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Dr. Carl Th. Richter.
Die wohlthätigen Intentionen desfelben werden in immer weiteren Kreifen des Beamtenkörpers gewürdigt; Zeuge deffen der fchon in namhafter Anzahl erfolgte Beitritt von freiwilligen Mitgliedern. Ende 1872 betrugen für beide Bahnen: das Vermögen des Kranken- Unterſtützungsfondes 41.295 fi. 59 kr.; die Einnahmen des Inftitutes im Jahre 1872: 45-392 fl. 71 kr.; die Ausgaben 29.596 fl. 67 kr.
Zur gegenfeitigen Unterſtützung bei Todesfällen hatte fich bereits im Jahre 1867 und zwar aus felbfteigener Initiative aus Bedienfteten der Süd- norddeutfchen Verbindungsbahn ein Sterbecaffen- Verein gebildet, welcher fich fchon über das gefammte Bahnnetz ausgebreitet hat. Derfelbe verfolgt den Zweck, beim Ableben eines Mitgliedes feinen Hinterbliebenen zur Beftreitung der durch diefen Todesfall auflaufenden höheren aufsergewöhnlichen Auslagen eine Unterftützung zu gewähren. Diefer Verein zählte im Jahre 1872: 1469 Mitglieder bei einer Gefammteinnahme von 2900 fl. und hat während der Dauer feines Beftandes nahezu Hundert Familien unterstützt.
Der Spar, Vorfchufs- und Affecuranzfond„ Grofs- Rittershaufen" befteht, um feinen Mitgliedern durch Uebernahme verzinslicher Einlagen Gelegenheit zur Anlage von Erfparniffen zu bieten; denfelben durch Verwendung der disponiblen Fonds Vorfchüffe zu ertheilen; ihnen Lebensversicherungen bei vertrauenswürdigen Affecuranzgefellſchaften zu vermitteln und die Leiftung der Prämien möglichft zu erleichtern; die Rechte feiner Mitglieder gegen die betreffenden Affecuranzgefellſchaften zu vertreten. Mit Schlufs des Jahres 1872 nun fafste diefer Verein eine Mitgliederzahl von 1073 Köpfen mit einem verficherten Capitale von 1,048.470 fl. 1 kr., wofür 26.791 fl. 28 kr. an Prämien erlegt wurden. Für Todesfälle der Jahre 1871 und 1872 wurde an verficherten Capitalien der Betrag von 23.000 fl. ausbezahlt.
Der höchfte der ertheilten Vorfchüffe betrug 1600 fl., der kleinfte 20 fl., und repräfentirte das durch Ertheilung von Vorfchüffen vom Fonde erworbene Vermögen mit Ende 1872 den Betrag von 14.613 fl. 58 kr.
Im
Solche Inftitutionen find auch bei den anderen Eifenbahn- Gefellſchaften eingeführt, fo bei der Staatsbahn, der Nordbahn und Elifabethbahn. Auch die Donau Dampffchifffahrts- Gefellſchaft, die erfte in Oefterreich als Mufter für alle anderen ähnlichen Inftitutionen, hat in der Kohlen- Bergwerks Colonie zu Fünfkirchen, ebenfo wie in Peft- Ofen bei der gröfsten Schiffswerfte des Continentes zahlreiche fociale Inftitutionen ins Leben gerufen und man konnte darüber in dem fchönen Pavillon der Gefellfchaft belehrende Auskunft erhalten. Jahre 1857 gründete die Bergverwaltung zu Fünfkirchen ein grofses Waarenmagazin und richtete dasfelbe nach den Ideen der Confumvereine ein. Die Colonie verzehrte damals 6000 Centner Meh!, wonach man leicht die übrigen Bedürfniffe meffen und den Gewinn des Waarenmagazins berechnen kann. Im Jahre 1871 wurden 9269 Centner Mehl, 456 Centner Speck, 315 Centner Fett, 123 Centner Seife f. w. confumirt. Bei einer Bevölkerung von 2772 Seelen! Das Confummagazin erzielte damit einen Umfatz von 160.000 fl. und war im Stande, an die Mitglieder nach Abzug von 5 Percent für gemeinnützige Zwecke 7 Percent des durchfchnittlichen Faffungsbetrages, alfo 11.136 fl., zu vertheilen. Mit dem Gewinnfte aus dem Magazin hat fich die Arbeiterbevölkerung eine Kirche erbaut, deren Pfarrer die Gefellſchaft wieder unterhält, dann wurde eine Kleinkinder- Bewahranftalt gefchaffen und in Verbindung wieder mit der Gefellfchaft eine Schule, die befte jedenfalls in ganz Ungarn, nach ihrem Baue und nach ihrer Einrichtung, welche 19.000 fl. gekoftet hat. Die Gefellfchaft felbft baute ein Spital mit 40 Betten, einer Apotheke, einem Secirzimmer und einer Wohnung für den Krankenwärter. Die Einrichtung hat die Bruderlade beforgt, ebenfo wie diefe ein Vergnügungslocal mit Gefellſchaftsräumen gegründet und endlich im Jahre 1870 und 1871 eine viergängige Dampfmühle, welche die Colonie in der Nacht durch eine 900 Klafter lange Wafferleitung mit Waffer verforgt und am Tage Mehl für die Colonie und