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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
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Die Malerei.

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Ich möchte es unter den gegenwärtigen Umftänden faft für ein Glück halten, dafs die monumentalen Aufgaben jetzt ausbleiben und die Kunft, die vorerft anderweitig mit fich zu thun hat, durch folche Aufgaben nicht genöthigt wird, ihren Stil zu forciren, ftatt ihn naturgemäfs zu fteigern. Ich finde im Allgemeinen die deutfche Kunft auf dem richtigen Wege. Er geht darauf hinaus, Ernft und Gründlichkeit in die realiftifchen Beftrebungen zu bringen.

Man hat früher zu kühn in die Spitze hinaufgebaut, jetzt forgt man für eine breitere Bafis. Die kleineren Gattungen, die früher auch in jedem Sinne klein behandelt wurden, füllen fich mit Leben und Inhalt. Das gefundefte Mittel gegen die Abirrung ins Gedankenhafte, der Sinn für das Charakteriftifche, lebensvoll Bezeichnende tritt immer kräftiger und bedeutungsvoller hervor. Die grofsen dominirenden Erfcheinungen, welche die Strömung des Kunftlebens nach grofsen Richtungen theilen, zufammenfaffen und lenken, find wohl in unferer Epoche aus­geblieben, aber wo fänden fie fich jetzt auch fonft? Was aus der Reihe tritt, trägt weniger den Stempel der vollen Genialität, als den des fogenannten glänzenden Talentes", das aus der Umgebung hervorleuchtet, ohne fie aber geiftig fo recht zu beherrschen. Es fcheint überhaupt ein Kennzeichen unferer Epoche zu fein, dafs wir uns mit diefem Surrogat des eigentlich Grofsen, mit dem Glänzenden" begnügen müffen und nach der vorherrfchenden Gefchmacksrichtung felbft ganz gern damit begnügen.

Wenn wir Alles zufammennehmen, fo tritt die deutfche Kunft, wie fie fich uns in einem umfaffenden Ueberblicke auf der Weltausftellung zeigte, in der Breite Achtung gebietend, ja imponirend auf, freilich ohne fich zu einer bedeutenden Höhe emporzugipfeln. Am wenigften können wir erwarten, dafs fich jetzt fchon ein neuer Gipfel in ihr emporhebe. Wohl aber tritt uns die Tüchtigkeit des künft­lerifchen Könnens, der technifchen Gefchultheit vielfacher vertheilt und ausge­breitet entgegen, als es je früher der Fall war. Wir können es nur mit Freuden begrüfsen, jene Grundeigenfchaft, die der Solidität der deutfchen Stammesart ent­fpricht, auch in der Kunft fo reichlich vertreten zu finden.

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Ein Moment, welches das Vorwort zum deutfchen Katalog gleichfalls hervor­hebt, erfordert auch im Verlaufe diefer allgemeinen Charakteriſtik unfere Beach­tung. Es ift diefs die Wahrnehmung, dafs der fpecielle Typus der früheren ent­fcheidenden Kunftfchulen, nämlich der Münchener und Düffeldorfer, fo gut wie verfchwunden ist und auch in anderen Hauptfitzen deutfcher Malerei, die neu hinzukamen, fich ein folcher gemeinfamer Typus nicht weiter gebildet hat. München ift der Vorort einer fehr regen coloriftifchen Schule" geworden, die von den früheren localen Traditionen völlig abweicht und zunächft auf die Thätig­keit Carl Piloty's, welcher zu Anfang der fünfziger Ja re an der dortigen Aka­demie zu wirken begann, zurückzuführen ift. Franzöfifcher Einflufs drang da fichtlich herüber, obgleich diefe neueren coloriftifchen Beftrebungen nicht auch in gleicher Weife gegen den Stil die Kühnheit, Lebhaftigkeit und Eleganz des Vortrages eintaufchten. Düffeldorf übt keinen akademifchen Einflufs mehr in beftimmter Richtung; es ift nur noch ein Collectivname für die verfchiedenften individuellen Tendenzen, höchftens durch die Pflege der Landfchaft und dann des Genrebildes in geiftreicherem Sinne nach Knaus' und Vautier's Vorgang fich neu hervorthuend. Das Dresdener Kunftleben hat aufser einer durch­fchnittlichen, gemäfsigten Zahmheit nichts befonders Bezeichnendes; Frankfurt am Main, Carlsruhe, Stuttgart bilden locale Kunftniederlaffungen, in denen auch kaum entfcheidende Schuleinflüffe hervortreten; eine fehr namhafte Künftler­gruppe, auch noch nach Genelli's Hinfcheiden bedeutend, vereinigt in fich Wei­mar, wo, wie einft für unfere claffifche Literatur, ein glückliches, wenn auch minder hellglänzendes Geftirn zu leuchten fcheint.

In Berlin geht bei wachfender Mannigfaltigkeit der Kunftbeftrebungen immer mehr der grofse hauptftädtifche Charakter hindurch, beiläufig fo, wie wir ihn auch in Wien fanden: ein refolutes Herausgehen der Kunft in ftärkere Wir­