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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
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Dr. Jofef Bayer.

Richtung den Beobachtungs- und Darftellungskreis zu erweitern, gibt fich vielfach und in erfreulicher Weife kund. Die Malerei der letzten Epoche geht nicht auf monumentale Eroberungen aus; fie bringt nicht neue Ideen, wohl aber mannigfachere Ausblicke ins naheliegende, wirkliche, und eben auch bedeutfame Dafein.

Jene Nebelbildungen, die zwifchen abgefchwächtem- Realismus und unwah­rem Idealismus eine ſchwankende Mitte einnahmen, all jene Reflexe der Tafchen­buch- Empfindfamkeit und die fentimentale Pinfelei von ehedem diefes und Aehnliches ift durch die fcharfe Luft, die unfere Zeit durchweht, meift glücklich hinweggefegt. Ebenfo tritt die Anekdotenmalerei, die blofse illuftrirende Verdeut lichung witzelnder Einfälle nicht ganz fo anfpruchsvoll in den Vordergrund. Die Kunft fpielt nicht mehr blos mit der Realität, fondern läfst fich in ernftem Sinne, mit gründlichem Studium der beobachteten Erfcheinungen auf fie ein. Früher, da die monumentale Richtung der Malerei in München einer edlen königlichen Paffion ihre Pflege zu danken hatte, die dann vorübergehend, freilich nur für wenige grofse Aufgaben, auch auf Berlin überging, da trieb der Realismus bei den mitt leren Talenten, deren Pinfel wandfcheu war und fich blos mit den kleineren Lein­wand- Formaten befreunden mochte, nur fo nebenbei fein befcheideneres Klein­gefchäft. Die Anekdoten- und Gefchichtchenmaler, die Schilderer häuslichen Glückes und die malenden Kinderfreunde, die Darfteller der Hochzeits- und Kindestaufen- Schmäufe ftellten fich fchaarenweife ein und variirten endlos ihr Thema, indefs Andere zahme Bauernmalerei mit obligatem Citherfpiel trieben oder unferen biederen deutfchen Forftleuten zu jeder Jahreszeit, ja felbft mit Vor­liebe bei Hundewetter und Schneegeftöber auf die Pürfch folgten. Es gefchah diefs fchon des lieben Publicums willen, dem es zwifchen den jüngften Gerichten" und apokalyptifchen Reitern" der grofsen Malerei doch etwas bange wurde, das auf die neue Münchener Mythenfymbolik der, drei Kronidenreiche" in den Feſt­fälen der Glyptothek nicht einzugehen wufste und felbft nicht zwifchen den grofsen malerisch verfinnlichten Hauptepochen der Gefchichte im neuen Muſeum zu Berlin fortwährend Treppen auf- und abfteigen wollte. Eben defshalb, weil die grofse ideale Richtung in der Malerei nicht organifch in dem gefammten deutfchen Kunft­leben wurzelte, weil Cornelius, Julius Schnorr, Heinrich Hefs mit ihren Intentionen individuell vereinzelt blieben und über die kleine Gemeinde ihrer Mitarbeiter. eines K. H. Hermann, Ph. Foltz, Hermann Stilke und Anderer ihren Einflus nicht erftrecktenweil ferner das im engften Sinne Perfönliche diefer höchften Kunftbeftrebungen auch nur auf die perfönliche Unterſtützung einzelner fürftlicher Kunftfreunde und Gönner traf: fo drang diefes Hohe der Kunft nicht als circu­lirendes Blut in die Adern des deutfchen Kunftlebens. Der Idealismus blieb ifolirt im Innern feines Heiligthumes und der Realismus trieb fich gefchäftig im Vorhofe herum, ohne einen höheren regelnden Schulgedanken. Das Publicum hatte das Bedürfnifs, fich von den übergrofsen Gegenftänden einer Malerei, die ihm mit abftracter Fremdheit entgegentrat, bei den allerkleinsten Stoffen und jenen gemüth lichen Geringfügigkeiten, die ihm geläufig waren und Beziehungen Leben hatten, fo gut es'anging, zu erholen. So finden wir in einer kaum noch abgelaufenen Periode der neueren deutfchen Kunft neben das Unpopulär Bedeu tende in harter Nähe den populären Durchschnitt einer untergeordneten Pro­duction geftellt- ohne Vermittlung und fichtlichen Zufammenhang. Es wird noch eine Zeit koften, ehe die vornehme Erbfchaft der Kunftgedanken, die fich von Carftens bis auf Genelli in immer neuer Umbildung hinziehen, zum wirklichen Gebrauche angetreten und das von jenen Meiftern nur fkizzirte Bild einer grofsen Kunftepoche in farbiger Lebensfülle neu erftehen wird; künftlich befchleunigen läfst fich nun einmal ein folches höchftes Ergebnifs nicht. Der weit richtigere Weg ift der, den Realismus gewiffenhaft in die Lehre zu nehmen, als einen fchattenhaften Idealismus der Kunft aufzuzwingen oder gar im akademifchen Tone die ennuyante Klage über den Verfall des Stiles erheben zu wollen.

zu feinem