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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Dr. Carl Lind.

meiftens in Beziehung auf die Druckgefchichte der Schweiz ftehend, zweier mit reichen Schnitzarbeiten verzierten Käften und des reich gefchnitzten, leider graufam reftaurirten, als Herrfchaftsfymbol dienenden Hängeftückes der Familie Steiner( 1620).

In Bezug auf Wehren und Waffen hat man fich auf die Ausstellung eines einzigen laffetirten Gefchützes befchränkt; dafür ift dasfelbe um fo intereffanter gewefen, nicht fo fehr der Verzierungen als der Conftruction wegen. Es ift diefs die von der Zeughaus- Verwaltung zu Zürich eingefendete fogenannte Zürichbraut oder Jungfrau, ein Broncegefchütz, Hinterlader mit 18 gewundenen Zügen. Es führt feinen Namen von dem Reliefbilde einer Dame, welches auf dem Kopfftücke angebracht und mit folgenden Verfen begleitet ift: Ich bin ein' Jungfrau wohl geftalt, welchen ich küfs', der wird nit alt." Heinrich Füfsle in Zürich hatte 16n das Rohr als Probeftück gegoffen.

Perfien.

Um mit der Ausftellung in dem Pavillon des Amateurs abfchliefsen zu können, erübrigt nur der antiquarifchen Expofition des Reiches des Königs der Könige noch zu gedenken. Es ift diefs eine Sammlung von chinefifchen Porzellangefäfsen, von perfifchen Teppichen und geftickten Decken, die einem perfifchen Prinzen und Minifter, deffen ungewöhnlich langer Name felbft der geläufigften europäiſchen Zunge kaum ausfprechbar fein dürfte, gehören. Die Porzellans haben keineswegs ein ehrwürdiges Alter und find gerade fo gefchmacklos, wie alles Uebrige diefer Sammlung. Das wenige Gute, das fich darunter fand, wurde mit Kennerauge ausgefucht und einer bedeutenden Wiener Amateurfammlung einverleibt.

Spanien.

Spaniens antiquarifche Ausftellung war in einem von den übrigen anti­quarifchen Ausftellungen weit entfernten, unfcheinbaren Gebäude untergebracht und blieb daher manchem Kunftfreunde unbekannt. Ein ziemlich ausgedehntes, einftöckiges Breterhaus, aufsen einem Ziegelbau ähnlich bemalt, enthielt ebenerdig viele intereffante und werthvolle Producte des Bergbaues und der Landwirthschaft. Die Räumlichkeiten des erften Stockwerkes waren der Ausftellung zahlreicher und vielartiger Gegenftände gewidmet, wie modernen Waffen, militärifchen Ausrüftungsgegenständen, Modellen fortificatorifcher Bauten, Producten des Buch- und Kunsthandels Lehrmitteln und Schülerarbeiten, Mufik­inftrumenten, anatomifchen Wachspräparaten, und endlich auch den Denkmalen früherer Zeiten, was alles in fo ziemlich bunter Folge nebeneinander gereiht war. In dem letztgenannten Fache hat Spanien, deffen Betheiligung an der Ausftellung überhaupt im Hinblick auf die gegenwärtigen politifchen Ver­hältniffe volle Anerkennung verdient, wenn auch nur wenig, fo doch gröfsten­theils Gegenftände von höherem kunftgefchichtlichem und wiffenfchaftlichem Werthe eingefendet.

Vor Allem lenkten die vollfte Aufmerkfamkeit des Befchauers einigen Stücke auf fich, durch welche die an koftbaren Rüftungen und Waffen reiche Armeria nacional zu Madrid vertreten war. Da fand fich der intereffante arabifche Helm Boabdil's, des letzten Fürften von Granada. Derfelbe repräfentirt eine ganz eigenthümliche und in kaum mehr als diefem Exemplare erhaltene, fehr zierliche Helmform, ift oben ziemlich flach, deckt vorne nur die halbe Stirne( das Geficht bleibt frei) und verlängert fich rückwärts und an den Seiten bis gegen die Achfeln. Am Rande und an der Kopfrundung iſt ein reich ornamentirtes in Goldtaufchirung ausgeführtes Band angebracht. Die Fufsrüftungen Carl V.( 1500 bis 1558) und Philipp II.( 1527 bis 1598) auffallend durch den mächtigen, glockenförmigen Schurz, zeichnen fich durch ihre reiche Verzierung, beſtehend in fchön ornamentirten gold­