Der Zeichen- und Kunftunterricht.
73 zunehmen. Die ornamentalen Objecte waren im Grofsen und Ganzen mit Verftändnifs gezeichnet und hiezu franzöfifche und deutfche Modelle verwendet. Befondere Erwähnung verdienen Federzeichnungen nach Gefäfsen und decorativen Motiven; fchwächer waren die figuralen Studien( nach Julien). Dagegen lagen nach allen Richtungen des Linearzeichnens recht lobenswerthe Arbeiten vor und zeigten durchgehends vom praktiſchen Verſtändnifs des Gegenftandes. Die ausgeftellten Holz- und Gypsmodelle erhoben fich nicht viel zu complicirteren Formen, offenbarten jedoch das befte Streben.
Von den auf den Zeichen- und Kunftunterricht Bezug habenden Werken find zu nennen:" De kleine Teekenaar" von J. Groeneveld( für Schiefertafel), eine fyftematiſche Schule für die erfte Unterrichtsftufe von welcher der Anfang gut ift, die weiteren Blätter aber weit über das Darftellungsvermögen der Kinder hinausgehen; ferner ,, Sudien naar het levend model" von J. H. Egenberger, mit zwei Kreiden, wovon die Contouren den fchattirten Objecten vorzuziehen find: desfelben Verfaffers„ Minerva's Teekenles," Vorlagewerk für figurales Zeichnen, läfst im Vortrag Manches zu wünfchen übrig. Berghms ,, Teekenvoorbeelden voor School en Huis" find flott gemacht, nur gehörten Thierköpfe nicht in diefen
Bereich.
Für Architektur waren die trefflichen Werke der„ Société pour la propagation de l'architectur à Amfterdam" und vom Ingenieurfach die Verhandlungen des„ Köniklijk inftitunt van Ingenieurs" ausgeftellt. Als fehr fchön ausgeftattetes Werk ift noch Th. M. M. v. Prieken's„ Burgerlijke Bouwkunft" zu erwähnen.
Unter der Ausftellung der afiatifchen Colonien der Niederlande verdient das grofsartige Denkmäler- Werk ,, Bôrô- Boudour dans l'Ile de Java", publicirt auf Anordnung des Minifters der Colonien, hervorgehoben zu werden.
Belgien. Faft eben fo fpärlich wie die Niederlande hatte Belgien die XXVI. Gruppe der Ausftellung befchickt. Von der Regierung waren nur Pläne und Anfichten der vorzüglicheren Schulgebäude, Ueberfichtskarten in Bezug auf das Unterrichtswefen, einige Lehrwerke und in verfchloffenen Käften* officielle Rapporte, Gefetze etc. vorgelegt.
Umfaffender hatte nur das von den„ Frères chrétiens" beftellte Penfionat von Carlsburg ausgeftellt. Es waren diverfe Lehrmittel und Schülerleiftungen in recht überfichtlicher Weife zufammengeftellt. Das Hervorragendfte darunter bildeten die von dem Director der Anftalt J. J. Piron gefertigten Lehrmittel für darftellende Geometrie. Auf grofsen Wandblättern wurde in fyftematiſcher Weife der Lehrgang in vielfachen Beiſpielen entwickelt, welcher an trefflich gearbeiteten Modellen aus Carton mit den angezeichneten Hilfslinien und den Riffen der Projectionen näher zur Anfchauung gebracht wurde. Die Modelle gehörten zu den einfachften und zugleich zweckmäfsigften, welche überhaupt auf der Ausftellung für darftellende Geometrie vorhanden waren; fie hatten neben der Bequemlichkeit und billigen Herftellungsweife gegen andere noch das voraus, dafs die drei Ebenen beweglich waren und durch das Auflegen derfelben ein deutlicherer Einblick in die Darftellung der Projection gegeben werden konnte. Das Werk foll dem Vernehmen nach von der Regierung aus publicirt werden, was im Intereffe des Unterrichtes nur zu wünſchen ift.
Die Schülerzeichnungen des Penfionates waren vorzugsweife im linearen Zeichnen zu loben, und fcheint die darftellende Geometrie an dem Inftitute befonders gepflegt zu werden.
Von anderen Lehrmitteln, die fich noch vorfanden, find Stroeffers ( Draht) Modelle für den Unterricht in der Stereometrie, Trigonometrie und Kryftallographie zu erwähnen. Die Zweckmäfsigkeit derfelben ift allenthalben bekannt, und haben diefe Arbeiten von Fachmännern vielfach die günftigften
* Dem Berichterstatter war es unmöglich, zur Einficht derfelben zu gelangen.