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Allgemeine Bildungsmittel : (Gruppe XXVI, Section 6) ; Bericht / von Rudolf Lechner, Alfred Klaar, Carl Th. Richter
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Dr. Th. Carl Richter.

Beobachtung hat die Gefellfchaft beſtimmt, nach und nach 13 folcher Zimmer je mit der nächftanftofsenden Wohnung zu vermiethen; folch' gröfsere Wohnungen nehmen dann gerne Parteien, welche Ledige in Aftermiethe nehmen. Gegenwärtig wird das Haus bewohnt von 90 Familien mit 410 Familiengliedern, 82 After­parteien und 7 Ledigen. Ein Beweis, wie gefucht diefe Wohnungen find, ift, dafs ftets 30 bis 40 Parteien vorgemerkt find, welche um derlei Wohnungen nach­fuchen.

Die Localaufficht im Haufe führt ein Gefellſchaftsbeamter als Haus­infpector, welcher als Entfchädigung für feine Mühewaltung nur den halben Zins zahlt für die im felben Haufe von ihm benützte Wohnung.

Theils um dem Penfionsfonde die Gelegenheit zu geben, die Fondsgelder ficher und rentabel anzulegen, theils um den auf dem Südbahnhofe Bedienfteten Gelegenheit zu geben, in der Nähe des Bahnhofes gefunde und billige Wohnungen zu bekommen, fchenkte die Gefellſchaft dem Penfionsfonde Grund und Boden zum Bau eines Wohnhaufes bei der Favoritenlinie. Das Haus ift vierftöckig, der Bau­aufwand ift 210.000 fl., das Erträgnifs für den Penfionsfond ift 7 Percent.

Das Haus umfafst 48 theils gröfsere, theils kleinere Wohnungen und 12 Gewölbe. Die Wohnungszinfe find um circa 10 Percent billiger als in den nächstgelegenen Häufern. Auch bei diefem Haufe ift ein Afyl und eine Kinder­fchule eingerichtet, von denen wir fchon früher berichtet.

Auch die anderen Bahngefellſchaften haben die Nothwendigkeit eingefehen, in diefer Richtung für ihre Arbeiter zu forgen. Sehr bedeutend verfprechen die Arbeiterwohnungen und Colonie- Anlagen der k. k. privi egirten öfter­reichifchen Nordweftbahn zu werden.

Bei Anlage der Bahnhöfe und Stationen wurde wohl für die Unterbringung der zur Ausübung des Dienftes unbedingt erforderlichen Beamten und Diener in den gefellſchaftlichen Gebäuden Sorge getragen; diefe Vorforge konnte fich jedoch nicht auf dasjenige Dienftperfonale und auf die Arbeiter erftrecken, welche nicht eigentlich zum inneren Stationsdienft verwendet werden, fondern vielmehr an den Haupt- Knotenpunkten der Bahn ftationirt werden müffen, um von dort ihre Dienſtleiſtungen über eine gröfsere Strecke auszuüben. Wenn fich nun diefe Leute in den benachbarten Ortfchaften gröfstentheils einmiethen mussten, wo es jedoch an den entſprechenden Wohnungen fehlte, oder für die Miethe der vor­handenen Localitäten unverhältnifsmäfsig hohe Zinfe verlangt wurden, fo war die Erhaltung tüchtiger Kräfte dauernd erfchwert, die Luft zur Veränderung der Stellung ftets wachgehalten und der Dienft bei dem hiedurch hervorgerufenen grofsen Wechfel natürlich beeinträchtigt.

Die Etablirung von Beamtenwohnhäufern und Arbeitercolonien wurde dadurch fchon lange ein Gegenftand des eingehendften Studiums für die Verwal­tung der grofsen Bahngefellfchaft. Das Refultat langer Berathung wird nun bald, wenigftens wie die ausgeftellten Pläne der Colonien der Gefellſchaft bewiefen, thatfächlich vollendet fein und wird wohl den eben gefchilderten Uebelftänden, denen die Bedienfteten aus eigener Kraft nicht entgegentreten können, abgeholfen werden.

Diefe Colonien werden an den Haupt- Knotenpunkten der Bahn angelegt, und find bereits die für Jedlerfee und Nimburg beftimmten Baulichkeiten in der Ausführung begriffen und werden vollendet, in der nächften Zeit für billige und gute Unterbringung der Beamten und des gröfsten Theiles des Arbeiter­perfonales leicht und beftens Gelegenheit bieten.

Für Errichtung von Schulen, Spitälern, Reftaurationen in diefen Arbeiter­colonien werden foeben die hiefür nöthigen Pläne angefertigt und dürften dem­nächft endgiltig feftgeftellt werden.

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Hat dann der Arbeiterftand" fo fchreibt uns die Direction der Gefellſchaft, ,, eine gute Wohnung mit einem kleinen Nutzgarten und einen Antheil an den gefellfchaftlichen Wafchküchen und Badecabineten, fo wird fich bei demfelben