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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Dr. Carl Lind.

Denkmale in neuerer Zeit auch jenfeits der Leitha mächtige Wurzeln gefchlagen haben.

Wenngleich bei der Ausftellung diefer Gegenftände das Princip der chro­nologifchen Folge gänzlich unbeachtet geblieben ift, und vor Allem das einer Amateursausftellung der allein leitende Gedanke war, was zur Folge hatte, dafs die verfchiedenen Sammlungen oder doch ihre Repräfentanten ungetrennt auf geftellt wurden, fo mufs man doch zugeftehen, dafs diefe Abtheilung mit befon­derer Liebe und Sorgfalt geordnet wurde, und dem unermüdlichen Ordner Dr. Henczelmann, aus deffen Feder auch der das ungarifche Ausstellungsmaterial weitläufig behandelnde Katalog ftammt, die verdiente Anerkennung nicht verfagt werden kann. Was aber die Anordnung der Gegenftände nach den Sammlungen betrifft, fo hat gerade diefe Ausftellung bewiefen, dafs ein folches leitendes Princip nicht anempfohlen werden darf.

Wir wollen bei Mufterung diefer Sammlung uns ebenfalls an die chrono­logifche Folge halten.

Sehen wir daher zuerft nach den Gegenftänden der prähiftorifchen Zeit. Wir fanden da unter Anderem ein eigenthümliches Schmuckstück aus der übrigens nur durch wenige Nummern vertretenen Steinzeit, eine foffile Schnecke, aufsen mit kleinen Flufskiefeln befetzt. Ferner ift zu erwähnen die kleine Lehocz ky'fche Sammlung von intereffanten Fundftücken aus dem Beregher Comitate, ent haltend Ahlen, Nadeln, Pfeifenfpitzen etc. aus Obfidian, einem Stein, der am Tokayer Berge gefunden wird.

Die Broncezeit ift vor Allem durch die Georg v. Rath'fche Sammlung, und zwar in ausgezeichnetfter Weife vertreten. Nicht leicht dürfte fich eine Privat­fammlung finden, die fo viele Denkmale aus diefer von uns durch Taufende von Jahren entfernten Zeit aufzuweifen vermag. Es ift diefs eine Amateurfammlung im vollen Sinne des Wortes. Um den Eindruck diefer eminenten Collection nicht abzu­fchwächen, wurden die ihr einverleibten antiken, altchriftlichen, bizantinifchen und mittelalterlichen Gegenftände nicht ausgefchieden, fondern vereint im felben Kaften ausgeftellt. Von den mehr als 1000 prähiftorifchen Broncegegenständen, fämmtlich in Ungarn gefunden, nennen wir Bronceklumpen und mehrere unfertige Werk zeuge, ein Zeichen, dafs die Broncegegenftände nicht nur eingeführt wurden, fondern dafs man auch im Lande felbft das Bronce zu erzeugen wufste; ferner 27 Palftabe, 37 Kelte, viele Meifsel, 30 vollkommene Spiralen, deren Zweck die Wiffenfchaft bis heute noch nicht mit Sicherheit feftgeftellt hat; wo man fie in Gräbern um die Hand- oder Fufsknochen gewunden fand, ftellen fie unzweifelhaft Schmuck vor; übrigens befteht die Meinung, dafs fie als eine Art Geld dienten, indem man Stücke abhieb, und den Verkäufern als Bezahlung übergab; ferner 89 Fiebeln der verfchiedenften Formen, mehrere grofse Schwerter, zahlreiche Hacken, Hämmer, Ringe, Nadeln, Sicheln u. f. w. Insbefondere mufs hervor gehoben werden, ein broncener Halsberg, von welcher Art( wahrfcheinlich einem Rüftftücke) man überhaupt nur drei Exemplare kennt, die alle in Ungarn gefunden wurden. Von unbekannter Verwendung find maffive Ringe, welche meiftens fechs ftarke Köpfe an ihrer ganz gefchloffenen Peripherie haben. Etliche Gegenstände aus der Broncezeit hatten auch die Mufeen zu Erlau und Klaufenburg ausgeftellt. An egyptifchen Denkmälern ift Ungarn zwar nicht reich, doch fanden fich darunter einige Gegenftände von ganz exquifiter Natur; es find diefs eine Schüffel und ein Weinkrug, von folcher Vollendung, dafs man fie als einzig in ihrer Art betrachten kann; beide wurden in den zwanziger Jahren in Enyed, Oedenburger Comitat, gefunden, und find jetzt Eigenthum des ungarifchen Nationalmufeums. Der Krug von ziemlich bauchiger Form zeigt auf den Flächen feines Körpers den Aufzug egyptifcher Gottheiten, in eingelegten Gold- und Silberftreifen ausgeführt. Oben und unten Mäander- und Lorbeerblatt- Verzierungen und zunächft des Halfes eine Reihe egyptifcher Symbole. Die mit einem Stiele verfehene Flachschüffel ift ähn lich behandelt, doch minder gut erhalten; als Darftellung des vertieften Mittel­