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Der Zeichen- und Kunstunterricht / von J. Langl
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J. Langl.

Ungleich gediegenere Leiftungen waren vom Lycée national" ausgeftellt, aber auch wieder vorwiegend im Linearzeichnen. An dem Inftitute ift F. Motta als Lehrer in den Zeichenfächern thätig, deffen ganz gediegene Werke für den Zeichenunterricht an Lyceen ebenfalls vorlagen. Sein ,, Compendio de defenho linear" verfolgt denfelben Weg, nach welchem J. Picard's Werk angelegt ift. Es wird fyftematifch die Geometrie, Projectionslehre und Geometrie behandelt und dann auf praktifche Fälle aus der Bau- und Mafchinenkunde übergegangen. Im Freihand- Zeichnen beginnt der Curs mit quadrirten Heften und fteigt von der geometrifchen Form zum Ornamente auf, welchem aber bei Motte kein ausgefpro­chener Stil zu Grunde liegt. Die exponirten Zeichnungen zeigten, dafs bis zum Contourornamente in der richtigen Weife vorgegangen wird; nur fanden fich häufig gefchmackswidrige Formen darunter. Mangelhaft waren die Proben aus dem figuralen Zeichnen. Im Linearzeichnen war das Mafchinenfach durch einige fehr fchön gearbeitete Blätter repräfentirt. Aus der Architektur war aufser einigen Säulen nichts von Bedeutung vorhanden.

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Die Efcola Normal" hatte( von Lehrerinen) gut gezeichnete Contour­ornamente nach fchlechten Muftern und hart fchattirte Kreide ornamente nach Bilordeux"," Julien" etc. ausgeftellt. Mit diefen Vorbildern ift wohl kein Gefchmack zu erziehen! Dasfelbe gilt von den Arbeiten aus dem Penfionat de bienfaifance pour jeunes filles" und der Efcola regia das Mercieiras", in welch' letzterem Inftitut die Wahl der Meifter eher den Gefchmack verderben als ver­edeln müffen.

Von der ,, Affociation commercial", die zu Porto ihren Sitz hat und fich um die Hebung der Kunftinduftrie im Lande fchon manche Verdienfte erworben hat, war eine Anzahl decorativer polychromer Ornamente( in Gyps und Holz) expo­nirt, in welchen maureske Formen gelungen nachgeahmt waren. Die Brochuren. über die Thätigkeit der Gefellſchaft waren hinter Glas und Rahmen in der Induftriehalle ausgeftellt; dem Berichterstatter war es unmöglich, zur Einficht in diefelben zu gelangen.

Amerika.

Von einem unferer hervorragendften deutfchen Kunftgelehrten wurde nach der erften Weltausftellung in London 1851 der bedeutfame Satz ausgefprochen, dafs eine Organiſation des Kunftunterrichtes, übereinftimmend mit den Grund­fätzen, auf welchen der damals von England in Vorfchlag gebrachte Plan gegrün­det war, noch leichter dort durchführbar wäre und beffer wirken könnte, wo keine alten Kunftüberlieferungen zu überwinden find und die freieften Inftitutionen beftehen, nämlich in den nordamerikanifchen Freiftaaten. Diefer Satz hat aller­dings feine tiefe Wahrheit; ob aber dem Stande der Dinge nach gegenwärtig fchon ein Unternehmen in diefer Hinficht von Erfolg fein kann, wäre in Frage zu ftellen. So lange Amerika noch in der Entwicklung lebt, fo lange ausfchliesslich der Materie nachgejagt wird und alle Kräfte darin angefogen werden, gibt es keine idealen Tendenzen; und wenn hie und da Anregungen dazu ftattfinden, fo werden nur die von Europa herübergezogenen Traditionen weiter zu fpinnen verfucht, welche aber in der fremden Atmoſphäre eher noch verkümmern oder entarten als emporblühen können. Was Amerika in der Kunft und vorzugsweife in der Plaftik producirt, ift europäifchen Urfprungs; die Induftrie geht mehr auf das Praktifche als künftlerifche aus und ift von einer befonderen Gefchmacks­richtung noch keine Rede. Die Hauptftädte Europas werden den Luxus für Amerika auch noch weiterhin zu beforgen haben.

Am eheften könnte fich vielleicht noch in der Baukunft ein felbftftändiger Charakter entwickeln; bis jetzt zeigt aber auch fie nur europäiſche Motive, die oft als Kleid den kühnften Conftructionen in Folge der reicheren Mittel pompös