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Dr. Jofef Bayer.
huldigt, fo finden in ihr die ernſten Geftalten der Gefchichte jetzt nur einen fehr eingefchränkten Raum. Sie cultivirt das Sinnlich- Wirkfame und Reizende, das Pikante und Aufregende, nicht aber das gehaltenere hiftorifche Pathos, zu dem der ganzen Zeit der Ernft der Rückfchau, fowie auch das ftolze Gelüfte der David'fchen Epoche fehlt, ihr eigenes Spiegelbild in früheren Heldenzeiten aufzufuchen. Mehr nur als eine akademifche Tradition ſteht noch das Bild des Alterthums da, um mit einem äufserlichen theatralifchen Effect gelegentlich producirt zu werden. Felix Clement( Nr. 135) entwickelt in feinem Tode Cäfar's bei trockener Färbung eine gewiffe Gröfse und dramatifche Energie der Compofition, der freilich zum ftilvollen Eindrucke die Harmonie der Linien fehlt; Robert Fleury dagegen taucht die tragifche Kataftrophe von Korinth in die Reize einer blühenden Farbe und macht die Darftellung des erfchütternden Unglücks durch die nackten Frauengeftalten, die fich vor dem Altar der Schutzgöttin niederwerfen, finnlich pikant( Nr. 555). Felix Barrias fchildert den Abfchied Sokrates' von feiner Familie und feinen Schülern in dem pathetifchen Stile der claffifchen franzöfifchen Tragödie( Nr. 25). Benjamin Ulman's grofses Gemälde„ Sulla und Marius"( Nr. 627) hat etwas von dem ftrengen Ernfte eines Römerbildes und ſcharfe, ausdrucksvolle Charakteriſtik der Köpfe, ftellt aber einen Moment dar, der malerifch nicht anfchaulich zu machen ift und auch durch die lange hiftorifche Note des Kataloges kaum verdeutlicht wird. Als der kaiferliche Autor fein Buch über Cäfar fchrieb und deffen Strategie im gallifchen Kriege ftudirte, fchritt diefer auch ab und zu durch die Bilder folcher Maler hindurch, die fich in der Regel nicht mit welthiftorifchen Perfönlichkeiten befaffen; fo folgt ihm auch Guftave Boulanger auf dem Zuge nach Gallien( Nr. 77), während er fonft lieber bei den eleganten Salondamen und Blumenmädchen von Pompeji ver weilt. Freilich ift Boulanger's Cäfar eben auch nur zu einer Genrefigur ver kleinert.
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Die franzöfifche Gefchichte dient, merkwürdig genug, nur noch zu genreartigem Gebrauche. Man befchränkt fich da fchon feit geraumer Zeit nach einem bezeichnenden Worte Julius Mayer auf die Schilderung der malerifchen Vergangenheit", und hat es fo ziemlich aufgegeben, den geiftigen Gehalt der frühe ren Epochen im Bilde wiederzugeben. Wenn man in einer illuftrirten franzöfifchen Gefchichte blättert, fo trifft man da auf Zeiten, die viel Farbenverlockendes haben. Das bunte Mittelalter, die glänzende und gefchmackvolle Renaiffance von Franz I. bis auf Heinrich IV., das pompöfe Hofleben Ludwig's XIV., die läffig feine Eleganz der Regentfchaft, dies Alles bietet eine reiche Ausbeute coloriftifch dankbarer Stoffe. Und jemehr fich das technifche Können nach der Seite des Colorits hin fteigert, defto mehr kommt der hiftorifche Menfch nur in feiner Aeufserlichkeit in Betracht. Die bewegenden Mächte der Gefchichte treten nicht weiter ins Bild; höchftens die elementare Leidenfchaft, der Moment spannungs voller Erregtheit findet in der hiftorifchen Epifodenmalerei Raum, nicht aber die grofsen Züge, die den gefchichtlichen Menfchen über das gewöhnliche Mafs emporwachfen laffen. Dagegen kommen Gewaltthätigkeiten, Morde und Maffacrefcenen um fo häufiger an die Reihe, denn Blut ift auch für die Coloriften von Fach, ein ganz befonderer Saft". Wenn wir ein wenig fchematifiren wollen, fo ergibt fich für das hiftorifche Genre aus der franzöfifchen Gefchichte folgendes Ergebniſs für die Weltausftellung:
Erfte Gruppe: Gallifche Vorzeit und früheftes Mittelalter. Da verfucht man auch theilweife, in eine grofse Manier zu gehen, bringt es aber doch nur zu einem decorativen Effectftücke, wie Alfred Didier in feinen nor manniſchen Seekönigen an der Küfte Frankreichs( Nr. 209) oder zu einer Art militärifchen Genrebildes der Vorzeit, wie Ev. Luminais in feinen gallifchen Plänklern und Vedetten( Nr. 456 bis 458).
Zweite Gruppe: Mittelalterliches Coftume- und Anek dotenbild, letzteres von der deutfchen Art der Anekdotenmalerei durch einen