Dokument 
Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen

28

Dr. Carl Lind.

Ein über der Gruppe fchwebender Engel fetzt Marien die Krone auf; in den beiden erwähnten Figuren und dem gothifchen Charakter diefes Prachtftückes ift anzunehmen, dafs es unter Abt Arnold II.( 1247 bis 1276) entſtanden ift. Ob es eine Reliquientafel urfprünglich war, oder der Reft eines Retabulums ift, if zweifelhaft. Jedenfalls ftammt diefes Relief, gleich der fchon befprochenen Mon­ftranze, dem Kreuze und den Gewändern aus dem aufgehobenen, berühmten Benedictinerklofter St. Blafien im Schwarzwalde, und wird in St. Paul aufbewahrt. Es dürfte auch gerechtfertigt fein, gelegentlich der Reliquiare hier des Tragaltars aus Admont zu gedenken. Derfelbe hat die Form einer viereckigen Platte von 16 Zoll Breite und Zoll Höhe und 34 Zoll Dicke. Der in der Mitte der Platte befindliche flache Stein, ein Amethyftquarz, ift in einen Holzrahmen gefafst, deffen Vorderfeite mit dünnen und durch Nägel befeftigten Metallplatten von Silber überzogen ift. Diefelben find vergoldet und enthalten in den zwölf vier­pafsförmigen Feldern in Niello ausgeführte und gut gezeichnete Darftellungen, theils Apoftelbilder, theils Scenen aus dem Leben Chrifti. An der Querfläche des Tragaltars läuft eine auf die Metallflächen flach und zart getriebene und dann cifelirte Infchrift, die mittheilt, dafs diefes Geräth 1375 von Bifchof Albert von Sternberg geweiht wurde. Die Rückfeite des Tragaltars ift gleichfalls in zwölf Felder getheilt, worin fich zwei Wappen regelmässig wiederholen. Das eine führt im Schilde ein Kreuz und foll jenes des Bisthums von Leitomifchl fein, das zweite führt im Schilde einen Stern und ift das Familienwappen der Sternberge.

Ein fehr fchönes Reliquiar aus dem XV. Jahrhunderte, von Silber, ein Medaillon in Form eines Vierpaffes und ehemals der Olmützer Schützenzunft gehörig, wurde von diefer Stadt ausgeftellt. Bei Weitem werthvoller war das filberne theilweife vergoldete Reliquiar in Form einer fiebenblätterigen Rofe, und als Agraffe dienend, aus dem Prager Domfchatze. Die obere Hälfte ift mit reichem Laubornament, edlen Steinen und in der Mitte mit einem Basrelief- Medaillon aus Perlmutter verziert, darauf der Tod Mariens dargestellt ift. Die Rückfeite enthält in der Mitte hinter Kryftallverfchlufs eine Reliquie, um welchen der Künftler fieben blattförmige Medaillons auf blau emaillirter Fläche angebracht hat, vor ftellend Chriftus, die vier Evangeliften, einen Straufs und einen Drachen; Com­pofition und Ausführung des Schnittes, Faffung und Email laffen vermuthen, dafs diefes fchöne Werk in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhundertes entstanden ift. Eigenthümlich ift das vom Stifte Strahov ausgeftellte und ins XV. Jahrhundert gehörige Reliquiar aus vergoldetem Silber. Die Reliquie, ein Rückenwirbel, ruht auf einem gothifchen Unterbaue, und auf ihm fteht ein zierliches Figürchen eines Heiligen; die Reliquie ift fomit nicht in ein Gefäfs verfchlofsen, fondern als Theil des Schauftückes behandelt.

Das fogenannte Eligius- Reliquiar, Eigenthum der Prager Gold fchmiede zunft, ftammt aus dem Jahre 1378 und hat die Form einer niedrigen Bifchofsmütze, wie felbe während des zu Ende gehenden XIV. Jahrhundertes noch üblich war. Das Gerippe des Reliquiars ift aus Silbergeftänge conftruirt, die Wände find von Kryftall. Auf einem breiten metallenen Reifen als dem Unterbaue des ganzen Gefäfses ruhend, erheben fich Spangen und Stützen mit zierlichem, gothifchen Ornament, wie an einer Mitra, die beiden Schilder bildend, deffen oberen Rand Blätterknorren und die Spitze Kreuzblumen fchmücken. In diefem durchfichtigen Häuschen erblickt man hinter den hellen Kryftalltafeln einen rothen Seidenftoff, der die Mitra des heiligen Eligius, des Patrons der Goldfchmiede, verhüllt.

Aufmerkſame Beachtung verdiente die Reliquientafel aus dem Stifte Břevnov; ehemals ein Buchdeckel, wie diefs die Randinfchrift ausdrücklich noch für das Jahr 1406 angibt, wurde etwa ein halbes Jahrhundert fpäter daraus die heutige Reliquientafel angefertigt. Von der Ausstattung des Buchdeckels dürfte höchftens der Steinbefatz am Rande und einige Stücke der Perlmutter- Schnitzerei, nämlich jene mit den Paffionstcenen und die Wappenemails übrig fein, alles Uebrige gehört der fpäteren Umgeftaltung an; die Tafel ift 1 Fufs II Zoll hoch und 1 Fuls