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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
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Dr. Jofef Bayer.

ift ein gar complicirter Sammelbegriff, wie er ebenfo vielfach nach anderen Beziehungen hin wiederkehrt. Es gibt fo einen gewiffen Kern von Wiener Originalkunft aber was hat fich nicht fonft Alles daran gefetzt! Echte Wiener der Herkunft nach wie Steinle, Schwind, vor allen Rahl, dann auch Canon, haben fo ftark nach Aufsen gewirkt, fo weite Kreife ihrer nachhaltigen Wirkung gezogen, dafs man einige Mühe hat, fich zu befin nen, dafs fie von hier aus felbft aus engerer Sphäre ihren Ausgang nahmen; Andere, wie Friedländer, v. Lichtenfels, Ammerling, Guft. Gaul find mehr nur Künftler von localem Einfluffe geblieben; eine ganze, nicht unanfehnliche Künftlerniederlaffung aus dem Reich", die fich hier zufammen­gefunden, hat wieder allmälig den nicht näher definirbaren Wiener Kunft charakter nicht allein angenommen, fondern ihn felbft zu fchaffen und ver vollſtändigen geholfen. Und worin befteht beiläufig derfelbe? Ihn bezeichnet vielleicht das leichte und rafche Erfaffen mannigfacher Stoffe zunächft mit Rückficht auf die wirkfame finnliche Erfcheinung, die bequeme Art, fich aus­zudrücken bei etwas laxer künftlerifcher Gefinnung eine gewandte, weltläu

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in dem

fige, felbft brillante Technik, der man allerdings nicht immer genau auf den Pinfel fehen darf, wenn fie nur ihre Wirkung erzielt. Diefs gilt freilich für den immer ganz achtbaren Durchfchnitt, von dem fich die zahlreichen ernfteren Beftrebungen um fo bedeutfamer abheben. Auch darf man die Conftatirung diefes Thatbeftandes nicht mifsverftehen. Wien ift eben eine Grofsftadt von aufserordentlicher Bedeutung, aber ohne compacten nationalen Rückhalt; ein Centrum, in das viele Radien zufammenlaufen, aber deffen Peripherie vielfach verdämmert und fchwankt. Man kann unter diefen Umftänden nur ein glück­liches, felbft glänzendes Zufammentreffen von künftlerifchen Kräften in diefem Mittelpunkte erwarten, aber nicht ein Gefammtrefultat aus tieferer Wurzel auf gefogener idealer Beftrebungen, das nur ein zufammengefafstes, grofses Volks thum zu bieten vermag, und( wie wir es zu unferem Trofte wenigftens fehen auch unter günftigeren Bedingungen jetzt nicht anderwärts viel beffer bietet. In einem Punkte können wir in der Parallele, die wir den anderen Kunft­völkern gegenüber auf der Ausftellung ziehen konnten, völlig mit uns zufrie den fein: man hat etwas bei uns inzwifchen gelernt und fogar viel, beinahe noch mehr gelehrt. Wenn auch die Wiener Kunft in die Tiefen des bedeuten­den Lebens feltener hinabtaucht, und fich mehr nur an feine glänzende und wirkfame Aufs enfeite hält, fo hat fie eben in diefer Richtung frifchen Erfaffen der malerifchen Erfcheinung, der Bemeffung ihres Farbenwer thes in dem geübten Auge, in der Kunft des Malens an fich aufserordentliche Fortfchritte gemacht. Ein Name allein, der von Hans Makart, bedeutet in diefem Fortfchritte geradezu eine Eroberung. Er vertritt da jene höchfte Steigerung der fpecififch Wiener Kunftanschauung, die nicht nach einer geiftig grofsartigen, fondern nach der feftlichen Erfcheinung des Lebens hinftrebt, in dem heiteren Triumphe der fchönen Wirklichkeit vor Allem fich wohlgefällt. Einen folchen hat uns Makart damals im Künftlerhaufe, gleichzeitig mit der Weltausftellung, in feiner ,, Katharina Cornaro" vorgeführt. Es repräfentirt diefes grofse Gemälde fo recht den farbenblühenden, finnlichen Idealismus der Wiener Kunft, der von dem farbigen Realismus, welcher im Dienfte des charakteriftifchen Aus druckes fteht, fehr wohl zu unterfcheiden ift. Die unerfättliche coloriftifche Schwelgerei, die fich in der Gluth des Tons, in dem wirksamen Widerſpiel und Zu­fammentönen der Farben gar nicht genügen kann, findet ihr entsprechendes Seiten­ftück in dem Bilderdrang, dem oft unruhigen Farbenfchimmer der poetifchen Schilde rung fo mancher öfterreichifcher Dichter, von Halm bis weiter hinab auf Hammer. ling; auch das ift finnlicher Idealismus in der Poefie. Uebrigens hat die Kunft. form Makart's mit der hiftorifchen Gattung beinahe nichts gemein; fie ift gleich fam das Genre im Feierkleide, eine Kunft für die Feftfchau und den Genufs, nicht für die ernſtere Stimmung und geiftige Erhebung. Es liegt kein Vorwurf darin,