Lamm Gottes, die Bilder der Evangeliften und die vier grofsen Propheten.
Nicht minder werthvoll, wie die kirchlichen Gewänder von St. Paul find jene aus dem aufgehobenen, ehemals in hohen Ehren ftehenden Nonnenftifte Goefs in Steiermark. Diefelben ftammen aus der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhundertes und find in ähnlicher Weife, wie die eben genannten, mit Seidenftickerei überzogen. Leider find fie nicht fo gut confervirt wie jene, und wurden die fchadhaften Stellen durch andere Stoffe ergänzt.
Der Ornat befteht aus einer Cafula, die nicht zur Ausftellung gelangte, zwei Dalmatiken, einem Pluviale und einem Antipendium.
Auf der einen gröfseren Dalmatica ift oben beim Halsausfchnitte am Rück theile in einem Medaillon zum Theile die Darftellung der Verkündigung Mariens mit dem Legendarium des englifchen Grufses fichtbar. Um diefelbe grup pirten fich die Symbole der Evangeliften, wovon noch zwei erhalten find. Den übrigen Raum der Rückfeite nehmen zwölf Darftellungen fymbolifcher Thier geftalten ein. Diefe find auf farbige Flächen geftickt und theilweife von Infchriften umgeben. Die Darftellungen find auf feinem Canevas zuerft in fcharfen Contouren angedeutet, die fodann theils in Ketten- und Sprungftichen, theils in Flecht- und Flammenftichen beftickt wurden. Die Grundfarbe ift roth. Die zweite etwas kleinere Dalmatica ift in Bezug auf Reichthum bildlicher Darftellungen viel einfacher, doch in der Technik gleich. Der Chormantel hingegen ift eines der intereffanteften Gewänder, er ift aus zwei Hälften zufammengefetzt, und in den Stickereien theils ornamental, theils figural gehalten. Als Mittelftück zeigt fich ein grofses Rundmedaillon mit der Vorftellung der Mater Dei, auf einem Faltistorium fitzend. In der buntförmigen Umringung des Medaillons ein leider nicht mehr les bares Legendarium und aufserhalb die Evangeliftenfymbole. Der Mantel ift fehr befchädigt und wurden die Lücken durch nicht paffende Stücke ausgefüllt; darauf finden fich Darftellungen der Apoftel. Auch unter der Madonna kniet als fpäteres, von einer anderen urfprünglichen Stelle entnommenes Flickwerk die Aebtiffin Chunegunde, unter deren Amtsführung diefer prächtige Ornat entstand. Den übrigen Theil des Mantels füllen nur fymboliſche Thiergeftalten in Quadratfeldern aus. Das dazu gehörige Antipendium ift 9 Fufs 5 Zoll breit, 3 Fufs 2 Zoll hoch. Auf diefer palla altaris find in gröfseren, durch kleine Kreife mit einander verbundenen Medaillons dargeftellt: Maria als Himmelskönigin, der englifche Grufs und die Anbetung der drei Könige. Zu beiden Seiten Mariens, aufserhalb des Medaillons knien weibliche Geftalten, wovon die eine die Stifterin( adula fundatrix) der Nonnenabtei mit dem Bildniffe der Kirche und die zweite( Chunegundis abbatissa me fecit) durch die Infchrift die Verfertigerin und Gefchenkgeberin des Antipen diums vorſtellen. Ueber der Darstellung Mariens erblickt man zwei Engel, die in kniender Stellung dem Heilande zugewendet find, zu beiden Seiten der drei Medaillons vielfarbig geftickte Ornamente, welche auf der einen Seite von Quadraturen eingefchloffen und auf der anderen Seite von rhomboidenförmigen Linien umgeben find.
Das St. Peters ftift in Salzburg exponirte eine Glockencasula aus einem fehr feften orientalifchen Seidenftoffe von matt grüner Farbe, Als Deffin zeigt der Stoff Kreife, darin geflügelte Löwen und Vogelpaare. Als Verzierung trägt das Kleid nur vorne auf der Nath eine Goldborte und ebenfo um den Hals herum, welche auch ftellenweife mit Perlenreihen und Edelſteinen gefchmückt ift. Diefes Priefterkleid mag noch im XII Jahrhunderte angefertigt worden fein.