32
Dr. C. Theodor von Gohren.
den Bedürfniffe abhelfen würde, das einzige, aber auch unentbehrlich nothwendige Surrogat für die landwirthfchaftliche Schule bilden wird".
Es fei bemerkt, dafs das neue öfterreichische Reichs- Schulgefetz von den Lehrer- Bildungsanftalten auch den Unterricht in der„ LandwirthschaftsLehre mit befonderer Rückficht auf die Bodenverhältniffe des Landes" verlangt und anordnet, dafs in Landgemeinden nach Thunlichkeit eine Anlage für landwirthschaftliche Verfuchszwecke zu befchaffen ift. Manchem dürfte es vielleicht unbekannt fein, dafs die Gefetzgebung Ungarns die erfte in Europa war, welche den Schulgarten als integrirenden Beftandtheil der Volksfchule einführte. Um auch den aus den Seminarien früher ausgetretenen VolksfchulLehrern die Ertheilung landwirthschaftlichen Fortbildungsunterrichtes zu ermöglichen, hat das k. k. Ackerbau- Minifterium feit einigen Jahren in den einzelnen Kronländern landwirthschaftliche Lehrercurfe abhalten laffen. Die öfterreichifchen landwirthschaftlichen Fortbildungsfchulen waren auf der Weltausftellung nicht vertreten, noch find fie zu neuen Datums und noch zu wenig in Fleiſch und Blut der Bevölkerung übergegangen, um greifbare Refultate bieten zu können.
Das Inftitut der Wanderlehrer möglichft zu verallgemeinern ift man in Oefterreich feitens der Regierung und der landwirthfchaftlichen Kreife redlich beftrebt. Leider macht fich aber wie in anderen Ländern auch- ein Mangel zu diefer fchweren Aufgabe geeigneter Perfönlichkeiten recht fühlbar. Von den öfterreichifchen Ackerbau- Schulen waren auf der Weltausftellung nur fehr wenige vertreten, und von den wenigen die meiſten, wie Kaaden in Böhmen, Eibenfchitz in Mähren, Grottenhof in Steiermark, nur durch landwirthschaftliche Producte bei den diverfen Collectivausftellungen. So hatte Kaaden( gegründet 1862, zwei Jahrgänge, 5 Lehrer, 35 Schüler) ausgeftellt: Wunderweizen, Wicken, Erbfen, Hirfe, Ackerfpörgel, blaue und gelbe Lupinen, Hafer, vier Arten Gerfte, Hopfen, Seide und eine kleine Sammlung von Gefteinen und Bodenarten. Eibenfchitz( gegründet 1866, 13 Schüler, 6 Lehrer): Ruffifchen Sommerroggen( mit Analyfe von Profeffor Schwackhöfer), mit Stroh, Wurzeln, Körnern und Brot; Kartoffeln mit Kraut, Wurzeln und Knollen und die fämmtlichen Modelle der an der Eibenfchitzer Schulwirthfchaft gebrauchten landwirthschaftlichen Geräthe und Mafchinen. Grottenhof: Getreide- Arten; Flachs und Hanf bereitet mit Wafferröfte und nach belgifcher Methode mit Mafchinen gehechelt und gefchwungen und Pläne der Anftaltswirthschaft nebft deren Befchreibung.
Am reichften war unftreitig die Acker- und FlachsbereitungsSchule in Mährifch Schönberg( gegründet 1867, zwei Jahrgänge, 5 Lehrer, 14 Schüler) vertreten, fie hatte exponirt: ein treffliches Herbarium der vorzüglichften den Boden charakterifirenden Pflanzen und zwar die Flora des Thon, Lehm-, Sand-, Torf- und Kalkbodens; des naffen, feuchten und trockenen Bodens in zwölf Bildern. Ferner Halmgetreide in Aehren und Körnern, Leinfamen, Leinftengel mit Knoten- geboldelt, geröftet, gefchwungen und gehechelt; 200 Samengattungen in Gläfern, zum gröfsten Theile geerntet vom Verfuchsfelde der Ackerbaufchule; die geognoftifchen und oryktognoftifchen Mineralien der Umgebung von Mährifch- Schönberg; die dort gebräuchlichen Handgeräthe; die Handgeräthe zur Flachsbereitung in Modell und natürlicher Gröfse als: Riffelbank, belgifcher Schwingftock, Schwingbeil und Schabmeffer; Modell einer Röftgrube; Tableaux von den Culturpflanzen fchädlichen Infecten; agriculturbotanifche Modelle( Brendel).
Die Privat- Ackerbaufchule des Fürften Schwarzenberg in Rabin hatte im Schwarzenberg Pavillon ausgeftellt die Statuten, Programm und Unterrichtsplan der Schule nebft einer Anzahl Tagebücher der Schüler.
Die mittleren und höheren landwirthfchaftlichen Lehranft alten fanden ihre Vertretung durch die beiden böhmifchen Landes