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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
Entstehung
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Die Sculptur.

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Erwähnen wir noch achtungsvoll Kopf's" Amor und Pfyche"( Marmor­gruppe, Kunfthalle) und bleiben am Südeingange, wo wir noch M. Schulz's ( Berlin) Gypsgruppe die Nacht als Charitas" finden. In dem Schoofse der fitzenden weiblichen Geftalt fchlummern zwei allerliebfte Knäblein, gefchützt von dem Mantel der Ruhefpenderin; der Eindruck der Gruppe war ein durchwegs edler und mufste nur wieder bedauert werden dafs für fie kein ruhigeres, ftimmungsvolleres Plätzchen gefunden wurde. Voll Anmuth und Leben waren Ferdinand Miller's jun.( München) ,, Indianerbube"( Kunfthalle) und W. Engel­hardt's( Hannover) ,, Schleuderer". Letztgenannte Gruppe, deren Original in der Kunftfammlung zu Darmſtadt fich befindet, gehört zu den Perlen unter des Meifters Werken und ift durch die Vervielfältigung wohl allenthalben bekannt.

F. Miller's Figuren für einen Brunnen in Cincinnati find fchön; bewegt und originell erfunden, nur etwas roh in der Ausführung.

A. Donndorf( Dresden) hatte das Modell des Reiter- Standbildes des Grofsherzogs Carl Auguft von Weimar( in Gyps, Südeingang der Kunfthalle) aus­geftellt, welches, edel aufgefafst, fich in hübfchen Linien aufbaute; das Werk war jedoch zwifchen den zwei Pfeilern fo unglücklich placirt, dafs es zu keiner Gel­tung gelangen konnte. Donndorf( ein Schüler Rietfchel's) hat jüngft bei der Concurrenz um die Ausführung des Corneliusdenkmals( in Düffeldorf) den Sieg errungen und auch diefs Werk bereits übernommen.

Was von den deutfchen Bildhauer- Profefforen, das heifst von den Meiftern. die zugleich an Kunftfchulen als Lehrer thätig find, ausgeftellt war, gibt wenig Anlafs zu kritifchen Erörterungen über die Tendenzen der deutfchen Plaſtik. Sie waren fammt und fonders nur noth dürftig vertreten; zumeift mit älteren bekannten Werken. Friedrich Drake( Berlin) hatte neben einigen kleineren Objecten die Statue feines Meifters" Ch. Rauch" ausgeftellt( Wefteingang); ein Werk voll edler, würdevoller Auffaffung, welches neben den franzöfifchen Bronce und Marmorarbeiten im fchlichten Gypsabgufs in der Ausftattung wohl etwas armfelig ausfah; defsgleichen ging G. Kaubert's( Frankfurt) Eva" ( nebenan) durch das nüchterne Material und die zerftreute Beleuchtung verloren. Die Figur mit dem obligaten Apfel und der Schlange am Baumftamme bot auch kein befonders neues Motiv; defsgleichen konnte den anderen Arbeiten des fonft verdienftvollen Meifters kein weiteres Intereffe abgewonnen werden. Kaubert's fchönfte weibliche Geftalt bleibt denn doch immer feine Loreley."

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Auguft Wittig's( Düffeldorf) Hagar und Ismael"( Marmor, Mittelfaal) war wohl in der Form und vorzüglich in den nackten Theilen mit viel Empfindung durchgebildet, liefs aber im Ganzen kühl; dasfelbe gilt auch für M. Wide­mann's( München) jugendlichen ,, Hermes"( Marmor, Kunfthalle), der immerhin anmuthig bewegt war, aber eigentliches Leben vermiffen liefs. In ähnlich ftilifir­ter Manier hielten fich die Arbeiten Emil Wolff's( Rom), von denen eine Judith" ( Marmor, Mittelfaal) ganz hübfche Einzelmotive befafs, die leider nur wieder durch das zu forgfältige akademifche Arrangement der Lebendigkeit der Figur Eintrag thaten. Des Künftlers trauernde Pfyche"( Kunfthalle) erinnerte in ihren glatten, eleganten Formen an die befte Zeit Canova's. Weit Lebensvolleres begegnete uns in Albert Wollf's( Berlin) neueften Arbeiten, die in den Seiten­nifchen des Hauptportales der Rotunde aufgeftellt waren, nämlich die Statuen der Juftitia" und der Kunft und Induftrie"( Bronce) für das Piedeftal des Monu mentes König Friedrich Wilhelm's III. im Luftgarten zu Berlin. Befonders letztere Gruppe imponirte durch grofsartige Auffaffung und virtuofe technifche Voll­endung.

Als ganz fchöner Gedanke ift B. A finger's Marmor Grabmal( Hochrelief, Südeingang der Kunfthalle) zu bezeichnen. Eine edle Frauengeftalt fchreitet aus der Pforte der Gruft die Stufen hinab und blickt bedeutungsvoll in die Ferne. Die tektonifche Einrahmung der Figur verlangte wohl eine ftilvollere Behandlung der Formen, was dem Künftler befonders in der Draperie meifterhaft gelungen