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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten.

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Diefe Gruppe verlaffend ftehen wir am Beginne des Mittelalters, einer Zeit des allmälig fortfchreitenden aber gewaltigften Umfchwunges der Cultur und ihrer Erfcheinungen im Gebiete der Kunft. Doch gerade diefe Zeit, fei es die des romanifchen Stiles oder die Epoche der Gothik, war in der fchweizerifchen Ausstellung faft gar nicht vertreten, obwohl das Land genug Denkmale der Klein­kunft diefer Stile befitzt. Gegenftände der Spätgothik fanden wir mehrere exponirt, als da waren: Etliche kleine geftickte Teppiche, wahrfcheinlich beftimmt zur Bedeckung der Rücklehnen von Geftühlen und eine Thüre mit Eifenbefchlägen. Schlofsplatte und Schlofs find von prächtiger Arbeit, die Thürbänder in ihren Veräftungen über die ganze Fläche, um die Holzbohlen zufammenzuhalten, von folcher Feinheit und eleganter Zeichnung, wie man fie kaum mehr irgendwo an einem folchen Gegenftand finden dürfte.

Weit bedeutender war die Collection von Gegenftänden der Rennaiffance und ihrer nicht ebenbürtigen Nachfolger. Da ift es vor Allem die Ausstellung von 26 in den pikanteften, durch Scherz und Laune motivirten Formen ausgeführten Prunkgefäfsen gewefen, theils Trinkbecher, theils Tafelauffatz- Stücke aus Gold, Silber und Elfenbein, die unfere volle Bewunderung und Aufmerkfamkeit auf fich zog. Die meiſten diefer Trinkgefäfse find im Befitze der Berner Bürgergemeinde oder doch von dortigen Zünften. Die bedeutendften davon fchienen uns ein aufrecht ftehender Löwe mit einem Gerbermeffer, ein auf einem Krebfe rückwärts reitender Affe, ein aufrecht ftehender, vorwärts gehender Affe, ein aufrecht ftehen­der Bär, ein grofser Greif, ein Pocal in Geftalt eines ftehenden Metzgers mit dem Beile auf der Schulter, ein anderer in der eines Kaufmannes, deffen Rechte auf einen Waarenballen geftützt, ein Becher, darauf ein Schützenzug, ein kleiner Becher in Form einer Narrenkappe, zwei in Form und Verzierung gefchmackvollft ausgeführte Stauffe, das find Gefäffe aus je zwei Pocalen gebildet, davon der eine auf den anderen geftürzt ift. Das Hauptftück diefer Collection war ein Pocal fammt runder Schüffel, ein herrliches Werk in getriebenem, cifelirtem, vergoldetem Silber mit prachtvollen durchfichtigen Emails und mit Darftellungen en relief, in den Medail­lons am Rande 23 Wappen; laut der darauf befindlichen Infchrift dürften beide Kunftwerke, fowie der dazu gehörige Bär im Jahre 1583 angefertigt worden fein.

Diefer Sammlung faft ebenbürtig fchlofs fich eine Reihe von Glasgemälden ( Eigenthum des Herrn J. Vincent in Conftanz) an. In das XIV. Jahrhundert reichen nur wenige Gemälde zurück; diefelben, in Farbenton und Zeichnung hervorragend, find: Ein heiliger Johannes, ein betender Mönch, das Wappen der Abtei Wettingen; fämmtlich Bilder mit kirchlicher Beftimmung, wie überhaupt fich die Glasmalerei damals nur diefer Aufgabe widmete. Jüngere Bilder find der öfter­reichifche Bindenfchild zwifchen Ritter und Edeldame, das Votivbild des Cafpar von Klingenberg und feiner Gattin Elifabeth von 1559 mit Dürer'fchen Reminis­cenzen, eines mit dem Jof. Murer'fchen Doppelwappen und der Orpheusgruppe darüber, wie auch das Hans Müller'fche Wappen mit der fchönen Pilafter- Umrahmung. Die Schweiz konnte leicht eine fo fchöne Collection von Glasgemälden zur Aus­ftellung bringen, denn gerade dort kamen noch gute Glasgemälde zu einer Zeit vor, wo man fich in anderen Gegenden bereits mit den das volle Tageslicht gebenden Vernuftfcheiben begnügte. Eine Ergänzung diefer Collection bildeten die zahlreichen, mitunter ganz vorzüglichen Entwürfe zu Glasmalereien, faft alle aus dem XVI. Jahrhundert ftammend.

Hinfichtlich der Textilkunft erwähnen wir eines aus Cafula und zwei Leviten­kleidern beftehenden Ornates, deffen immerhin beachtenswerthe, in bunter Farbe und Gold ausgeführte Hochftickereien mit Rückficht auf die Ornamentirung im XVII. Jahrhunderte angefertigt fein mögen.

Zum Schluffe wollen wir noch gedenken der durch die hübfchen Reliefs beachtenswerthen und aus Klofter Einsiedeln ftammenden Bronceglocke( 1573), zahlreicher Werke des Buchdruckes in alten, werthvollen Ausgaben, mitunter mit intereffanten Holzíchnitten und fonftigen Illuftrationen ausgeftattet und