Dokument 
Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen

1

e

r

Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten.

25

Aufsentheile mit einer vierfeitigen, mit Knorren und Kreuzblume befetzten Spitze anfchliefsen. Die Mittelkapelle trägt noch einen weiteren auf vier Säulen ruhenden Aufbau, darin der Ecce homo fteht. An der Schmalfeite des Tabernakels erhebt beiderfeitig fich eine offene Kapelle, darinnen je ein Figürchen, darüber fteigt endlich eine weitere viereckige Kapelle empor, deren Fenfter mit Mafswerk­blenden auf blauem oder violettem durchfchimmerndem Emailgrunde geziert find. Schliefslich bildet deren Abfchlufs gleich dem Mittelbau ein viereckiger maffiver Spitzhelm.

Sodann eine Monftranze des Benedictinerftiftes St. Paul in Kärnten. Diefes fchöne, kirchliche Gefäfs, welches zweifelsohne aus der zweiten Hälfte des XV. Jahrhundertes ftammt, ift aus Silber gearbeitet, vergoldet und 19% Zoll hoch. Der Fufs hat die Form eines achttheiligen, oblongen Sternes, um deffen glatten Rand von einfacher Profilirung fich eine kunftreich durchbrochene Gallerie mit Vierpafsformen und ein zierliches, kettenartiges Band windet. Die Ecken find mit kleinen Widerlagspfeilern ornamentirt. Von jeder Spitze der Bafis läuft je eine eingekerbte und durch aufgefetzte Punkte rauhe Rippe gegen die Mitte der glatten, allmälig anfchwellenden oberen Fufsfläche, wofelbft fie eine mit Glas überdeckte kreisrunde und flachliegende Reliquienkapfel umfchliefsend und freiftehend fich nach aufwärts wendet. Diefe acht Rippen vereinigen fich in einer gemeinfchaftlichen Deckplatte und bauen damit über der Reliquienkapfel eine Art Tempel. Erft über der Deckplatte beginnt der gewundene an und für fich kurze Stiel mit dem runden, oben und unten gedrückten Nodus in der Mitte. Die auf dem Stiel ruhende Platte als der Träger des Tabernakels ift an jeder Seite mit einer Volute confolartig gefchmückt. Der Tabernakel hat die Geftalt einer vierfeitigen Capelle mit der zur Aufnahme der Euchariftie beftimmten Kapfel in der Mitte, die eine runde Form hat, und mit einem breiten mit Edelſteinen und Perlen gezierten Metallreifen eingefafst ift. An den Seiten der Kapfel bauen fich Strebepfeiler auf, die nach oben mit Fialen endigen. Der Tabernakel wird durch einen fechsfeitigen Thurmbau bekrönt, der unten eine mit fpitzbogigen Fenftern gezierte Kapelle bildet. Die Spitze ift an den Kanten mit kleinen Krabben und zu oberft mit Kugel und Kreuz gefchmückt.

Ein nicht minder beachtenswerther Gegenftand war das dem Capuziner­klofter in Wien gehörige Reliquiar in Form einer Monftranze. Den flachen, fchei­benförmigen Fufs, der in feinem Aufbau zierlich durchbrochen ift, fchmückt vorne die eingravirte Darftellung des gekreuzigten Erlöfers. Der Nodus bildet ein aufrecht geftelltes Medaillon, das nach der einen Seite das auf Pergament gemalte Bildnifs des heiligen Jacobus und Reliquien, auf der anderen Seite ein vergoldetes Siegel mit der Umfchrift: Sigillum judicum pacis saxoniæ general. zeigt. Das Mittelftück der Monftranze bildet eine in Form eines Vierpaffes componirte, zierlich durchbrochene und aufgeftellte Scheibe mit den vier Evangeliftenfymbolen, in der Mitte eine kleine Kapfel. Zwei Fialen an den Seiten und ein Spitzgiebel in der Mitte, darin auf der Vorderfeite das gemalte Bildnifs des Heilands, auf der Rück­feite im getriebenen Relief das des heiligen Jacobus als Bifchof, fchliefsen den Aufbau ab. Diefes herrliche, mit Steinen reich gefchmückte filberne und ver­goldete und in feiner Form höchft originelle Gefäfs ftammt aus dem XV. Jahr­hunderte, das Siegel und das getriebene Relief am Giebel dürften mindeſtens um zwei Jahrhunderte, die durchbrochene Scheibe um ein Jahrhundert älter fein. In das XV. Jahrhundert gehören noch die Monftranzen von Tifchnovitz und Rabenftein und das Oftentatorium aus Melk, in das XVI. jene der Stifte Schotten und Raigern, von Matzen, Freiftadl, Kopsčivnice, Drafow, Jamnitz, Borftendorf, aus der Burgcapelle zu Vöttau und die fchöne Monftranze von Hradich. Nebft diefen verdienen noch zwei Monftranzen eine etwas eingehendere Beachtung. Die Monftranze von Prieglitz, laut darauf befindlicher Jahreszahl aus dem Jahre 1515 ftammend, zeigt grell die Verflachung der Gothik in ihrer Anwendung auf die kleine Kunft. An diefer