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Allgemeine Bildungsmittel : (Gruppe XXVI, Section 6) ; Bericht / von Rudolf Lechner, Alfred Klaar, Carl Th. Richter
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Der deutfche und öfterreichifch- ungarifche Verlagsbuchhandel.

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An Gefchmack übertreffen uns die Franzofen, durch Verwendung ungleich befferen Papiers die Engländer. Die Franzofen produciren Prachtwerke, wie Hachette's Evangiles, deren Herftellung über eine Million Francs gekoftet haben foll, wie Doré's Bibel und Doré's Dante etc.; Prachtwerke von fo koftfpieliger Art der Herftellung entbehren wir. Dagegen find wir reicher als irgend ein Volk an Prachtwerken mittleren Umfanges und fchönen Luxusausgaben der Lieblingswerke unferer Dichter, in gefchmackvoller Ausftattung zur Zierde des Salontifches.

In der literarifchen Production fpiegelt fich wie fonft nirgends das Wefen und der Charakter eines Volkes. Das deutfche Volk, welches ein ungemein aus­gebildetes Familienleben hat, befitzt auch eine ebenfo ausgebildete Literatur für dasfelbe. Familienjournale von der Gediegenheit und koloffalen Verbreitung der Gartenlaube, des Daheim, der Illuftrirten Welt, des Ueber Land und Meer und unzähliger anderer gibt es fonft nirgends. So gediegenes und zahlreiches Material für die Kinderftube, fo vortreffliche und unzählige Befchäftigungsmittel, Bilderbücher, Kinder- und Jugendfchriften befitzt keine Nation der Welt, wie die deutfche. Ebenfo producirt der deutfche Buchhandel eine enorme Menge von vortrefflichen Schulbüchern und populär- wiffenfchaftlichen Werken, wie fie nirgends fonft in fo grofser Menge vorkommen.

Ich fürchte nicht, zu viel zu fagen, wenn ich dem deutfchen Buchhandel einen Antheil an den Beftrebungen, Bildung, Aufklärung in immer weitere Kreife zu tragen, vindicire. Und hiebei find nicht etwa von vornherein grofse Capitalkräfte thätig gewefen; faft alle Verlagsbuchhandlungen find aus kleinen Anfängen nach und nach emporgewachſen.

Auch heute noch, wo fich eine fo fieberhafte Sucht, alle Zweige der Induftrie in grofsem Mafsftabe zu treiben und in Actiengeſellſchaften zu verwan­deln, kund gibt, auch heute fpielt das grofse Capital im Buchhandel keine Rolle. Einige Verfuche find wohl gemacht worden, fie find aber nicht über die einleiten­den Vorbereitungen hinausgekommen und fpurlos wieder verfchwunden.

Wie kaum eine andere induftrielle Thätigkeit, hat der Buchhandel nur aus eigener Kraft gefchöpft.

Und nun möchte ich noch einen Wunſch ausfprechen, der dem deutfchen Buchhandel lange am Herzen liegt es ift der nach einer unparteiifchen, tüchtigen und wohlwollenden Kritik,

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Es muss dankbar anerkannt werden, dafs unfere grofsen politifchen Blätter fich in neuefter Zeit häufiger mit den Erzeugniffen der Literatur befchäftigen. Dennoch gefchieht in diefer Richtung noch viel zu wenig, und ich glaube, es würden fich unfere Zeitungen den Dank nicht nur der Autoren und Verleger, fondern auch des Publicums erwerben, wenn fie öfter auf die Neuig­keiten des Büchermarktes zu fprechen kämen.

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