Dokument 
Landwirthschaftliche Lehre und Forschung : (Gruppe XXVI, Section 4) ; Bericht / von C. Theodor von Gohren, Director der landwirth. Lehranst. "Francisco Josephinum" in Mödling bei Wien
Entstehung
Seite
33
Einzelbild herunterladen

Landwirthfchaftliche Lehre und Forfchung.

33

Lehranstalten Tabor und Liebwerd. Während Tabor nur mit landwirth­fchaftlichen Producten bei der Collectivausftellung des Königreiches Böhmen betheiligt war, hatte die Landes- Lehranftalt Lieb werd ein feparate Aus­ftellung arrangirt. Das Material war ein ziemlich reichhaltiges, wenn auch hie und da manches in gar zu kleinen Quantitäten zur Anfchauung gebracht wurde.

Liebwerd( 1850 als Ackerbau- Schule gegründet, 1856 zu einer höhe­ren landwirthschaftlichen Lehranftalt erweitert, 1866 zur Landes- Lehranstalt erwählt) ift eine Schöpfung des verdienftvollen A. E. Ritter von Komers und fteht gegenwärtig unter der oberften Leitung eines eigenen Curatoriums. Es wirken an der Anftalt 5 ordentliche Lehrer, 3 Adjuncten und 8 aufserordent­liche Lehrer. Im Schuljahre 1872/73 ftudirten an der Anftalt 88 Hörer. Die jähr­liche Dotation des Landes beträgt 12.000 fl. An Brochuren lagen auf: Gefchichtliche Entwicklung und ftatiftifche Darstellung der Anftalt vom Jahre der Gründung an. Diefe vom Profeffor A. A. Schmied mit grofsem Fleifse und inniger Pietät bear­beitete Schilderung ift unftreitig ein werthvoller Beitrag für die Gefchichte der Entwicklung des landwirthschaftlichen Unterrichtes in Oefterreich überhaupt. Die Organiſation der Anftalt vom Localvorftande Dörre; Darftellung der Verhältniffe der Inftitutswirthfchaft, mit fünf lithographirten und theilweife colorirten Plänen vom Docenten A. Bucek verfafst; Generalkatalog fämmtlicher Lehrmittel und Lehrbehelfe, der leider von einer Fülle von Druckfehlern wimmelt( Andlipite, Agitokl, Exikator, Bansen, Söfftröm. Schaalenantirung, Baccau Lauri u. f. w. in infinitum); das Unterrichtsprogramm der Anftalt; das organifche Statut; Jahres­berichte feit dem Jahre 1866; die Statuten der an der Anftalt beftehenden frei­willigen Feuerwehr; die Lehrbücher, Leitfäden der Anftalt und die literarifchen Arbeiten der gewefenen und jetzigen Docenten. An Bildern, Photographien und Plänen waren zu finden: Zwei Anfichten von Liebwerd; photographifche Anfichten der Anftalt und deren Räumlichkeiten; Situationsplan von Liebwerd; Pläne der Anftaltsgebäude; Culturpläne der Anftaltsökonomie vom Jahre 1850 und 1870; Pläne des botanifchen Gartens, der Gehölz- und Baumfchulen; Pläne der Ver­fuchsfelder, des Gemüfegartens, fowie Meliorationspläne der Anftaltsökonomie; An Ueberfichten, Tabellen und Zeichnungen, graphifchen Darftellungen waren ausgeftellt: Ueberficht der Unterrichtsftunden- Eintheilung für die drei Jahrgänge ( einer Revifion dringend bedürftig); Ueberficht der an der Anftalt aufliegenden Fachfchriften; graphifche Darftellung der chemifchen Zufammenfetzung der bei der landwirthfchaftlichen technifchen Induftrie verwendeten Rohftoffe und der daraus gewonnenen Producte. Als Repräfentanten der Unterrichtsmittel hatte die Anftalt exponirt: Eine Sammlung der Bodenarten der Inftitutswirthschaft und die Darftellung von deren mechanifcher Analyfe( viel zu fehr ,, en miniature" um eine verftändliche Anfchauung zu ermöglichen); Zufammenftellung der auf der Domäne Tetfchen cultivirten Obftforten( verwendet war das bekannte Arnoldifche Obft­cabinet); Darftellung der im Rayon der Inftitutswirthschaft und im Bezirke Tetfchen vorkommenden Krankheiten der Obftbäume, fowie natürliche Darftellung aller Veredlungsarten der Obftbäume und der dabei in Anwendung kommenden Werk­zeuge( jedenfalls eine fehr verdienftliche Arbeit vom Obergärtner Herrn Jofst, die auch mit der Fortfchrittsmedaille belohnt wurde); Sammlung der bei der Zucker­fabrication, Bierbrauerei, Spiritusfabrication und Mühlinduftrie zur Verwendung kommenden Rohftoffe und der daraus erzeugten Fabrikate und Abfälle( theilweife fo liliputanifch, dafs der Zweck verfehlt werden mufste); endlich eine Collection der verfchiedenen in der Anftaltsökonomie geernteten Sämereien.

Ein befonderer Vorzug der Liebwerder Ausftellung war, dafs fie auch Schülerarbeiten zur Einficht und Prüfung brachte. Freilich beffer wäre es gewefen, wenn man nicht nur vereinzelte herausgegriffen, fondern fämmtliche Arbeiten eines Jahrganges gute und fchlechte vorgelegt hätte. Aus drei fehr fchön gefchriebenen Tagebüchern läfst fich kein Urtheil fchöpfen über die Leiſtungen

-

3*