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Der Zeichen- und Kunstunterricht / von J. Langl
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Der Zeichen- und Kunftunterricht.

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fowohl als den Erfolgen ungetheiltes Lob zu fpenden. Die Zeichnungen nach Gyps, im Ornamente und der Figur, waren von der zarteften Durchbildung und mir für den Zweck faft zu minutiös à la Lithographie ausgeführt.

Ebenfo anfprechend waren die Zeichnungen nach plaftifchen Modellen von den Schülern der unter der Leitung des Confervators Nieffen ftehenden Zeichenfchule im Muſeum Wallraf- Richartz zu Köln am Rhein. Die delicate Modulation der Form wetteiferte mit der Präcifion der Contouren.

Auch von dem Gewerbeverein in Naffau lagen Proben der Leiftungen der Handwerker- Fortbildungsfchulen vor, die befonders im Linearzeichnen, fowohl was Exactheit und Reinheit der Ausführung als den zweckmäfsigen Lehrgang anbelangt, volles Lob verdienten.

Nur wären im decorativen Fachzeichnen und den Architekturen neuere, frifchere Motive wünfchenswerth. Wird doch fo viel des Guten heutzutage producirt! Correct war der Lehrgang im ornamentalen Zeichnen.

Sonft hatte die preufsifche Unterrichtsverwaltung noch die Pläne der Gebäude von den Gewerbefchulen von Brieg, Gleichwitz, Caffel, Mühlheim, des Lehrerfeminars bei Mettmann und des rheinifch- weftphälifchen Poly­technicums zu Aachen ausgeftellt; letzteres im Stile der italienifchen Früh­renaiffance von impofanter Wirkung.

Bezüglich des Linearzeichnens an den wiffenfchaftlichen und elementaren Bildungsanftalten ift noch zu bemerken, dafs leider zumeift der eigentliche Zweck derfelben überfehen wird und die pofitiven Refultate keineswegs mit den auf dem Papier gezeigten übereinftimmen. Als eines Theiles der Mathe­matik foll dadurch in der Selbftthätigkeit vorzugsweife das ftreng logifche Denken im Raume eingeübt und nebenbei ein exactes, forgfältiges Arbeiten angewöhnt werden. Nur zu oft wird aber blofs auf den letzten Punkt Gewicht gelegt und in der technifchen Fertigkeit zu prunken gefucht. Es werden die verfchiedenen Aufgaben, welche der Schüler nach den Vorträgen felbft entwickeln und löfen foll, einfach nach Vorlagen copirt und dadurch dem Gegenftand fein eigentlicher Zweck genommen. Es iſt nichts Geifttödtenderes für einen Schüler als das Copiren einer Zeichnung, die er nicht verfteht, und bei der er die verfchiedenen conftructiven Hilfslinien blofs dadurch findet, indem er fie bis zum Rande des Papieres verlängert und diefe Punkte fcalen­mäfsig auf fein Bret überträgt.

Anders wird felbftverftändlich der Gegenftand in den Fachfchulen auf­gefafst, wo das Praktifche mit der Theorie in unmittelbarem Zufammenhang fteht. Vielfach wurde es bedauert, dafs die eigentlichen Hochſchulen, wie die königliche Gewerbeakademie und die königliche Bauakademie mit Studien­zeichnungen der Ausftellung fern geblieben find, während fie fich doch fonft bei ähnlichen Gelegenheiten ftets reiche Lorbeern fammelten.

Das erftere Inftitut wurde im Jahre 1821 von Beuth ins Leben gerufen und hatte zur Zeit blofs 13 Schüler; bis zum Jahre 1869 ftieg die Zahl derfelben auf 608 und fank nur im Jahre 1871 in Folge der Kriegsereigniffe auf 281 zurück; ift feither aber wieder in rapidem Wachfen begriffen. Die Anftalt hatte nur zwei Glasfchränke mit ihrer ausgezeichneten Modellenfammlung von Mafchinen­theilen für das Studium der Mechanik ausgeftellt, welche Objecte die Aufmerk­famke it der Fachmänner lebhaft auf fich zogen.

Von den Schülern der königlichen Bauakademie waren die an der Anftalt benützten Wandtafeln für den kunftgefchichtlichen Unterricht ausgeftellt und die nach Profeffor C. Bötticher's Entwürfen ausgeführten Vorbilder und Studien­blätter", eine herrliche Sammlung fowohl zur Illuftration von kunftwiffenfchaft­lichen Vorlefungen als zum Studium im Copiren felbft. Erwähnt fei hier ebenfalls

"

* Von der Anftalt waren auch fehr fchone Dachstuhl- Modelle und ein Eadenmodell von einem dreiaxigen Hyperboloid( conftruirt vom Director Wiecke, ausgeführt von Acker­mann) exponirt.