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Musikalische Lehrmittel und das musikalische Erziehungs- und Bildungswesen : (Theilbericht der Gruppe XXVI) ; Bericht / von Rudolf Weinwurm, Prof. an der k.k. Lehrerinen-Bildungsanst. zu St. Anna
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Mufikalifche Lehrmittel.

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erfcheinen dem Referenten als das vorzüglichfte Werk dieter Art. Die fchönen, aufserordentlich billigen und dabei vollſtändigen Ausgaben der Chorwerke Schubert's aus dem Verlage von Peters haben lange fchon die Anerkennung des Publicums erworden. Unter den Clavierwerken haben wir die bekannten Werke eines Czerny, Bertini, Köhler, Clementi, Cramer gefunden, über deren Werth zu fprechen wohl überflüffig wäre. Die Claffiker Haydn, Mozart, Beethoven, Weber, Schubert waren vertreten durch die grofse und aufser­ordentlich werthvolle inftructive Ausgabe claffifcher Clavierwerke" aus dem Verlage Cotta in Stuttgart. Diefe Ausgabe, an welcher bekanntlich Liszt, Bülow, Faifst und mehrere andere hervorragende Künftler mitgearbeitet haben, ift eines der fchönften Denkmäler deutfchen Kunftfinnes und wird überall unent­behrlich fein, wo es fich nebft kunftgerechter Ausführung der Tonwerke um das geiftige Verftändnifs derfelben handelt. Ausserdem fand fich auch die unter dem Namen Leuckart's Hausmu fik" bekannte vortreffliche Sammlung claffifcher Inftrumentalwerke im vierhändigen Arrangement. Die in den weiteren Gebieten noch aufgezählten Werke find fchon durch ihren Titel hinlänglich charakterifirt. Zu bemerken ift nur noch, dafs in allen Gebieten für die erften Stadien des Unterrichtes mehrere Werke angeführt worden find, theils um der fo verfchieden­artigen natürlichen Begabung und der damit zufammenhängenden pädagogifchen Auswahl, theils um der nothwendigen Rückficht auf den Maffenunterricht in der Schule oder den Einzelunterricht in der Familie Rechnung zu tragen. An mufika­lifchen Inftrumenten waren vorfindlich: ein kleines Harmonium( älterer Art) und eine Violine im Schulzimmer, letztere von der Firma Lemböck in Wien, und in der Wohnung des Lehrers ein fehr fchönes Pianino aus der Fabrik des Herrn Ehrbar in Wien. Letztere Firma geht dem Vernehmen nach eben daran, die Fabrication eigener aufserordentlich billiger und folider Schulinftru­mente in Angriff zu nehmen.

Eine weitere Art der Betheiligung Oefterreichs und fpeciell Wiens an der Weltausftellung, die während des Zeitraumes derfelben hier ftattgefundenen Auf­führungen, liegen aufser dem Bereiche unferer Befprechung. Sie waren und find allerdings, wie hier nur kurz bemerkt werden foll, geeignet, ein anfchauliches Bild der Pflege der Tonkunft zu geben und der Kaiferftadt Wien den Ruf zu wahren, welchen fie feit Langem als eine der erften und bedeutendften Mufikftädte der Welt geniefst.

Ungarn.

Der Auffchwung, der fich in der neueften Zeit in Ungarn auf allen Unterrichts­gebieten kundgibt, wird auch die erfreulichften Folgen für das muſikaliſche Gebiet herbeiführen. Ein anfchauliches Bild diefes Auffchwunges gibt der Bericht des königlich ungarifchen Minifteriums für Cultus und Unterricht" an den( ungarifchen) Reichstag über den Zuftand des öffentlichen Unterrichtes in den Jahren 1870 und 1871, welcher die für die Weltausftellung zufammengeftellte Col­lectivausftellung im Unterrichtsfache illuftrirt. Der Bericht widmet der Mufik und dem Mufikunterrichte ein eigenes, wenn auch fehr kurzes Capitel, dem wir einige bemerkenswerthe Angaben entnehmen. Seit dem Jahre 1868 ift für die Elementar­und Bürgerfchulen Gefang, für die Lehrer- Bildungsanftalten Gefang und Mufik als obligatorifcher Lehrgegenftand erklärt, und die Regierung läfst es fich ange­legen fein, dafür zu forgen, dafs diefe Lehrgegenftände nicht nur im Lehrplan figuriren, fondern dafs die Jugend in denfelben auch wirklich gebildet und durch diefe Schulerziehung der edlere Gefang und die edlere Mufik im Volke verall­gemeinert werde". Es fehlte bis dahin an geeigneten Lehrmitteln in ungarischer die Regierung veranlafste ihre Abfafsung- es fehlte ferner an den

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