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Der Zeichen- und Kunstunterricht / von J. Langl
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Der Zeichen- und Kunftunterricht.

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fchliefsen fich einfache Gypsmodelle und Geräthe unter Berücksichtigung von Licht und Schatten.

In den Mädchenclaffen wird dann noch in der oberen Abtheilung das Zeichnen von Stickmuftern angefchloffen, und werden die Schülerinen zunächft mit den wichtigften Elementarformen vertraut gemacht, dann zum Abändern und Benutzen einer gegebenen Form für verfchiedene Zwecke geführt und fchliesslich zum felbftftändigen Erfinden angeleitet.

In der Gewerbefchule wird ausfchliefslich nach Modellen gezeichnet, und zwar im Anfang mit Contouren und allmälig zum Schatten fchreitend, dabei aber die verfchiedenen Darftellungsmittel berücksichtigt. Das figurale Zeichnen wird nur von jenen Gewerbebefliffenen geübt, die derfelben in der Praxis bedürfen.

Die ausgeftellten Arbeiten bewiefen, dafs an der Anftalt alle Richtungen des Zeichnens gewiffenhafte Pflege finden, dafs dem Ornamente das Studium der Blume zur Seite fteht und es nicht verfäumt wird, auch die Selbftthätigkeit im Erfinden anzuregen.

Die Objecte, welche aus den Fachcurfen der Decorateure, Möbeltischler etc. vorgelegt waren, zeigten in dem zweckmäfsigen, einfachen Aufbau der Formen und in der richtigen Geftaltung und Anwendung des Ornamentes, dafs die Schule dem Fortfchritte in Bezug auf Reform des Gefchmackes, welcher fich in England und Oefterreich Bahn bricht, mit regftem Eifer folgt. Es werden bei der Dar­ftellung der Gegenftände, die nicht als Bilder auf dem Papier zu gelten haben, fondern nur für die praktiſche Ausführung gefchaffen werden, die leichteften Mittel angewandt und alle überflüffige Malerei und zeitraubende Ausführung vermieden.

An der Anftalt wird nur gezeichnet und modellirt und ift es dem Fleifse und der Thunlichkeit der einzelnen Schüler überlaffen, in ihren Werkstätten Ent­würfe, die fie in der Schule unter der Leitung ihrer Lehrer machen, auszuführen. Es ift diefs ein treffliches Mittel, die Vortheile der Schule unmittelbar in das Gewerbe zu verpflanzen und dadurch das Intereffe für die Schule in den Kreifen der Induftriebefliffenen rege zu halten. Einzelne Objecte, welche auf diefe Weife durch die Anftalt gefchaffen wurden, waren auch ausgeftellt und zeugten von ganz edler Gefchmacksrichtung. Befonders hervorragend waren davon die Tifchler­arbeiten. In den Modellirungen( in Gyps und Wachs) waren ornamentale und figurale Vorwürfe behandelt und verdiente die exacte, ftrenge Behandlung der Formen volles Lob.

Ebenfo fyftematifch wie im Freihand- Zeichnen wird auch im Linearzeichnen vorgegangen, und finden die geometrifchen Conftructionen ftets in praktiſchen Beiſpielen ihre Anwendung. Ganz tüchtige Arbeiten lieferte befonders die Schule für Bau- Handwerker, aus welcher auch fehr hübfche bauliche Entwürfe vorlagen. Der Vortrag war in den Zeichnungen ebenfo präcis als einfach, und waren nirgends fogenannte Ausftellungsblätter zu finden, die fonft blofs die Augen der Laien zu feffeln berufen find.

Sehr gute Arbeiten lagen auch von der feit 1870 unter der Aufficht und Verwaltung der allgemeinen Gewerbefchule ftehenden St. Pauli- Gewerbefchule vor.

Brillirten die Hamburger Gewerbefchulen auch nicht in pomphaften Tableaux, und begnügten fie fich, in befcheidener Form ihre Leiftungen dem Urtheile des Publicums vorzulegen, fo zogen fie gerade durch ihr ungefchminktes Auftreten die Aufmerkfamkeit der Fachmänner in hohem Grade auf fich, und konnten fich die Leiftungen von allen Seiten ungetheilter Anerkennung erfreuen. Das Inftitut hatte faft feine fämmtlichen Lehrkräfte zum Befuch der Aus­ftellung nach Wien gefchickt und dürften die dafelbft gemachten weiteren Erfah­rungen das Aufblühen der Anftalten um fo mehr fördern.*

* Es war nur zu bedauern, dafs dem Hamburger gewerblichen Muſeum diefsmal wenig Mittel zur Verfügung geftellt waren, um Einkäufe von kunftinduftriellen Gegenständen auf der Weltausftellung zu veranlaffen, in welcher Hinficht die Sammlungen Deutfchlands, Oefterreichs

und Rufslands reichlicher bedacht waren.