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Das gewerbliche Unterrichtswesen : (Gruppe XXVI, Section 4) ; Bericht / von Armand von Dumreicher
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Das gewerbliche Unterrichtswefen.

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Keineswegs kann aber die mächtige Entwicklung der Grofsinduftrie einiger Hauptplätze focial und ftaatlich erfetzen, was dem Volke in feinen breiteften Schichten an felbftftändigen Exiſtenzen verloren gegangen ift.

Was zunächft den Rückgang in der Claffe der kleineren Unternehmer betrifft, fo erklärt es fich aus dem Zuftande unferes gewerblichen Unterrichts­wefens nur allzuleicht, warum derfelbe in Oefterreich noch auffälliger in die Erfcheinung tritt als in anderen betriebfamen Ländern, in welchen ja auch die. meiften der die Grofsinduftrie einfeitig begünftigenden Productionsfactoren mächtig genug wirken. Denn einer diefer Factoren wenigftens, die Benützung der von der fortfchreitenden Wiffenfchaft gebotenen Hilfs­mittel, fteht anderwärts nicht in gleichem Mafse im Alleinbefitze der Grofs­induftrie wie in Oefterreich. Diefes Oefterreich, welches doch im Beginne des XIX. Jahrhundertes allen Staaten des deutfchen Culturgebietes mit der Gründung polytechnifcher Lehranstalten für den höheren Gewerbebetrieb vorangegangen war, unterliefs es, von einem unbedeutenden Anfatze in den vierziger Jahren abge­fehen, bis in die neuefte Zeit, fein gewerbliches Unterrichtsfyftem nach unten aus­zubauen, und erzog daher feiner Induftrie einzig eine naturgemäfs wenig zahl­reiche Claffe wiffenfchaftlich gebildeter Arbeiter, fo dafs fein Gewerbeftand zu einem Heere von Officieren und Mannfchaften, aber ohne Unterofficiere wurde. Und ein tüchtiges Unterofficiers- Corps vor Allem gibt der Armee ihr feftes Gefüge.

In jüngfter Zeit ift die Lücke im gewerblichen Unterrichtsorganismus noch empfindlicher geworden, da eine längft erwünſchte Reform nunmehr der öfter­reichifchen Realfchule den reinen und ausfchliefslichen Charakter einer Vorbereitungsanftalt für die technifche Hochfchule gegeben hat. An unmittelbar verwendbaren Berufskenntniffen bietet daher die Realfchule jetzt natürlich noch weniger als früher, an allgemeiner Bildung dagegen mehr, als der unbemittelte Praktiker, dem die für den Schulbefuch gefparte Zeit Geld ift, in feinem Handwerke zu verwerthen vermag.

Es erfcheint fomit als unabweisbar, dafs dem ftrebfameren Arbeiter und Gehilfen wie auch dem gereifteren Lehrlinge eine Schule geboten werde, an welcher das einem oder mehreren verwandten Gewerben zu Grunde liegende berufliche Wiffen mit Einfchlufs der vor­bereitenden Hilfskenntniffe und des Zeichnens in einer Aus­dehnung gelehrt wird, wie fie der heutige Gefchäftsbetrieb verlangt.

Eine folche mittlere Gewerbefchule wird, wenn fie ihr Ziel erreichen foll: ihre Schüler für mittlere Stellungen im Gewerbeleben als Werkmeifter, Werkführer, kleinere felbftftändige Unternehmer, Monteurs, Bau- und Mafchinen­zeichner u. A. m. zu bilden, der Ertheilung täglichen und ganztägigen, auf das knappfte und praktifchefte eingerichteten, übrigens meiftens auf die Wintermonate befchränkten Unterrichtes nicht entrathen können; ihr Publicum wird fie in den Söhnen der minder wohlhabenden Gewerbsleute und in fparfamen, auf­ftrebenden Arbeitern finden, welche von ihrem Arbeitslohne die Koften ihres Unterhaltes während der Dauer des Curfes und das( erfahrungsgemäfs anfpornend wirkende) Schulgeld erübrigt haben; ihr Vorbild endlich wird fie hinfichtlich der Organifation und der Unterrichtsmethode in den Gewerbefchulen Deutfch­lands fuchen, welche bereits auf eine nach vier Decennien zählende Entwicklung zurückblicken.

In den letzten Jahren ift denn auch die Einficht von der Nothwendigkeit folcher neuer Schöpfungen in Oefterreich zum Durchbruche gekommen. Der im Jahre 1865 in Wien nach dem Mufter der Anftalten in Holzminden und Nienburg gegründeten Märtens' fchen Baugewerks- Schule wurde durch die Gewährung von Subventionen von Seite des Staates ein erweiterter Wirkungskreis eröffnet, defs­gleichen auch der Prager Gewerbefchule. Im Jahre 1870 erfolgte fodann die Aus­