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Armand Freiherr von Dumreicher.
Hunderten von Schulen gepflegten Zeichenunterrichtes vorbereitet werden. Zeichnungen, welche hievon einen günftigen Begriff gaben, hatten die Seminare zu Efslingen und zu Gmünd ausgeftellt. Diefe Zeichnungen waren nach durchaus gut gewählten Vorlagen mit geübter Hand gemacht; erfreulicher wäre es freilich, wenn bei diefem meift elementaren Unterrichte Vorlagen gar nicht mehr oder doch in viel befchränkterem Mafse, als diefs an den genannten Anftalten der Fall zu fein fcheint, in Verwendung kämen.
Uebrigens drängte fich wohl jedem fachkundigen Befucher der württembergifchen Unterrichtsausftellung die Wahrnehmung auf, dafs in diefem Lande der im Zeichenunterrichte zu Tage tretende Gefchmack fo weit ein ganz guter ift, als diefer Unterricht fich auf elementare Gegenftände befchränkt, dafs er aber defto mehr zu wünfchen übrig läfst, je bedeutender feine Aufgaben werden und mitunter eben dann ganz vermifst wird, wann eine Arbeit kunftgewerblicher Art ihn am meiften fordert.
Der Unterricht im Freihand- Zeichnen beginnt an den württembergifchen Schulen mit den auch aufserhalb des Landes fehr verbreiteten, tüchtigen Herdtle' fchen Vorlagen. Hierauf wird zum Zeichnen nach plaftifchen, geometrifchen Modellen übergegangen und fchliefslich das Arbeiten nach Gypsornamenten in Angriff genommen. Für Lehrmittel hat die Regierung reichliche Vorforge getrof fen durch Herausgabe der bereits erwähnten Herdtle'fchen Vorlageblätter( edirt von der königlichen Commiffion für die gewerblichen Fortbildungsfchulen) und durch Anfertigung von über 400 Gypsmodellen von geometrifchen Formen, Ornamenten, Pflanzen und figürlichen Objecten( aus der Modelliranftalt der könig lichen Centralftelle für Gewerbe und Handel). Soweit mit Benützung diefer Lehrmittel an den Schulen gearbeitet wird, erzielt der Unterricht fehr achtbare Refultate, nur die zu grofse Zeitverfchwendung, welche eine die Lithographie imitirende Manier bedingt, mufs bei den Arbeiten nach Gyps bedauert werden, da das Bildchenmachen" mit den Zwecken der Schule nichts zu thun hat. Wenn auf den bisher erwähnten Stufen des Zeichenunterrichtes im Allgemeinen Befriedigendes geleiftet wird, fo nimmt aber leider die Tüchtigkeit der Arbeiten durchgängig ab, je directere Beziehung zur gewerblichen Praxis fie haben.
Eine Auswahl aus den Leiftungen von 53 Fortbildungsfchulen, welche die„ königliche Commiffion für gewerbliche Fortbildungsfchulen" in Stuttgart vorgeführt hatte, lieferte nach folcher Richtung zahlreiche Belege.
Aufser Freihand, Linear- und Fachzeichnungen enthielt diefe Expofition auch Modellirarbeiten, Decorationsmalereien, Holz- und Elfenbein- Schnitzereien und Steinhauer- Arbeiten. An der überwiegenden Mehrzahl der erwähnten Objecte war von Einflüffen der nun feit einem Jahrzehnt in Deutfchland in Flufs gekommenen Gefchmacksreform nur fehr wenig zu bemerken. Vielmehr herrfchte eine veraltete, willkürliche, häufig rein naturaliftifche Richtung vor und der Gefchmack der Franzofen, wie er vor fechs und mehr Jahren war, jedoch ohne die Grazie der Franzofen, fchien häufiger mafsgebend gewefen zu fein, als es für Württembergs gewerbliche Entwicklung erwünſcht fein kann.
Die meiften Entwürfe von Möbeln und anderen Geräthen des Haufes wie faft alle Arbeiten in Holz zeigten eine unfchöne Plumpheit und Starrheit; die Decorationsarbeiten wiefen häufig grelle und unvermittelte Farbenzufammenftellungen und eine der Anmuth entbehrende Härte der Linien auf; naturaliftifche Blumen erfchienen als beliebtefter Schmuck der verfchiedenften Gegenftände und auch das eine und andere gefucht fcherzhafte Motiv bezeugte das Vorhandenfein eines anderwärts in Deutfchland im Schwinden begriffenen Ungefchmackes.
So hatte die Schule in Rottweil ein riefiges, mit Kreide ftärkft fchattirtes, ganz graufchwarz gehaltenes Blumenftück mit einem fchweren, überaus plump gearbeiteten, dunkelbraunen Holzrahmen umgeben und damit eine an und für fich abfcheuliche, befonders aber der fpeciellen Natur des Gegenftandes in erftaunlicher Weife widerfprechende, düftere Wirkung hervorgebracht. Dieielbe