Dokument 
Unterricht in der Geschichte : (Theilbericht der Gruppe XXVI) ; Bericht / von Emanuel Hannak, Director des Landes-Proseminars in Wiener-Neustadt
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen

24

Dr Emanuel Hannak.

Oefterreichiſch- ungarifche Monarchie.

Oefterreich.

Der Gefchichtsunterricht nahm in Oefterreich fchon durch die Verfassungs änderung im Jahre 1861, namentlich aber durch die im Gefolge der December verfaffung vom Jahre 1867 erfchienene neue Volksfchul- Gefetzgebung vom 14. Mai 1869 einen gewaltigen Auffchwung.

Vorher war er von den Volks- und Bürgerfchulen und den Lehrerbildungs­anftalten faft ganz ausgefchloffen, und an den Mittelfchulen, wo er aufgenommen war, wurde er ungern gelitten oder dazu beftimmt, den Zwecken der Reaction zu dienen.

Seitdem aber nach dem Sturze Hohenwart's das conftitutionelle Leben fich feftigte und die Schule von dem Einfluffe der Kirche emancipirt wurde, gewann der Gefchichtsunterricht eine erhöhte Bedeutung und zeigte fich auf diefem Gebiete ein erfreulicher Fortfchritt. Ehe zur Befprechung der Methode und Hilfsmittel für diefen Zweig des Unterrichtes gefchritten wird, möge noch der Ungleich­mäfsigkeit der Schulverhälniffe in dem vielfprachigen Oefterreich gedacht werden, in welchem fich aber trotz allem Ungleichartigen etwas Gemeinfames, nämlich der prädominirende Einflufs des deutfchen Bildungswefens nachweifen läfst.

Volks- und Bürgerfchulen.

Durch die neuen Volksfchulgefetze ift in den Volks- und Bürger­fchulen die Gefchichte im Allgemeinen, aber insbefondere die des Vaterlandes in den Lehrplan aufgenommen, ja für die Bürgerschulen wurde mit Erlafs vom 20.Auguft 1870 ein fyftematifcher Lehrgang fvorgefchrieben. In dem 1. Jahre find die wich­tigften Culturerfcheinungen des Alterthums, in dem 2. Gefchiche des Mittelalters mit befonderer Berücksichtigung der vaterländifchen Gefchichte und im 3. Gefchichte der Neuzeit befonders der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie zu behandeln.

Die Art und Weife der Behandlung ift aber eine verfchiedene. Zum Theile wird kein befonderes Lehrbuch für diefen Gegenftand gebraucht und das Wiffenswürdigfte aus der Gefchichte im Anfchluffe an die Lefebücher gelehrt. Es mufs conftatirt werden, dafs nicht blofs die in der letzten Zeit erfchienenen Lehrbücher von Mair, Niedergefäfs, Binftorfer, Deinhardt und Jeffen, Jacobi und Mehl die Hiftorie reichlich bedachten, fondern dafs auch der k. k. Schulbücher­verlag in feinen Lehrbüchern dem neuen Bedürfniffe Rechnung trug und nament­lich in das 4. Lehrbuch in Gefchichtsbildern eine faft vollſtändige Gefchichte Oefterreichs aufnahm.

Doch find in der letzten Zeit auch befondere Lehrbücher der allge meinen und öfterreichifchen Gefchichte entftanden. Solcher Art find der Leit­faden zur Gefchichte der Culturvölker des Alterthums von J. Ziegl Wien 1868, desfelben Verfaffers Leitfaden zur Gefchichte der älteften Völker Europas Wien 1869 und Leitfaden für öfterreichifche Gefchichte Wien 1870; dann der Leit­faden bei dem erften Unterrichte in der Weltgefchichte von Dr. E. Netoliczka, Wien 1872 und desfelben Verfaffers Gefchichte der öfterreichiſch- ungarifchen Monarchie in 2. Auflage, Wien 1873,- Grundrifs der Weltgefchichte von K. Schubert 2. Auflage, Wien 1871,- Biographifche Bilder aus der Welt­gefchichte von M. Stein, Wien 1873, Gefchichte Oefterreich- Ungarns von C. Markus und das( wie Schubert) zunächft für Bürgerfchulen berechnete Werk von W. Ernft, Lehrbuch der Weltgefchichte von dem bisher der 1. Band, der das Alterthum umfafst, erfchienen ift. Neben den genannten öfterreichifchen Werken ſtehen auch die für Mittelfchulen. beſtimmten Lehrbücher von Gindely und Hannak, fowie Deutfchland erfchienene Leitfäden zum Beiſpiel Welter, Spiefs& Berlet namentlich an Bürger­fchulen in Gebrauch.

in

-