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Das gewerbliche Unterrichtswesen : (Gruppe XXVI, Section 4) ; Bericht / von Armand von Dumreicher
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Das gewerbliche Unterrichtswefen..

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Da läfst fich denn freilich die Thatfache fchwer befchönigen, dafs eine geringe Zahl faft die Minderzahl der Schulen bisher den Anfprüchen genügt, welche in folcher Beziehung unerbittlich an fie geftellt werden müffen, ja dafs fogar mehr als eine Schule ihre Zöglinge zur Verfertigung von Gefchmacklofigkeiten anleitet, welchen feinerzeit alles Anrecht auf ein Plätzchen in der in London beftandenen chamber of horors zugekommen wäre. Das ift die werthvolle Lehre der Ausstellung. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, fo wird fie keine verlorene fein. Solcher Hoffnung darf man fich um fo eher hingeben, als der Regierung eine in Dingen der praktifchen Verwaltung fo feltene Gunft der Verhältniffe zu Statten kömmt, in Folge deren fich hier die idealen und die realen Intereffen voll­ftändig decken; denn, wenn es einerfeits wahr ift, dafs die Gefchmackserziehung den Kern der Frage bildet, und wenn anderfeits die Thatfache feftfteht, dafs die moderne europäifche Kunftinduftrie in eine Epoche fich aufwärts bewegender Entwicklung eingetreten ift, fo trifft für die Adminiftration des gewerblichen Fach­fchul- Wefens der künftlerifche mit dem national- ökonomifchen Gefichts­punkte genau zufammen, da es dann zweifellos erfcheint, dafs die Tüchtigkeit der Gefchmacksbildung der Gewerbetreibenden die Rolle beftimmt, welche die Webe­Glas, Thon, Holz. etc. Induftrie auf dem Markte fpielen wird.

Dafs die Dinge fich wirklich fo verhalten, ift auch bereits durch die Erfah­rung erwiefen, indem der Weltruf, den fich die Wiener Kunftinduftrie in kurzer Zeit erworben hat, auf Rechnung der reformatorifchen Einflüffe zu ftehen kommt, welche in Wien auf den Gefchmack der Gewerbsleute fich geltend gemacht haben. Diefe erfolggekrönten Wiener Beftrebungen haben einem Theile der öfterreichi­fchen Induftrie einen ihm eigenthümlichen Charakter aufgeprägt, und auf der Befonderheit diefes Charakers beruht die Concurrenzkraft der betreffen­den Gewerbszweige auf dem Weltmarkte. Die ganze Entwicklung treibt darum naturgemäfs darauf hin, nunmehr, der Gefammtheit der hier in Betracht kommen­den öfterreichifchen Gewerbserzeugniffe diefen Charakter mitzutheilen und auch die bisher unbeeinflufsten Gebiete des Reiches in die vom Centrum ausgehende kunftinduftrielle Bewegung hinein zu ziehen.

Fachſchulen, welche man in den Provinzen errichtet, fiele fomit als wich­tigfte Aufgabe die bahnbrechende Uebertragung der in der Hauptftadt bewährten Tendenzen in alle entfernteren Induftriegegenden und die Erziehung des heran wachfenden Gefchlechtes im Geifte der Reform zu. Gegenwärtig aber arbeitet die Mehrzahl der Fachfchulen in den Provinzen, indem fie den Gefchmack der Jugend in ausgelebten Stilrichtungen und in geiftiger Abhängigkeit vom Auslande erzieht, und der aufwachfenden Generation in einem Fache veraltete Mufter und Formen franzöfifcher, in einem anderen den platten Naturalismus fchweizerifcher Induſtrie als einzige ideelle Nahrung zuführt, den von Wien ausgehenden Beftrebungen geradezu entgegen, fo dafs befürchtet werden mufs, dafs Selbftftändigkeit, Auf­fchwung und Zukunft des öfterreichifchen Kunstgewerbes durch den Beftand mehrerer diefer Schulen eher gefchädigt als gefördert werden.

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Es heifst das Wefen geiftigen Schaffens verkennen, Probleme löfen zu wollen, bevor man fie noch correct aufgeftellt hat. Eine Formulirung des Problems, wie fie in den obigen Ausführungen verfucht worden ift, fcheint leider nicht mit voller Präcifion ftattgefunden zu haben, ehe die Organiſation der öfterreichischen gewerblichen Fachfchulen trotz des empfindlichen Mangels an für diefe befon­deren pädagogifchen Zwecke vorgebildeten Lehrern in grofsartigem Mafsftabe in Angriff genommen wurde. Doch haben fich die realen Verhältniffe fofort von felbft geltend gemacht und es kann conftatirt werden, dafs die Regierung den felben alsbald, foviel in ihrer Macht ftand, mit Energie und Einficht Rechnung zu tragen fuchte. So wurden im Auftrage der Staatsleitung durch Vermittlung des Mufeums für Kunft und Induftrie in Wien den meiften Fachfchulen tüchtige Vor­lagewerke zugewendet, zu deren Anfchaffung theils das Handelsminifterium, theils das Unterrichtsminifterium bedeutende Summen widmete. Ferner trug und trägt