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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
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Die Malerei.

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wenn wir diefe Richtung als eine decorative bezeichnen; wo eben das finn­liche Moment in der Kunft überwiegt, gibt es aus diefer Grundlage heraus keine andere Steigerung, als zur decorativ wirkenden Compofition, die ja felbft einen monumentalen Charakter annehmen kann. So wurden die Venezianer, diefe näch­ften infpirirenden Vorbilder Makart's, fofort decorativ, wie fie mit ihren Compo fitionen ins Grofse gingen. Ein rafcher Blick auf die Malereien des Dogenpalaftes überzeugt uns ohne Weiteres davon, mögen fie nun mythologifch, allegorifch oder religiös fein; fo Tizian's grofses Präfentationsbild mit dem Dogen Grimani in der Sala delle quatro porte, die mythologifchen Wandbilder Tintoretto's und der ,, Raub der Europa" von Paolo Veronefe in der Sala dell' Anticol­legio, die thronenden Venezien und die Präfentation des Siegers von Lepanto vor Chriftus", ebenfalls von Veronefe in der Sala del Collegio. Diefe Beiſpiele aus der Kunftgefchichte liefsen fich leicht noch häufen, aber es ift hier nicht unfere Aufgabe, ein kunfthiftorifches Repetitorium zu geben. Makart's Bild pafst. ebenfo gut als glänzender Schmuck in eine Fefthalle; nur läfst fich allerdings dagegen einwenden, dafs die Huldigung vor der Schönheit, die hier der herr­lichen Venezianerin, der Fürftin von Cypern dargebracht wird, zu dem gegen­wärtigen Leben keine andere Beziehung hat, als die der blofsen Augenweide. Der ideelle Gehalt in der Kunft, das was in ihr zum Gedanken ſpricht, kann jedem Zeitalter entstammen; die Darftellung des Feftpomps ift aber eigentlich nur für die Zeit da, die das Vorbild desfelben in der Wirklichkeit aufzuweifen hat.

Die Hauptgattung der Wiener Kunft ift im Uebrigen die Genremalerei, aber auch diefe mehr von ihrer finnlich- malerifchen Seite, als nach der durch den Gegenftand wirkenden, nach der charakteriftifchen oder pfychologifchen Rich­tung. Wie Menfchen und Dinge bei einer gewiffen Beleuchtung, unter einer beftimmten Farbenwirkung ausfehen, nicht was fie ihrem Wefen nach find und was fich von diefem Wefen im Bilde anfchaulich machen läfst das ift's, was die richtigen Wiener Genremaler zunächft in ihrem Studio intereffirt. So hat Alois Schönn viel herumgemalt, gelegentlich auch, wie in der ausgeftellten ,, Siefta türkifcher Frauen", die franzöfifche Orientmode mit mäfsigem Erfolge mit­gemacht, bis er endlich mit feinen Marktfcenen, feinen Fifchern und Volksgruppen im Süden Pofto fafste. Es ift nicht italienifches Volksthum, fondern lediglich die Lichtwirkung der italienifchen Sonne, was ihn dabei anzog. Sein Fifchmarkt in Chioggia", ein anderer im Ghetto zu Rom, dann fein Bild aus dem Belvedere " Fifcher an der genuefifchen Küfte" und Aehnliches mehr find nichts als Farben­fchilderungen in grellem, unvermitteltem, faft beunruhigendem Lichte. H. Gras­berger machte in einem Kunftreferat der Preffe" die ganz richtige Bemerkung: ,, Sie find nicht unwahr, diefe ftarken Contrafte, aber die füdliche Natur weift auch manches gedämpftere Licht- und Farbenfpiel auf, das nicht nur angenehmer wirkt, fondern auch Perfonen und Sachen mehr zur Geltung kommen läfst." Es kommt nur darauf an, ob fie der Künftler felbft zur Geltung bringen wollte, nach­dem er fich einmal feinen malerifchen Specialeffect ausgefunden hatte. In feinen italienifchen Bildern ift Schönn vorzugsweife Farbenvirtuófe, der durch einen oft übertriebenen coloriftifchen Reiz zu wirken fucht; dagegen zeigt er fich mit einfacheren Mitteln als ein wirklich geiftreicher Beobachter und Charakteriſtiker in dem ,, Vorhof einer Synagoge" und dem ganz vorzüglichen Gänfemarkt in Krakau". Ein mehr äufserlich malerifches Intereffe ift es auch, welches die Vor­liebe für venezianifche Scenen bedingt, die meiftens, wie bei Eugen Blaas als hiftorifche Coftümebilder im Sinne der feinen, eleganten Farben­wirkung benützt werden; fo in feiner Dogareffa" oder in feinem Brautzug in S. Marco". Auch wenn er einmal einige hübfche Wafferträgerinen an einer Cifterne aus dem gegenwärtigen Venedig uns vorführt, ift es nicht ein Stück Volksexiftenz, fondern nur die gefällige malerifche Erfcheinung, die er da im Bilde fefthält. Ebenfo wird das hiftorifche Genre meift nur coloriftifch aus­gebeutet: fo in den Bildern des talentvollen und farbenfinnigen Wilhelm

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