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J. Hüpfcher.
Schönfchreib Methoden und Vorfchriften. M. Greiner's Vorlagen wurden von der Jury prämiirt. Seine Schönfchreibhefte erfreuen fich nur getheilten Beifalls. Die Rofenfeld' fchen Vorlagen leiden an kalligraphifchen Unrichtigkeiten und Härten; deffen Lateinfchrift ift nichts weniger als meifterhaft. Die C. Muck'fche Methode ift im Ganzen pädagogifch richtig, die Schriftformen gröfstentheils gediegen, zeigen nur hier und da Härten, die leicht vermieden werden könnten.
Sehr empfehlenswerth find die Schreibvorlagen für die Hand der Schüler an den Volksfchulen des Schulbezirkes Tetfchen. Gute Methode und gediegene Schriftform kennzeichnet fie.
Antonio Mazzorana aus Trieft bot feine kalligraphifchen Vorfchriften, die nichts weniger als fchöne Formen find, in einem Chaos von„ Zügen" eingehüllt; das Ganze ift veraltet und wenig empfehlenswerth. Levz von Trieft brachte Schreibvorlagen von ziemlich hübfchen Formen und angehender Methode. Die Pokorny'fchen Schreibvorlagen empfehlen fich befonders als deutſche Currentfchrift; die Lateinfchrift ift bei Weitem nicht tadellos.
Bunzel aus Prag ftellte neben recht fchön gefchriebenen kalligraphifchen Arbeiten eine Schreibmethode von zweifelhaft pädagogifchem und durchaus nicht unanfechtbar äfthetiſchem Werthe aus. Den beigegebenen Schriftproben von deffen Privatfchülern legen wir kein Gewicht bei.
Johann Marek aus Eger exponirte fehr hübfche deutfche Vorfchriften; die Lateinfchrift hingegen liefs viel zu wünſchen übrig, befonders die Form der Grofsbuchftaben.
Franz Folker, Befitzer einer kaiferlichen Auszeichnung, ftellte auch eine nichts weniger als ausgezeichnete Schönfchreib- Methode aus.
Eine manierirte, von der fo fehr wünfchenswerthen Schreibeinheit abweichende, mit vielen unnützen Strichen und Zügen verzierte SchönfchreibMethode exponirte Hölder.
Aus Windifch- Gratz lagen Schriftproben von Schülern der vierclaffigen Volksfchule vor. Die Fortfchritte in der Schrift find fichtbar, wenn auch nicht glänzend; die Methode befchränkt fich auf das Einfache, Nothwendige. Schade, dafs fämmtliche exponirte Probefchriften in Doppelzeilen gehalten find, die der individuellen Entwicklung der Hand, befonders in einer vorgefchritteneren Claffe, mehr hinderlich als nützlich find.
Aus Roveredo fanden wir gefchmackvoll ausgeführte kalligraphifche Arbeiten der Schülerinen der englifchen Fräulein zum„ Heiligen Kreuz". Wir freuten uns doppelt über diefe Arbeiten, weil wir die Buchftaben Malerei für eine echte Frauenarbeit anfehen, fo wie das Sticken, Schlingen und andere zierliche Dinge, die den feinfühlenden Damenfingern ihre Entftehung verdanken, ohne für Zeitverfchwendung gehalten zu werden. Die Kalligraphie im weiteren Sinne ift eine echte Frauen- und Klofterbefchäftigung, ein unfchädlicher Zeitvertreib. Gute, markige Schriftzüge, ohne Verrenkungen und Verzierungen, das find einzig und allein die Attribute, welche der kräftigen Männerhand zuftehen; alles Zierliche, Manierliche, Ueberflüffige möge die Domäne fchöner Hände bleiben. Sobald aber diefe in das praktifche, bis vor Kurzem nur Männern zugängliche Gefchäftsfach übergreifen, wird auch hier das Nothwendige über das blofs Gefällige und Spielende den Sieg davon tragen. Beweis deffen die fchriftlichen Arbeiten der Elevinen der beiden Frauenvereine von Wien und Prag.
Hier findet man nur felten den eigenthümlichen Frauenhand- Charakter vertreten, die meiſten Schriften find einfach, kräftig und zeugen von dem Ernfte der Schülerinen und der Lehrer, nur das Praktifche und Nothwendige zu verfolgen. Die Handfchriften der Elevinen des Prager Frauen- Erwerbvereines tragen das Gepräge der ausgezeichneten Fifchel'fchen Schreibmethode an der Stirne. Lobend zu erwähnen ift bei beiden die gute und gefchmackvolle Anordnung der Schriftftücke.