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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten.

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Wir haben hier auch der vier intereffanten Mitren zu gedenken, die in die Zeit des XII. und XIII. Jahrhundertes fallend, uns die von den Bifchöfen des Abendlandes damals allgemein angenommene Form diefer, einen integrirenden Theil des bifchöflichen Ornats bildenden Kopfbedeckung zeigen. Es iſt diefs eine Kappe, die vorne und rückwärts mit je einem dreieckigen, aufgeftellten, aber fehr niedrigen Schilde verfehen war. Man verwandte für die Aufsenfeiten der Mitra koftbare Stoffe, fügte nicht minder koftbare Bandftreifen in beftimmter Zeich nung darauf und als rückwärtige Anhängfel bei, fpäter kam noch Metall-, Stein­und Perlenbefatz hinzu.

Die eine, mitra ftellata genannt, weil fie mit einer grofsen Anzahl kleiner Sterne, d'e mit verfchiedenfärbigen Seidenfäden auf den Grundft off geftickt wurden, verziert ift, zeigt an den Schilden im Stoffe eingearbeitete, gröfsere Sterne mit ungleich langen Flammenftrahlen, welche dem Ganzen einen mehr phantaftifchen orientalifchen Charakter verleihen.

Die andere, mitra simpliciter aurifrigiata, trägt im Allgemeinen dentelben Kunft charakter wie die vorige; ift aber bedeutend höher, was feinen Grund ledig­lich darin haben dürfte, dafs am unteren Rande eine aufserordentlich breite Goldborte von normänifch- ficilianifchem Charakter herumläuft. Der Grundftoff ift weifse, deffinirte Seide Befonders auffallend find die an der Infel rückwärts herabhängenden langen Bänder, welche in fehr frifchen Farben ein Gewebe mehr orientalifchen Charakters repräfentiren. Beide Mitren gehören dem St. Peterftifte in Salzburg.

Zwei fehr intereffante Mitren befitzt die Domkirche zu Salzburg, davon jedoch nur eine ausgeftellt war. Diefelbe hat eine Breite von 91% Zoll und II Zoll Höhe, ift aus weifsem glattem Seidenftoffe angefertigt. Ein breites Band, von reichem Goldftoff dient als aurifrifia in circuito und in titulo. Das Band ift mit auf­gelegten Perlen, theils in Linien theils in abwechfelnden geometrifchen Muftern zufammengeftellt, gefchmückt. Die durch das fenkrechte Band getheilten Schilder find in jedem der beiden Felder mit einem Medaillon geziert, das innerhalb einer Umrahmung aus Goldftoff und Perlenftickerei je ein Evangeliftenfymbol mit ent­fprechender Umfchrift ebenfalls in farbiger Seide und mit Perlen geftickt enthält. Die breiten Stolæ find von weifsem Seidenftoffe, darauf in Gold geftickt ein romanifches, bandartiges Ornament, und endigen mit reichem

Franfenbefatze.

Es war noch eine vierte derartige Mitra ausgeftellt, die jedoch nahezu um ein Jahrhundert jünger fein, und in das XIII. Jahrhundert gehören dürfte, was fich befonders durch die darauf angebrachten, den Charakter der Uebergangszeit an fich tragenden Metallornamente rechtfertigt. Sie iſt aus weifser Seide angefertigt und mit einer breiten Goldborte und aufserdem mit fehr zierlichen Filigran Agraffen gefchmückt, davon einige kleeblattförmig, andere ſchnekenförmig, gewunden find. Diefe Mitra gehört ebenfalls dem Petersftifte

Kunftproducte des gothifchen Stiles.

Die fociale Umgeftaltung, die fich bald allenthalben durch das fich kräf tigende Bürgerthum und Städteleben Bahn brach, begünftigte eine neue zierliche Stilrichtung gegenüber dem in mächtigen Formen auftretenden Romanismus, diefem, man könnte fagen, mit dem befchaulichen Klofterleben entstandenen und nur von geiftigem Gehalt belebten Principe. Natürlich ftand wie bei jeder neuen Kunftrichtung die Architektur an der Spitze; diefer entfprach auch der neue Stil am meiften, von ihr ging der befruchtende Gedanke auf die anderen Künfte und auf das Kunft- Handwerk über. In ihr blieb die leitende Idee, das Princip für die Formvollendung, für äufseren Glanz und für fchwungvolle Ornamentik, doch gingen auch von ihr alle Ausartungen aus, und wurden von ihr in die Sculptur, Malerei und Kleinkunft übetragen, wo fie gehorfam übernommen und getreulich