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Jofef Langl.
Ziele( in der Barockperiode) verluftig wurde, bevor fie fich zur nothwendigen Freiheit emporgefchwungen hatte.
Wenn wir die Künftlerkette von Niccolo Pifano( 1230) bis herauf zu Michel Angelo überblicken, fo offenbart fich bei Allen zunächft der Drang nach Freiheit in der Formgebung; doch vollzieht fich die Entwicklung des neuen Idealftils in den auf dem Leben bafirten Formen nicht in fo leichter Weife. Einerfeits erhält fich die Antike, die als Grundlage der Schönheitsprincipien angenommen wird, noch zu dominirend in den Darftellungen, als dafs ein feineres Empfinden gefchult werden könnte; und andererfeits verfällt die Kunft wieder in den blanken Realismus, in dem( wie z. B. bei Donatello, Verrocchio, Mazzoni) oft das Charakteriftifche über das Schöne geftellt wird, oder fie greift in das Gebiet der Malerei( wie bei Ghiberti) und überhebt fich der ihrer Wefenheit nach beftimmten Gefetze. Nur einzelne Meifter, unter denen Lucca della Robbia( im XV.) und Andra Sanfovino ( im XVI. Jahrhundert) den erften Rang einnehmen, verbinden bei feinem Naturfinne mit milder, inniger Empfindungsweife zugleich auch hohe Schönheit der Form. Die Thätigkeit aller Bildner diefer Zeit bewegte fich jedoch faft ausfchliefslich im Kirchlichen, wo, wie fchon angedeutet, der Kunft unfichtbare Schranken geftelit waren.
Die Profanfculptur des XVI. Jahrhundertes erging fich zumeift als Decoration der Architekturen, blos in Allegorien; in den Geift des Volkes konnte fie auch von diefer Seite her nicht eindringen. Was die Sculptur im XV. Jahrhundert an Leben von der Natur aus erreicht hatte, zum Erhabenen und Schönen empor zuführen, das noch Willkürliche den edlen Gefetzen der Plaftik unterzuordnen, dazu nahm das XVI. Jahrhundert wohl einen kühnen Anlauf, aber zu bald folgte in der Ausartung des Aeufserlichen die Erfchlaffung aller ordnenden Principien und die Phrafe trat an die Stelle des Natürlichen. Michel Angelo, der die menfchliche Geftalt wie kein Bildner bis zu feiner Zeit ftudirte, deffen gewaltige, ungeftüme Natur jedoch ftets nach höheren Stilgefetzen in der Darftellung rang und das Erhabene im Uebermenfchlichen fuchte, fteht an der Grenze jener Glanzepoche der Sculptur: nicht feinen Geift finden wir mehr in den Werken feiner Nachahmer, wohl aber die in vollendeten Manirismus ausartende virtuofe Behandlung des Aeufserlichen. Lorenzo Bernini war der Hauptmeifter diefer denkwürdigen Epoche und der gefeiertefte und meiftbefchäftigte Künftler feiner Zeit. Die Parole in der Kunft hiefs von nun an, Affect"; die Mittel jedoch, die zur Erreichung desfelben angewendet wurden, blieben nicht natürliche: wie die Draperie alien Gefetzen der Schwere Hohn ſprach, in derfelben Weife ging die Anatomie ins Regellofe und trug diefe Wiffenfchaft in mancher Hinficht fogar zur Vollendung des craffen Realismus noch bei. Das Schönheitsideal diefer Zeit kokettirte wohl zuweilen noch mit der antiken Auffaffung, wie überhaupt der Werth der Antike trotz des prononcirten Realismus keineswegs mifsachtet wurde: nur wurde alles Edle und Einfache nach dem Geifte der Zeit umgemodelt und die fchlichte Natur wie die erhabenen Vorbilder des Alterthums ins Phrafenhafte, Theatralifche umgefetzt. Ludwig XIV. konnte Bernini den„ erlauchten Meifter" nennen; denn für Frankreich wurde der Günftling des römifchen Hofes dasfelbe, was er für Italien war der tonangebende Beherrscher des Gefchmackes. Das Leben Bernini's glich einem Künftler- Triumphzug; Könige und Päpfte buhlten geradezu um feine Gunft, und wenn man die Anzahl feiner Werke in der Sculptur, Malerei und Architektur überblickt, fo kann man dem Meifter wohl nicht die Bewunderung feines Genies verfagen, aber auch nicht begreifen, wie nach der unmittelbar vorangegangenen Epoche, nach Lionardo und Raphael und im Angefichte der Antike die Welt an diefen Verirrungen des Gefchmackes Befriedigung finden konnte.
Diefe Zeit war es denn vornehmlich, in welcher die virtuofe Marmortechnik in den reichbefchäftigten Ateliers der Italiener ihre Ausbildung erlangte. Abfichtlich wurden die complicirteften Aufgaben zu löfen gefucht, um nur in dem Künftlichen" zu brilliren, worüber freilich auf jeden weiteren Gehalt am Gegen
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