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Dr. Carl Lind.
ftellung gebracht wurde. Sie bedeckte urfprünglich die Begräbnifsftätte der Familie Caftrourdiales und trägt die Jahreszahl 1411. Die ganze Platte ift mit theils architektonifchen, theils figuralen, in tiefgravirten Umriffen ausgeführten Darftellungen bedeckt. Wir fahen in der Mitte unter einem baldachinartigen Ueberbau, auf gemustertem Hintergrunde eine männliche Figur auf einem Löwen ftehend in langer Kleidung mit fpitzen Schuhen, unbedeckten, gelockten Hauptes, die Hände gefaltet. Die Umrahmung ift mit dem fich oft wiederholenden Wappen und fechs Apoftelfiguren, der Baldachin zuoberft mit der Figur des thronenden Erlöfers und muficirenden Engeln geziert; den äufserften Rand füllt das fchmale Infchriftsband aus. Gleichwie in Deutfchland derlei metallene, erft feit Mitte des XIV. Jahrhundertes in gröfserer Anzahl erfcheinende Grabplatten immer Koftbar keiten, ja Seltenheiten find, dürften derlei Kunftwerke, foweit wir aus den neueſten kunftgefchichtlichen Handbüchern darüber Nachrichten befitzen, auch in Spanien nur felten zu finden fein.
Der dritte Raum des erften Stockwerkes enthielt in archäologifcher Bezie hung nur wenig, dafür für den Ethnographen defto mehr, wie Waffen aus Mexico und Peru und einen höchft merkwürdigen Codex der Azteken. Von Antiquitäten find zu erwähnen ein grofser, vergoldeter, etwas nüchterner Holzaltar aus der Spät renaiffance und ein Vortragekreuz aus derfelben Zeit mit unverleugbaren, aus der Gothik herübergenommenen Motiven bezüglich der Form.
Zum Schluffe haben wir nun noch eine kleine Umfchau zu halten im Induſtriepalafte, wo zwar keine Amateursausftellungen veranſtaltet waren, aber unter fo vielem Neuen und Herrlichen fich hie und da doch auch eine beachtenswerthe Antiquität fand.
Tunis Marocco und Griechenland.
In den Abtheilungen der beiden erftgenannten Staaten ftanden unter den Erzeugniffen der neueften Zeit mehrere fehr intereffante, claffifch- antike Sculpturen, insbefondere eine prachtvolle Ceresftatue und die eines Bacchus, dann herrliche, ornamentale Reliefs, Friefe, Grabdenkmale u. f. w., fämmtlich aus weiſsem Marmor, Fragmente aus Mofaik- Fufsböden und einige metallene Schmuckgegenstände, darunter eine hübfche Kette, die defshalb bemerkenswerth erfcheint, weil fie gewifs nicht orientalifchen, fondern europäiſchen und zwar italienifchen Urfprunges und eine Arbeit des frühen Mittelalters ift.
Griechenland legte eine grofse Collection von Gypsabgüffen antiker Sculp turen aus, daneben Bruchftücke von folchen Originalen und eine gröfsere Partie farbiger Amphoren.
Rumänien.
Rumänien, fowie das mit feiner Induftrie- Ausstellung daneben untergebrachte Perfien hatten einige ältere Waffen ausgeftellt, darunter fchöne tfcherkeffifche Helme mit Goldtaufchirung. Erfteres zeigte überdiefs einige ältere kirchliche Gefäfse, darunter ein Ciborium in Form einer dreithürmigen Kirche mit fchönem Zellenfchmelz, mehrere filberne, vergoldete, getriebene Buchdeckel, ähnlich den in der öfterreichischen Abtheilung aus den griechifch- orientalifchen Klöftern der Bukowina ausgeftellten, fein gefchnitzte Holzkreuze mit Metallfaffungen, etliche Ripiden, mehrere für den Gebrauch der morgenländifchen Kirche beſtimmte, gröfsere und kleinere Hängeteppiche mit darauf in Flachftich geftickten Darftel lungen, meiftens die Grablegung Chrifti oder den Tod Mariens vorftellend. Die Anfertigungszeit derartiger Producte mit Rückficht auf Technik und Ornamentik felbft nur annäherungsweife zu beftimmen, hält fehr fchwer, da in der byzantini fchen Kunft eine zähe Stabilität herrfcht, die diefelbe zu einer, man könnte fagen, unveränderlichen, ja verknöcherten macht. Wird diefe ftrenge Richtung einmal