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Anlage, Einrichtung und Lehrmittel der Volks- und Mittelschule (Gruppe XXVI, Section 2/3) : Bericht / von Erasmus Schwab ..
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Schulbauten und Einrichtungen.

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Die fonft auf der Ausftellung vertretenen Subfellien boten nichts wefent­lich Neues und berechtigen nicht zur felbftftändigen Befprechung. Unter den Zeichentifchen, für welche fich wohl wegen des Geldpunktes fchwer eine allgemein giltige Form wird finden laffen, mögen die fchönen einfitzigen Zeichentifche von Flinzer in Leipzig erwähnt werden, welche fehr bequem, zweckmässig und dabei gefällig find.

Sonftige Schuleinrichtungs- Stücke.

Von harten Schultafeln waren nicht allein mehr oder minder zweckmäfsige Tafeln aus Holz ausgeftellt, darunter fehr leicht bewegliche mit einem Gegen­gewichte, fondern auch Tafeln aus Schiefer, um eine horizontale Achfe drehbar, und neuefter Zeit beiſpielsweife auch in den Schulen am Rhein als fehr zweck­mäfsig gerne gefehen, endlich aus Belgien eine dunkle Tafel aus Glas.

Weiche Tafeln waren und zwar aus Patent- Schiefertuch von Groll in Hernals bei Wien ausgeftellt, und haben als leicht und dauerhaft fich bereits bewährt; diefe Tafeln werden auch als rotirende( mit Rollenaufzug ohne Ende) erzeugt von Hieber in Tattendorf bei Baden( Niederöfterreich).

In guten öfterreichifchen Schulen ift bereits neben der harten Tafel die weiche eingeftellt, welche mit einem Stücke alten Rehleders oder einer Bürfte aus Wolle trocken abgerieben wird und den Kindern eine leichte Hand fichert.

Von den Lern- und Lehrmittel- Kaften für Volksfchulen müffen die des fchwedifchen und öfterreichifchen Schulhaufes, von den Lehrmittel- Kaften für Naturgefchichte jene des Leopoldftädter Communalgymnafiums in Wien, welche nur die Rückwand aus Holz hatten, genannt werden.

Für fonftige Einrichtungsftücke war manches zu lernen in der Aus­ftellung der Holz- und Baufabrik von Bahfe& Händel in Chemnitz( z. B. Kleiderfchränke für Schulen mit Rollen) dann in der öfterreichifchen Mufter­fchule, von welcher bekanntlich zehn Detailpläne um einen Spottpreis beim Comité der Schulfreunde" in Wien zu haben find. In diefer Schule waren alle. Stücke bis zum Spucknapf herab ftiliftifch fchön, zweckmäfsig und wohlfeil.

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Als ein fehr beachtenswerthes Stück der grofsartigen öffentlichen Arbeit in Paris mufs das Magasin scolaire gerühmt werden, welches Riefengebäude in einem fchönen Modelle ausgeftellt war und allen Grofsftädten zur Beherzigung empfohlen werden mufs. Die zahlreichen Räume des Haufes dienen theils zur Erzeugung, theils zur Aufbewahrung der für die Schulen von Paris nothwendigen Lehrmittel und Einrichtungsgegenstände. Bücher, Globen, Sculpturen, Vorlagen­werke find in diefer reichhaltigen Centrale aufgeftapelt, aber auch die Arbeiten des Schloffers und Tifchlers bis herab zu den geringften Reinigungsapparaten. Alles ift mit grofser Sorgfalt ausgeführt, im Gegenfatze zu jenen mitteleuropäifchen Schulen, deren Einrichtungsftücke von den Gemeinden an den Mindeftbietenden hintangegeben werden und fich fchliefslich wegen der geringeren Haltbarkeit als recht theuer herausftellen.

Schlufswort.

Denkt man an die Parifer Ausftellung von 1867 zurück und fragt man, welcher Staat auf der Wiener Weltausftellung den gröfsten Fortfchritt in Bezug auf Schulbauten und Einrichtung der Schulen nachgewiefen hat, fo mufs das Urtheil entfchieden zu Gunften Oefterreichs ausfallen. Aus Oefterreich wurde die einzige wirkliche Schule ausgeftellt, welche die fanitären Forderungen nach allen Richtungen vor Augen hatte und einen grofsen Erziehungsgedanken durch­zuführen verfuchte. So elegant das Ausftellungsobject Schwedens war, fo einfach, gefällig und im Wefentlichen zweckmäfsig erwies fich was Oefterreich vorführte, das noch vor Kurzem Deutfchlands Schüler war und keineswegs daran denkt fich