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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
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Dr. Jofef Bayer.

Wetterhorn" u. A. Noch wäre eine Gebirgslandfchaft von Aug. Berthoud in Interlaken mit der ergreifenden Staffage des todten Gemsjägers rühmend zu erwähnen; unter den Aquarellen endlich die vorzüglichen italienifchen Anfichten: ,, Vico" ,,, Sorrent"," Caftel Gandolfo" und ,, Campagna di Roma" von Sal. Corrodi

dem Vater.

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Von ruffifcher Malerei als Ausdruck einer felbftftändigen einheimifchen Schulentwicklung kann noch nicht die Rede fein, wie überhaupt nicht bei der Kunft der flavifchen Völker. Die nationale Prägung tritt wohl deutlich genug hervor, aber mehr nur ftofflich, in der Wahl und Auffaffung der Gegenstände, nicht der Form nach, als eigentlicher nationaler Kunft charakter. Ein eifriges Streben gibt fich wohl durchaus kund: die Ruffen ftehen fo recht im Stadium des künftlerifchen Wollens, das fich freilich ungleichmäfsig äufsert, und bei einem fchwankenden, hie und da ins Naive und Rohe zurückfallenden Gefchmacke oft zu feltfamen artiftifchen Kunftgebungen führt. Gelehrigkeit und Anregfamkeit in Kunftfachen theilen die Ruffen mit den Polen, obgleich die letzteren ein noch höher entwickeltes, beweglicheres Kunftnaturell haben; in der artiftifchen Emi­gration in München, in Paris, in Brüffel gibt es immer wieder irgend ein eminentes polnifches Talent, das die Schule ziert und zugleich mit einem eigenthümlichen individuellen Zuge heraustritt. Wenn übrigens die Polen nicht vermeiden, über ihre politifche Theilung leidenfchaftliche Klage zu führen, fo wäre eine artiftifche Theilung Rufsland nach den Schulen, wo die einzelnen Künftler etwas gelernt, eine wahre Wohlthat, felbft für die eigene Selbfterkenntnifs und Orientirung der ruffifchen Kunft über fich felbft. Es bleibt nicht aus, dafs, wenn man Kunftwerke blos nach einem politifchen Begriffe vereint wie diefs in dem ruffifchen und bei uns ebenfo in dem ungarifchen Ausftellungslocale der Fall war immer das ftoffliche Intereffe über das äfthetifche vorwiegen wird, das Dilettantifche fich dann ganz unbefangen neben das künftlerifch Gereiftere ftellt, felbft die fchul­fremde, wild aufgefchoffene Malerei zwifchendurch unter diefem oder jenem Vor­wande fich mit herzudrängen darf. Der Gefammteindruck wird unter folchen Umftänden nur ein beunruhigend bunter und verworrener fein, ja bei allem Vor­trefflichen, das der Einzelbetrachtung entgegentritt, im grofsen Ganzen- warum foll ich den harten, aber wahren Ausdruck zurückhalten? doch ein halb bar­barifches Ausfehen erhalten. Damit will ich der Anerkennung, die dem Einzelnen im vollen Mafse gebührt, nicht im Geringften entgegentreten. Was zunächft die hiftorifche Malerei betrifft, fo zeigen da die Ruffen völlig den ehrgeizigen Drang des Sturm und Drangwefens in der Kunft, ganz direct auf die bedeuten­den, oder richtiger, auf die ungewöhnlichen Stoffe loszugehen, und je ungewöhn licher und feltfamer diefe fein mögen, um fo beffer. H. J. Semiradky's grofses Bild ,, Die Sünderin" nach Totstoi's gleichnamigem Gedicht ift dafür gleich das bezeichnendfte Beiſpiel. Ein Chriftus in fo fremdartiger Uebertragung aus dem Evangelifchen ins Ruffifch- Novelliftifche überfetzt, ihm gegenüber die Opernfigur der eleganten Sünderin, eine pikantere Magdalena in einem dramatifch gefpannten Moment diefs Alles zufammen ift eine harte Zumuthung für unfere Empfindung, die fich da kaum zurechtfinden kann. War es fchon ein Mifsgriff des Dichters, auf die evangelifche eine moderne Legende zu pfropfen, fo ift es ein noch grösserer von Seite des Malers, fo etwas darzuftellen. Uebrigens hat Semiradsky, wenn man von dem Verhältniffe zum Gegenftande abfieht, ein coloriftifch glänzendes Bild geliefert; es befitzt etwas von dem modern franzöfifchen Reiz, ift von effectvoller, allerdings theatralifcher Anordnung der ganzen Scenerie und gefchickten Be­rechnung der malerifchen Wirkung des Sonnenlichtes auf die Mauerflächen und Figuren. Waffili Werefchtagin malte ein Stück drakonifcher Kirchenjuftiz aus der Zeit der ftrengften Zucht: Ein Mönch wird wegen feiner Habgier nach dem Strafurtheile Gregor's des Grofsen mit feinem Geldbeutel lebendig begraben. Wieder ein ganz feltfames, ja grufeliges Thema, aber fehr gut gemalt und com

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