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Unterricht in der Geschichte : (Theilbericht der Gruppe XXVI) ; Bericht / von Emanuel Hannak, Director des Landes-Proseminars in Wiener-Neustadt
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Der Unterricht in der Gefchichte.

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folche Epochen ganz hinweglaffen. Auch ift die phyfifche und geiftige Cultur eines Volkes ein wichtiger Factor feiner Gefchichte, und doch läfst fich diefe nicht an einzelne Perfönlichkeiten anfchliefsen. Es trat defshalb das Bedürfnifs ein, die rein biographifche Form aufzugeben und den Biographien auch Schilderungen einzelner Perioden und Bilder aus der Cultur einzelner Völker einzufügen. Auf diefe Weife entstanden Gefchichtsbilder", an denen die deutfchen Lefebücher befonders reich find. Solcher Art ift auch das bei Nikolai in Berlin erfchienene Elementarbuch der Weltgefchichte von Gohr und die in Würtemberg benützte deutfche Nationalbibliothek mit volksthümlichen Bildern und Erzählungen und andere Werke, die zumeift über die Grenze der Volksfchule hinausreichen.

Bei dem Umftande, dafs in der Volksfchule die Kinder oft nicht bis zur höchften Claffe auffteigen, fondern fchon vor Eintritt in diefelbe nach Erreichung des vorgefchriebenen Alters ausfcheiden, ift ein fyftematifcher Unterricht in chronologifcher Aufeinanderfolge unmöglich. Es ftellte fich daher die Nothwen­digkeit heraus, Bilder aus allen Gefchichtsperioden in jeder Claffe zur Behandlung zu bringen. So entstanden Gefchichtsbilder, die fich in concentrifchen Kreifen erweitern.

Neben den Lefebüchern, die häufig in diefer Art die gefchichtlichen Abfchnitte behandeln, ift unter Anderem auch die Weltgefchichte von Spiefs und Berlet 3 Bände, Hildburghaufen 1869, in drei fich erweiternden Kreifen abgefafst.

Hat man fchon in der Anlage der gefchichtlichen Lefeftücke, Lehrbücher und Leitfäden für Gefchichte dem kindlichen Geifte Rechnung getragen, fo fucht man demfelben überdiefs durch alle Mittel den Unterricht in diefer Disciplin nicht Das Kind weilt mit feiner blofs geniefsbar, fondern auch angenehm zu machen. regen Phantafie gerne in dem Reiche der Dichtung. Es fagen ihm daher zunächſt die Dichtungen aus der Kindheit der Völker die Sagen und Mythen zu. In richtiger Erkenntnifs diefer Eigenthümlichkeit des kindlichen Geiftes hat man in den Lefebüchern fowohl, als auch in felbftftändigen Handbüchlein der Jugend den Genufs der Mythen- und Sagenwelt des claffifchen, fowie auch des germanifchen Alterthums erfchloffen. Die verfchiedenen Bearbeitungen der Sagen der Griechen und Römer( Schwab, Grimm u. A.) und der in den Dich­tungen des Mittelalters behandelten Sagenkreife( Ofterwald, Richter) zeigen von dem herrfchenden Zuge unferer Zeit. Durch die Lectüre von dergleichen ihm zufagenden Stoffen wird das Kind für den eigentlichen gefchichtlichen Unter­richt vorbereitet und erwirbt fich überdiefs eine Fülle von Kenntniffen, die es dann bei dem tieferen Eindringen in die literarifchen Erzeugniffe feines und anderer Völker verwerthet und ohne die es diefelben nicht geniefsen kann.

Wirken dergleichen Dichtungen auf die innerliche Anfchauung des Kindes, fo bemüht man fich auch auf die äufserliche Anfchauung unter­ftützend einzuwirken. Als Mittel hiezu dienen zunächft Karten. So wichtig diefer Lehrbehelf ift, fo wenig wird er noch in den Kreifen der Volksfchule angewendet. Aufser Karten zur Erläuterung der biblifchen und hie und da( z. B. Sachfen, Tutzfchmann's Atlas zur Gefchichte Sachfens, Leipzig Gebhard, Preufsens hiftorifche Karten von Fix) der Landesgefchichte, ift felten ein hiftorifcher Wand­oder Handatlas für die allgemeine oder deutfche Gefchichte in Volksfchulen im Gebrauch. Neben den Karten unterſtützen auch Tabellen die Anfchauung. Schon oben wurde eines derartigen Werkes gedacht. Zeittafeln finden fich in gröfserer Zahl, namentlich für Landesgefchichte und haben neben einer ausführ­licheren Gefchichtserzählung ihre volle Berechtigung.

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Vor Allem aber dienen Abbildungen dazu, das Verſtändnis der Gefchichte durch Anfchauung zu fördern und das Gedächtnifs zu unterſtützen. Zwar ist in diefer Richtung fchon Mancherlei gefchehen; fo z. B. erblickten wir in Sachfen ein Tableau der deutfchen Könige bis auf Kaifer Wilhelm; 200 Bild­niffe und Lebensabriffe berühmter deutfcher Männer; die deutfche Gefchichte und