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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
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Die Malerei.

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licher Verwerthung localer ethnographifcher Studien höchft brillant arrangirt, ift der vielbefprochene" Pyramidenbau" von G. Richter; freilich vermag uns diefes Bild, wo die Racentypen und Abftufungen der Hautfarbe, die Stoffwirkung der Gewänder, die Färbung des Gefteins und der fonnige Glanz der Atmo­fphäre, Alles und Jedes genau nach feinem coloriftifchen Werthe abgefchätzt und benützt ift, faft nur finnlich und äufserlich zu befchäftigen, ohne uns zugleich, was auch kaum beabfichtigt war, einen geiftigen Blick in jene fremde und ferne Cultur­welt zu eröffnen. Das thut ein jeder bemalte Mumienfarg beffer, ebenfo die Pharaonenbilder im Flachrelief an den Pylonen der egyptifchen Tempel. Von Herodot hinweg führt uns C. Piloty zu Tacitus von dem Bau der Cheops­pyramide zu dem Triumphzuge des Germanicus und zu der Cheruskerfürftin Thus­nelda. Man entfchliefst fich fchwer, auf das viel gelobte und viel beredete Gemälde nach längerer Zeit wieder zurückzukommen; und doch mufs es an diefer Stelle gefchehen. Was man auch fagen mag: es iſt weit mehr ein Erzeugnifs des Calculs, als wahrer künftlerifcher Begeifterung. Die Bezeichnung Senfationsbild", die man auch diefem Kunftwerke, fogar mit Unterftreichung des Wortes gegeben hat, klingt uns etwas verfänglich und bedenklich. Weder der Gottvater Michel Angelo's, der mit einer malerifchen Allmacht ohnegleichen den beiden grofsen Lichtern des Himmels ihre Bahnen zeigt, noch die Sixtinifche Madonna oder die Schule von Athen von Raphael haben jenes fcharfe und herausfordernde Moment in ihrer Wirkung, das man fenfationell nennen könnte; der herrliche Reiterzug am Parthenon Fries hat auch nichts davon, obgleich man mit diefen Werken ein Höchftes in der Kunft bezeichnet. Das Auffehen ift eine Wirkung, die fich cal­culiren läfst und die der kluge und gewandte Künftler erreicht, wenn er nicht nur die Kunft, fondern auch fein Publicum ftudirt und einen Ueberfchlag der vielfach erprobten Mittel macht, die fchon früher ihre Schuldigkeit gethan haben. So wirkt denn auch Piloty's grofses Bild durch das volle Enfemble jener Mittel, nicht durch einen grofsen, durchgeiftigten Zug. Es ist auch ein fprechendes Exempel hiefür, wodurch fich die malerifche Infcenirung und kluge Kunft des Arrange. ments von einer fchöpferifchen Compofition in grofsem hiftorifchen Sinne unter fcheidet. Man hat oft von dem Theatralifchen diefes Bildes gefprochen; das wäre nicht fo fchlimm, wenn nur richtiges theatralifches Naturell in demfelben wäre, wie etwa in den Bildern der Franzofen. Aber es fteckt ein gutes Stück Mun­chener, altbaierifcher Schwerfälligkeit in den eingejochten germanifchen Krie­gern und den gefeffelten blond- und rothhaarigen Schickfalsgenoffinen Thus­neldens; das theatralifche Moment liegt lediglich in dem Arrangement, in der abfichtlichen Zufammenftellung, und drängt fich darum um fo deutlicher auf. Die Heldin felbft, eine ganz moderne Bühnenfigur, fpielt ihre tragifche Rolle fo recht nach der Kunft. Wie ganz anders spricht fich der tiefe, aber gefafste Schmerz in dem ergreifend ernften Antlitz jener antiken Barbarenfrau in der Loggia Lanzi zu Florenz aus, die man wiederholt als eine Thusnelda bezeichnet hat! Nun wohl, eine wirkliche Heroine diefer Art würde in die ganze mehr natu raliftifche Conception und den unruhigen Bühnenpomp des Piloty'fchen Bildes nie recht gepasst haben. Die Bedeutung der Situation wird durch eine Reihe ein­zelner Haupt- und Nebenzüge fehr fcharf bezeichnet und verdeutlicht; was der Künftler nicht in einfacher Gröfse zufammenfasst, fucht er uns durch folche wohl­berechnete Details zu erklären. Diefe Details machen das Werk Piloty's zu einem geiftreichen und beredten Bilde, obgleich in jene malerifche Beredfamkeit auch mancher ftörende, vorlaute Ton eindringt; fo insbefondere der frech aus dem Bilde in das Publicum hinauslachende Soldat, der den greifen Barden an feinem langen Barte zerrt und mit der anderen Hand das Prachtexemplar eines Bären an der Kette führt. Die ftachelnde Wirkung des Contraftes geht durch das ganze Bild hin und her. Die vornehmen römifchen Damen auf der Tribüne find zu Thus­nelden, diefe zu ihrem Söhnchen, den fie am Arme führt, die gefangenen deutſchen Frauen untereinander, der finftere Tiberius zu dem Triumphator Germanicus u. f. f.