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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
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Dr. Jofef Bayer."

Disciplin und Gefetzgebung. Durch diefe Gegenwirkung ift der charakteriftifche und individualifirende Grundzug nicht zurückgedrängt, wohl aber ins Zahme getrieben und gezügelt. Das Individuelle bleibt, aber es verfteift fich in conven­tionellem Sinne und wird dann trocken und kalt. Man könnte Beiſpiele hiefür der ganzen englifchen Malerei, insbefondere der Porträtkunft entnehmen, die übrigens auf der Ausftellung aufser den Bildern des berühmten Millais, dann jenen von Sir Boxall nicht fehr bedeutend vertreten war.

Der entfchloffenen Aeufserung des Realismus als einer ftarken und vorwärts­dringenden Kunftgefinnung weichen die Engländer auch im Genre und der Hiftorie aus; fie näheren fich bei aller ausgefprochenen Fähigkeit des Individualifirens der vollen künftlerifchen Wahrheit nur auf eine gewiffe höfliche Diſtanz. In der Farbe von einer zahmen und kühlen Delicateffe, in der Zeichnung ohne kühne Beftimmt­heit und grofses Liniengefühl, halten fie fich gegenüber den Entfcheidungsfchlach­ten, die für den Realismus in Frankreich und Belgien auf der Wahlftatt der Kunft gefchlagen werden, in einer neutralen Ferne. Dabei gehen fie ruhig auf ihrem eigenen Wege des Individualifirens fort aber nur im Sinne der feinen und fcharfen Wiedergabe, nicht in jenem der energifchen und bewältigenden Auffaffung. Energie in der Kunft fcheint einmal ein Verftofs gegen die englifchen Gefellſchafts­regeln zu fein.

Nebenbei wird auch fleifsig auf der Palette dem Stahlftiche vorgearbeitet, namentlich in der fo ftark betriebenen illuftrirenden Richtung der englifchen

Kunft.

Wie überhaupt bei den nordifchen Völkern die literarifche Auffaffung häufig den Ausgangspunkt für die artiftifche bildet, fo ganz insbefondere bei den Engländern. Ihre Nationalpoefie in erfter Reihe, aber auch die anderen Literaturen gelten ihnen gleichfam als Aufforderung, fort und fort ein malerifches Bilderbuch daraus zu machen. Schon Fuefsli fprach den freilich ganz unrichtigen Grundfatz aus, dafs die Dichtkunft das reichfte Feld für die Malerei darbiete, und man weifs, mit welchem Eifer er und vor ihm fchon George Romney fich an der Boydell fchen Shakespearegallerie betheiligten. Nun nahm die Illuftrationskunft einen immer breiteren Raum in der englifchen Malerei ein. Bekannt find William Allan's Darstellungen nach Walter Scott; C. R. Leslie hat fich in Shakespeare, Cervan tes und Yorik hineingemalt, William Powell Frith ebenfo aus Shakespeare, Gold­fmith und Molière feine Stoffe genommen, Francis Stone Liebesfcenen aus aller

lei Romanen nacherzählt.

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Manchmal geräth der englifche Realismus durch die Illuftration nach Dichterwerken auf einen melodramatifchen Seitenweg, wie bei Georges Catter­mole u. A. Die Weltausftellung zeigte ziemlich viel Bilder diefer Art. Una unter den Waldnymphen" von W. E. Froft, ein fonft fehr refpectables Bild, ift doch zunächst ein malerifch vorgetragenes Modemärchen, deffen Heldin ziemlich ladylik inmitten ihrer phantaftifch wilden Umgebung dareinfieht. Elmore verfinnlicht uns die Strophen der Bürger'fchen Lenore, in denen der Kirchhofsfpuk losgeht, im echten Wolfsfchluchtsftil, aber nicht ohne einen Sinn für die Poefie des Schauerlichen und die malerifche Verdeutlichung desfelben. C. W. Cope läfst Othello dem Brabantio feine Abenteuer erzählen und fchildert uns nach Chaucer die Hochzeit Grifeldens. Mit köftlichem Humor charakterifirt Orchard­fon die Scene, wo Falftaff fich fchuldbewufst hinter die Tapete zurückzieht, und John Pettie läfst nicht minder glücklich den Clown aus Wie es Euch gefällt mit echter Schalks narrengalanterie dem Schäfermädchen den Hof machen.

Selbft das Hiftorifche nimmt feinen Umweg durch die Anregung der Dich

tung, vornehmlich des Romans.

So in dem vorzüglichen Bilde von Marcus Stone: Eduard II. und fein Günftling Pierce Gavefton", welches nach Walter Scott ein Stück scharf bezeich netes engliſches Mittelalter uns vorführt. Wo die englifchen Illuftrationsmaler mit dem Realismus in der Poefie zufammentreffen, fehen fie mit dem Dichter