Die Malerei.
53
n
r
:
leidenfchaftlichen, ienfationellen Zug fich unterfcheidend. Hierher gehören z. B. die Bilder von Ifidor Patrois, fein, Jacques Coeur"( Nr. 523) und die. Johanna d'Arc"( Nr. 524), gegen welche Soldaten, die fie bewachen follen, ein NothzuchtsAttentat verfuchen.
Die dritte Gruppe: Die Renaiffance; Coftumeftudien, malerifche Einzelfiguren, hiftorifche Typen aus der Epoche der kleidfamften Trachten, der liederlichften Sitten und des entfeffelten religiöfen Fanatismus, des ebenfo lebensluftigen als blutgierigen Frankreich in den Tagen der letzten Valois und der nächften Folgezeit. Da wäre zu nennen: Jofef Chavet's" Heinrich III. in St. Cloud"( Nr. 125); Erneft Duez's ,, Ein Jahrestag aus der Zeit Heinrich's IV. ( Nr. 218); Jules Ravel's, Gefangennehmung Bonnivard's", ein nachbarlich nahe liegender Stoff, durch Byron's Gefangenen von Chillon angeregt, wirkfam erfafst und componirt und von trefflicher coloriftifcher Haltung( Nr. 542); Ferdinand Roybez's" Edelknabe aus der Zeit Heinrich's III.( Nr. 575), eine rein farblich wirkende hiftorifche Genrefigur, ebenfo Lucien Gros's, Büchfenfchütze aus der Zeit Ludwig's XIII." Dazu kommen als Gegenftück die Blutfcenen und Maffacrebilder, die Vor- und Nachſpiele der Greuel- und Rache Acte jener Zeit: fo von Eugène Fichel„ Die Nacht vom 24. Auguft 1572 vor der Metzelei"( Nr. 255); eine Scene aus der Bartholomäusnacht( Nr. 350) von Louis G. Ifabey, in fkizzenhafter Weife geiftreich und breit mit grofsem Farbenfinne hingeſetzt; dazu noch ein Rückgriff in die Blutzeiten des Mittelalters von Benjamin Ulmann , Carl V., der auf feinem Einzuge in Paris vor den Leichnamen feiner Gegner Etienne Marcel, Philipp Giffart und Jean de Lisle ftille hält"( Nr. 626).
99
Vierte Gruppe: Die Zeit Richelieu's, Mazarin's und des grofsen Königs, für welche die franzöfifche Literatur und Kunft durch alle Wendungen der politifchen Gefinnungen hindurch einen unveränderten Reſpect bewahrt hat. Da wäre das effectreich gedachte Bild eines älteren Künftlers Henri Schopin, eines Schülers von Gros, Vifion des Cardinals Richelieu auf feinem Sterbebette"( Nr. 582); dann jenes Bild von Hégésippe Vetter, in welchem der Künftler uns Mazarin in feinen letzten Augenblicken vorführt( Nr. 635); ferner fein bekanntes Gemälde„ Molière als Gaft Ludwig's XIV."( Nr. 636), auf dem die verdutzten Höflinge fich wie unfreiwillige Luftfpieltypen um das fcharfe Auge des komifchen Dichters zu gruppiren fcheinen. Bekanntlich ift H. Vetter ein Künftler, der fich mit Vorliebe in feinen trefflichen Bildern durch den Humor Rabelais und Molière's infpiriren liefs; wir hatten Gelegenheit, in jenem Bilde vom Salon 1864 hievon eine anziehende Probe zu fehen.„ Der Nachmittag im Schlofs" aus der Zeit Ludwig's XV. von Mme. Armand Leleux( Nr. 438) hält fich ganz im Durchfchnitte
des Genrebildes.
Fünfte Gruppe: Die Zeit der Revolution und des erften Kaiferreiches. Hier kommen wir aus dem Coftumebild heraus und gelangen zu den Scenen politifcher Leidenfchaft, wie fie in dem franzöfifchen Naturell immer wieder aufzuckt. Weiterhin geht in den Stoffen der Kaiferzeit das hiftorifche Genre fachte in das Kriegsbild, in eine Nachlefe des Ruhmes oder der Leiden der grofsen Armee über, oder verläuft fich in das ruhigere Gefellfchaftsbild aus den Tagen des erften Empire. Charles Louis Müller ift vor Allem der Maler der neueren Gefchichtsepoche Frankreichs und zunächft der Revolution, nachdem er mit feinem berühmten Bilde„ Verlefung der letzten Opfer der Schreckenszeit zur Hinrichtung im Gefängniffe" St. Lazare"( ausgeftellt im Salon 1851) zuerst mit fo grofsem Erfolge diefes Feld betreten hat. Sein„ Lanjuinais auf der Tribüne, 2. Juni 1793"( Nr. 509), das Bild, das fich auf unferer Weltausftellung befand, verfetzt uns mit ergreifendem Ausdrucke mitten in die hochauffchlagenden Wogen jener Zeit und fixirt in meiſterhafter Weife das Momentane des erregteften Affectes. Claudius Jacquand bringt uns in einem wohl älteren Bilde ,, Bonaparte zu Nizza 1794", eine rührende Anecdote aus dem Leben Napoleon's. Bellanger's Epiſode aus dem Rückzuge von Rufsland wurde fchon früher genannt; Meiffonier,